1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Nabu-Aktion: In St. Ingbert läuft Zählung der Gartenvögel

Nabu St. Ingbert : Es schlägt die Stunde der Gartenvögel

Der Nabu St. Ingbert ruft zur Teilnahme an der bundesweiten Zählaktion auf und gibt Infos zur akuellen Lage der gefiederten Gartenbesucher.

Noch zum Sonntag, 16. Mai, findet unter dem Motto „Stunde der Gartenvögel“ eine bundesweite Zählung der gefiederten Gartenbesucher statt. Interessierte sollen die Vögel ihres Wohnumfeldes beobachten, zählen und die erhobenen Daten per Brief oder Internet an den Nabu melden. Bis 24. Mai kann jeder seine Ergebnisse noch mitteilen. Beobachtungsort muss nicht zwingend der eigene Garten sein. Auch im benachbarten Park oder vom Balkon oder Fenster aus, kann das Wohnumfeld beobachtet und die Vögel gezählt und notiert werden.

Die Zählaktion soll es ermöglichen, sowohl bundesweit als auch lokal verwertbare Bestandszahlen zur Vogelfauna in den deutschen Ortschaften zu erhalten. Genaue Zahlen über die Gesamtpopulationen der beobachteten Vogelarten abzuleiten, ist dabei nicht möglich. Es werden die Tiere in den örtlichen Vogelbeständen erfasst und die ermittelten Zählergebnisse überregional und bundesweit zusammengeführt. Die Jahresergebnisse können verglichen werden und ermöglichen es, Entwicklungen in den Populationen einzelner Vogelarten zu erkennen.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass auch die Vogelwelt durch den Klimawandel unter Druck geraten ist. Insbesondere der seit kurzem bekannte Rückgang der Insekten, wirkt sich auf die Nahrungsverfügbarkeit sowohl der Altvögel als auch ihres Nachwuchses aus. Überleben und Fortpflanzungserfolg fast aller heimischen Vogelarten hängen davon ab, ob es ihnen gelingt, ihre Brutaktivitäten mit dem Zustand ihrer Umwelt, allen voraus mit der Witterung, abzustimmen. Bruten können nur erfolgreich verlaufen, wenn der Nachwuchs zu einer Zeit schlüpft, in der die zur Aufzucht erforderliche Insektennahrung in Form von Insekten und Raupen ausreichend zur Verfügung stehen und für die fütternden Elterntiere leicht zu erbeuten sind.

In Europa überwinternde Arten haben es dabei etwas leichter als Zugvögel. Letztere stehen vor dem Problem, dass sie natürlich in ihren oft weit entfernten Überwinterungsgebieten in Afrika und Asien nicht wissen können, wie die Witterung in Europa verläuft. Sie müssen aus großer Ferne abschätzen, wann die beste Zeit für die Rückkehr in die europäischen Brutgebiete gekommen ist.

Noch schwieriger ist die Situation dadurch geworden, dass das Wetter immer unvorhersehbarer wird; ebenfalls eine Erscheinung, die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht wird. Wechsel zwischen sehr kalten, heißen und besonders trockenen Wochen schon im Frühjahr, machen nicht nur der Landwirtschaft zu schaffen. Auch für heimische Tiere ist die Anpassung an die veränderten Lebensumstände eine neue Herausforderung die es zu bewältigen gilt.

Nicht zu vergessen ist dabei, dass auch die Lebensräume entlang der Zugrouten erhalten werden müssen. Ohne futterreiche Rastplätze an denen Energiereserven aufgefüllt werden, können viele Zugvögel die Strapazen des Zuges nicht bewältigen. Insbesondere verlängerte Dürreperioden in Nordafrika, vermutlich auch eine Folge des Klimawandels, lassen die dortigen Rastplätze schwinden. Der immer noch verbreitete Vogelfang in den Ländern rund um das Mittelmeer, wird durch die Konzentration der Zugvögel auf immer weniger brauchbare Rastplätze sogar noch erleichtert.

Am Aktionswochenende 2020 (8. bis 10. Mai) gab es bundesweit einen neuen Teilnehmerrekord. Über 161 000 Vogelbeobachter übermittelten Ergebnisse von 108 000 Beobachtungsplätzen. Der damalige Corona-Shutdown hatte vermutlich mit zu einem verstärkten Interesse für die Natur vor der Haustür geführt und damit zu der großen Resonanz beigetragen.

Sowohl bundesweit und für das Saarland als auch im Saarpfalz-Kreis waren Haussperling, Kohlmeise und Amsel die am häufigsten notierten Arten. Im Kreisgebiet folgten auf den weiteren Plätzen Elster, Blaumeise, Star, Mauersegler, Rabenkrähe, Ringeltaube und Feldsperling. Überraschend war, dass selbst für sechs unter diesen zehn häufigsten Arten, Bestandsrückgänge verzeichnet wurden. Für die Blaumeise lag dieser sogar bei 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für Mauersegler bei 21 Prozent. Kohlmeisen und Amseln gingen um 16 bzw. 15 Prozent zurück. Stark angewachsen waren die Bestände von Haussperling (33 Prozent) und Feldsperling (26 Prozent), beides Arten, die besser als andere an Wärme und Trockenheit angepasst sind. Den größten Zuwachs im Saarpfalz.Kreis konnten die Turmfalken verzeichnen. 54 Tiere wurden gezählt, so viele wie niemals zuvor.

Für die Blaumeisen scheint der Grund für die starken Verluste bekannt. Als Verursacher wird das vogelspezifische Bakterium Suttonella ornithocola angesehen. Der Nabu hatte seine Mitglieder gebeten, befallene Tiere zu melden. Insgesamt gingen schon im März und April 2020 über ein Online-Formular, fast 21 000 Hinweise aus ganz Deutschland über etwa 40 000 erkrankte Blaumeisen ein. Die Infektion endet tödlich. Die Tiere wurden also regelrecht Opfer einer Epidemie.