Aus Liebe ging es hoch hinaus

Eigentlich wollte Patrick Klemmer nach seinen Touren, die ihn um die halbe Welt führten, verstärkt in den Alpen klettern, denn solch ein Bergesteiger-Hobby "mit Anspruch" kostet nicht nur Kraft und Vorbereitung, sondern auch Geld.

Doch als der St. Ingberter im Internet die Ausschreibung für eine Exkursion zu Alpamayo und Huascaran, beides Gipfel in der Cordillera Blanca, dem Bergsteiger-Mekka Südamerikas, las, sprang der Funke sofort über. Dabei ging es nicht nur um die beiden Landmarken, von denen der Huascaran mit 6768 Meter der höchste Berg Perus ist, und der andere "Peruaner" als einer der schönsten Berge der Welt gilt. Dem Land ist Klemmer in besonderer Weise verbunden, weil er sich schon seit geraumer Zeit für dessen Natur- und Kulturschätze interessiert und vor allem, weil seine Freundin Maria Eugenia Ponce-Villarroel dort geboren ist. Seit zwei Jahren sind die beiden, die sich an Klemmers Arbeitsplatz im Kletterzentrum Saarbrücken kennenlernten, ein Paar. Liebe kann nicht nur Berge versetzen, sondern auch dafür sorgen, dass einen Bergliebhaber selbige besteigen lässt. Klemmer, der Peru schon von einer früheren Reise kannte, musste also nicht lange überlegen, bevor er sich für die 23-tägige schwere Hochtour im Sommer vergangenen Jahres bewarb. Diese als Drei-Gipfel-Expedition angelegte Bergerfahrung reizte den St. Ingberter Kletterer wegen ihres Anspruchs und der traumhaften Kulisse. Im Vorfeld trainierte er sich mit vielen Läufen und Rennradfahrten die Kondition für die Bergbesteigung an, auch den Schwarzenbergturm in Saarbrücken lief er zehn Mal hintereinander "rauf und runter".

Der Alpamayo mit seinen 5947 Metern Höhe ist ein Bilderbuchberg mit durchschnittlich 60 Grad Flankenneigung, wobei es bei der letzten Seillänge nochmal fünf Grad steiler wird. Am Tag des Gipfelsturms über die sichere Franzosen-Route auf den Alpamayo wurde im Hochlager auf 5600 Meter um zwei Uhr morgens geweckt, eine Stunde später machte sich die Seilschaft auf den Weg. "Eine knappe Stunde brauchten wir bis zum Wandfuß, dann ging es noch über einen schweren Bergschrund, und dann gab es noch eine 480 Meter hohe Wand zu überwinden", so der 41-Jährige. "Die Rinne, die es am Berg zu passieren galt, ist ohne Helm lebensgefährlich", so Klemmer, der den vierstündigen Anstieg mit fünf weiteren Bergsteigern wagte. "Wir sind von Eis bombardiert worden, der Kopf musste deshalb so nah wie möglich an der Wand bleiben." Ein österreichischer Seilkamerad kam blutverschmiert aus dieser Passage heraus. Doch sein eigentliches Gipfelerlebnis sollte ein anderes werden. Am 20. Juli oben angekommen, herrschte relativ schlechtes Wetter bei -10 Grad, und der Gipfel bot nicht viel Platz. Hinter Klemmer ging es 2000 Meter in die Tiefe. Jetzt kam seine Stunde, denn er hatte nicht nur Seil und Steigeisen dabei, sondern wie auf den vergangenen Reisen auch, einen St. Ingberter Wimpel und die Fahne Perus. Anders war diesmal aber, dass die Flagge einen ganz besonderen Schriftzug trug - eine Liebeserklärung an seine Freundin. Per SMS erhielt Maria Eugenia, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt, die Nachricht von diesem besonderen Liebesbeweis. Dabei brauchen beide das Spektakuläre eigentlich nicht, und doch war die 38-Jährige gerührt, wie sie sagt. Ihr Freund, in ihrem Land, mit dieser Botschaft, an diesem besonderen Platz. "Wir haben soviel gemeinsam, können uns an einer Fahrradtour an der Saar genauso freuen wie über eine Winterwanderung", erzählen beide. Das Schönste für den St. Ingberter ist indes die Tatsache, "dass wir 12 000 Kilometer voneinander geboren und jetzt doch zusammen sind". Und noch ein anderes Kompliment macht Patrick Klemmer seiner Freundin: "Ich habe die beste Spanischlehrerin, die es gibt." Dass der Gipfel des Huascaran, der höchste bei der Tour angepeilte Berg, wegen Eisschlaggefahr dann doch nicht bestiegen werden konnte, fiel da angesichts des persönlichen Glücks nicht so sehr ins Gewicht.