Kolumne : Sorgen in Zeiten des Wahlkampfs

Droht in Blieskastel eine Koalitionskrise zwischen CDU und Grünen? Die Arbeit der Polizei steht nach einer Einbruchserie in der Barockstadt auf dem Prüfstand. Doch die Ordnungshüter leisten im Rahmen des Möglichen nach wie vor gute Arbeit.

Hoppla, steht denn da in Blieskastel etwa kurz vor Toresschluss noch eine Koalitionskrise ins Haus? Das Thema Sicherheit in der Stadt hat CDU und Grüne, zwischen die in all den Jahren kein Blatt Papier passte, zerstritten. Während die CDU die Polizei in höchsten Tönen lobt („Unsere Polizei macht einen guten Job“), haben die Grünen nach einer Einbruchserie Antworten zur Polizeipräsenz in der Nacht gefordert. Dabei sei zumindest in einem Fall die Polizei aus Homburg gekommen, da sich kein Einsatzfahrzeug wie von der Polizeiführung zugesagt, im Bliesgau befand. Bei einem Einbruch in eine Goldschmiede sei der Täter längst über alle Berge gewesen, ehe die Polizei aus Homburg eingetroffen sei. Die bündnisgrüne Stadtratsfraktion befürchte, dass die saarländische Polizeireform eine Sparmaßnahme auf Kosten der Sicherheit der Menschen darstelle. Bemerkenswert ist allein schon, dass die Grünen das Thema Innere Sicherheit thematisieren. Dabei verfallen die Ökopaxe gewöhnlich schon bei Sicht eines Polizeiknüppels in Schnappatmung. Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener (CDU) ihrerseits will nicht nur, dass das Polizeirevier in Webenheim ins Haus des Bürgers umzieht, sondern sie hat gar Beistand für die Ordnungshüter signalisiert. Sie will ein Sicherheitsbündnis zwischen Verwaltung und Polizei schmieden: Mehr Kooperation und eine stärkere Ortspolizeibehörde mit eigenem Außendienst stünden dabei im Mittelpunkt. Ob man das in Zeiten des Wahlkampfs alles ernst nehmen kann? Fakt ist, dass die Polizei umso effektiver arbeiten kann, je mehr Leute sie hat. Im vergangenen Oktober war im Zuge der Herabstufung der Polizeiinspektion Blieskastel dieses Revier der Polizeiinspektion Homburg zugeschlagen worden, ebenso wie die Polizeiposten Mandelbachtal und Gersheim. Am 1. Dezember 2014 hatte Blieskastels Polizeichef Markus Müller die Nachfolge von Klaus Port mit damals 37 Mitarbeitern angetreten. Jetzt stehen Müller noch 21 Leute zur Verfügung, die Präsenz auf den Dienststellen ist zwangsläufig zurückgegangen. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Die Polizei macht nach wie vor auch in Blieskastel einen guten Job, aber mit weniger Personal kann man nicht die gleiche Leistung wie zuvor erbringen. Die Polizei in die Stadt zu holen, mag das subjektive Sicherheitsbedürfnis der Bürger stärken. Ob sie bürgernäher werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

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