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„Nicht verbiegen lassen“

„Nicht verbiegen lassen“

Am Mittwoch wird Reinhold Jost im Landtag als Justizminister sowie als Minister für Umwelt und Verbraucherschutz vereidigt. SZ-Redakteur Daniel Kirch sprach mit dem SPD-Politiker über seinen Politikstil, seine Eignung als Minister und die Zukunft von Heiko Maas im Land.

Wie froh sind Sie, dass Sie nun doch nicht nach Berlin müssen?

Jost: Es waren drei Monate einer einzigartigen Erfahrung, und ich will überhaupt nicht sagen, dass es mir keinen Spaß gemacht hat. Aber es war schon eine enorme Umstellung, was die Abläufe, die Größe und den Umgang miteinander angeht. Ich gebe gerne zu: Die Rückkehr ins Saarland stimmt mich eher froh als übellaunig. Ich freue mich darauf, als Minister Verantwortung für das Land übernehmen zu dürfen.

Sie hatten keinen idealen Start in Berlin, wie irritierte Reaktionen von SPD-Fraktionskollegen auf Ihre Vorstellung als "Anhänger des gepflegten Herrenwitzes" gezeigt haben.

Ich hatte den schon. Andere hätten vielleicht noch etwas gebraucht, um mich kennenzulernen. Wenn man mit aller Leidenschaft Politik macht, muss man sich auch ein Stück Lebensfreude bewahren. Und man darf sich nicht verbiegen lassen. Diesem Prinzip bin ich immer treu geblieben.

Wollen Sie als Minister Ihr Image ändern?

Jost: Ich bleibe im Kern der, der ich bin: jemand, der gerne mit Menschen zusammenkommt, der die Menschen gerne hat und vor niemandem Angst hat. Ich glaube, ich habe bewiesen, dass ich jemand bin, der sehr hartnäckig die Interessen der Menschen vertritt. Was das angeht, wird man sicher weiter mit mir rechnen müssen, auch wenn die Tonart im Vergleich zur Zeit als Generalsekretär vielleicht etwas mehr in Moll sein wird - aber genauso verbindlich.

Oskar Lafontaine hat gesagt, zu seiner Zeit als Ministerpräsident sei bei der Auswahl der Minister noch Wert auf die berufliche Ausbildung gelegt worden. Hat Sie das getroffen?

Jost: Ich habe es mit belustigtem Interesse zur Kenntnis genommen, wer alles mein Berufsberater werden will.

Können Sie verstehen, dass es unter Richtern und Staatsanwälten Skepsis gibt, dass Sie als Justizminister der Richtige sind?

Jost: Da habe ich andere Rückmeldungen. Man wünscht mir nicht nur viel Kraft und Glück, sondern hat mir auch Unterstützung angeboten. Wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder. Ich sehe das auch als Herausforderung: Mit großem Respekt vor der neuen Aufgabe, aber ohne Angst. Zumal ich mit Anke Morsch eine hervorragende Staatssekretärin an meiner Seite habe.

Was verbindet Sie mit Umweltpolitik und Naturschutz?

Jost: Ich war viele Jahre Mitglied und Vorsitzender der Naturfreunde in Siersburg, eine Zeit lang auch mal stellvertretender Landesvorsitzender. Ich habe meine Arbeit immer so verstanden, Ökologie und Ökonomie, diesen vermeintlichen Widerspruch, zusammenzuführen. Beides gehört zu einer nachhaltigen Entwicklung dazu - gerade bei uns im industriell geprägten Saarland. Ich übernehme da von Anke Rehlinger ein gut bestelltes Haus und freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Grünen-Chef Hubert Ulrich sagt, ein Anhänger der Kohle-Energie wie Sie eigne sich kaum als Umweltminister.

Jost: Wir haben uns im Koalitionsvertrag bei der Rückführung der Emissionen ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt. Das hat Bestand. Und wir stehen zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Wenn nun Hubert Ulrich der Meinung ist, wir sollten im Saarland alle Kohlekraftwerke von jetzt auf gleich abschalten, dann soll er das auch den Beschäftigten in den davon abhängigen Industrien sagen. Er ist für mich kein ernstzunehmender Vertreter grüner Politik im Saarland, da gibt es zum Glück auch andere Personen.

Welche Rolle wird Heiko Maas künftig in der Landespolitik noch spielen?

Jost: Heiko Maas ist der unverzichtbarste Bestandteil der SPD Saar. Er hat schon in den ersten Tagen bewiesen, dass er ein Gewinn für die Bundesregierung ist. Und für das Saarland ist überlebenswichtig, in Berlin eine starke Stimme zu haben. Ich bin mir sicher, dass er als Bundesminister und Landesvorsitzender die bestimmende und integrative Kraft der SPD Saar bleiben wird.

Aber er wird nicht der Spitzenkandidat bei der Wahl 2017.

Jost: Diese Frage stellt sich jetzt nicht, sondern erst in mehr als zwei Jahren. Jetzt gilt es, gemeinsam erfolgreiche Politik zu machen.

Zum Thema:

Zur PersonReinhold Jost, 47, katholisch, ledig. Grund- und Hauptschule in Siersburg, Stahlbauschlosserlehre, anschließend Berufsaufbau- und Fachoberschule (Metall), ab 1988 Ausbildung zum Finanzfachwirt, bis 1999 Steuersekretär beim Finanzamt Saarlouis. Seither Landtagsabgeordneter, 2005 bis 2012 Vorsitzender des Haushaltsausschusses, 2012 bis 2014 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion.SPD-Mitglied seit 1983, seit 1995 Ortsvorsteher von Siersburg, 2005 bis 2014 Generalsekretär der SPD Saar, 2009 bis 2014 Landesgeschäftsführer der Partei, seit 2010 Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Saarlouis. kir