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Der Winter kehrt zurück

Der Winter kehrt zurück

Für Wintergetreide kommt der Frost gerade recht, denn der fürs Wachstum notwendige Kältereiz ist bislang ausgeblieben. Auch die durch die Wärme zu früh geschossenen Knospen könnten den Wechsel verkraften.

Der Winter kehrt ins Saarland zurück. Leichter Frost und kältere Temperaturen haben am Wochenende dem bislang mildesten Winter seit 2006/07 - dem wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung - ein Ende bereitet. Doch der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet nur nachts mit leichten Minusgraden.

Der Frost kommt den Getreidebauern gerade recht. "Wintergetreide wie Raps braucht einen Kältereiz, damit es, wenn es wärmer wird, merkt, dass der Frühling kommt", erklärt Alexander Welsch, Referent beim Saarländischen Bauernverband. Doch bislang war dieser ausgeblieben. Gibt es keinen Kältereiz, könnte bei den Pflanzen im Frühjahr nicht die nächste Wachstumsstufe einsetzen. Schlimmstenfalls müssten die Landwirte dann die Äcker umpflügen und etwas anderes einsäen. "Aber den Fall hatten wir bislang noch nie", sagt Welsch. Ob der jetzt begonnene leichte Frost für den Kältereiz ausreicht, bleibt abzuwarten. Der milde Winter habe jedoch nicht für eine verstärkte Zahl von Schädlingen gesorgt.

Diese Einschätzung teilt auch der Pflanzenschutzbeauftragte der saarländischen Landwirtschaftskammer, Günter Hinrichs. Denn neben der Temperatur und Feuchtigkeit spielt auch die Helligkeitsdauer eine Rolle. "Die Schädlinge merken, dass die Tage noch kurz sind und somit Winter herrscht, und vermehren sich nicht", sagt Hinrichs. Der Frost wird nach Einschätzung von Steffen Potel vom BUND Saar kaum negative Folgen haben. "Die Natur steckt das weg. Wir sind jetzt noch nicht im Frühling", meint Potel.

Die Auswirkungen auf die Tierwelt seien unterschiedlich. "Vögel finden bei dem bisher milden Wetter viel leichter Nahrung, Mäuse hingegen sind gefährdet, wenn sie den ganzen Winter im Nassen sitzen. Ihnen ist eine Schneedecke lieber", erklärt Potel. Zwar gebe es bereits Knospen, doch die seien bei den meisten Obstbäumen noch nicht aufgegangen und würden durch Frost derzeit nicht beschädigt.

Mit Problemen aufgrund der bisher milden Temperaturen und des wieder eingesetzten Frosts rechnet auch die Landwirtschaftskammer nicht. Die Natur könne mit einer Spanne zwischen minus 20 und plus 15 Grad Celsius umgehen, sagt Günter Hinrichs. "Viele meinen, es blühe zu früh, denken aber nicht daran, dass es viele winterblühende Gehölze gibt, etwa den Winterjasmin", sagt Hinrichs. Doch blühe auch schon mancher Kirschbaum. Hier könne es bei andauernden Minusgraden zu Frostschäden kommen. Manche Haselnusssträucher blühten in den vergangenen Wochen verfrüht. "Für Allergiker bedeutet das, dass sie Heuschnupfen mitten im Winter bekommen können", sagt BUND-Experte Potel. Für die Natur sei es besser, die Kälte komme schrittweise und nicht abrupt über Nacht, sagt Hinrichs.

Schneller und extremer Temperaturwechsel kann sich auch auf die Gesundheit bei Menschen negativ auswirken. "Wenn der Wechsel langsam kommt, hat der Organismus Zeit, sich anzugleichen", sagt die Medizinmeteorologin des DWD, Christina Koppe-Schaller. "Kritisch ist es, wenn der Wechsel in ein bis zwei Tagen kommt." Vor allem ältere und chronisch Kranke könnten dann Beschwerden kriegen. Bei einem Temperatursturz könnten besonders Menschen mit hohem Blutdruck leiden, weil sich die Gefäße verengen und dadurch der Blutdruck weiter steigt, erklärt sie. Um einen Einfluss auf die Psyche müsse sich niemand Gedanken machen: "Grundsätzlich macht uns Wetter nicht krank", betont Koppe-Schaller. Unzufriedene mit dem Wetter gebe es immer.

Wer kranke Nutz- oder Zierpflanzen hat, erhält Rat vom Pflanzendoktor der Landwirtschaftskammer unter Tel. (0 68 81) 92 80.