Tohuwabohu im Sonderzug

In einem normalen Zug reden die Fahrgäste mit gedämpfter Stimme, manch einer blättert in einer Zeitung oder wischt über sein Mobiltelefon. Ganz anders geht es zu, wenn ein paar Dutzend Kindergartenkinder zu ihrer allerersten Zugfahrt aufbrechen.

Es herrscht ein Gewusel und ein Geplapper auf dem sonst oft verlassen wirkenden Bahnhof Ottweiler . Kein Wunder: Für viele hier ist es die allererste Zugfahrt. Mehr als 70 Kindergartenkinder aus drei Freisener Kitas sind heute mit der Ostertalbahn unterwegs, die an diesem Morgen nur für sie zwischen Schwarzerden und Ottweiler hin und her rollt. Die Hinfahrt ist bereits absolviert, auch ein kleiner Stadtrundgang in Ottweiler liegt hinter den meist sechsjährigen Kindern.

Fröhlich plappernd steigen die Knirpse nun wieder in den Zug. Vorneweg geht ein kleiner Hund, dahinter kommt eine rosa Plüschkugel, gefolgt von einem Tiger, einem Einhorn und einer Prinzessin. Unter den T-Shirt-Motiven ist auch die deutsche Nationalmannschaft, eine Comic-Katze und ein Auto mit Gesicht. Um 10.10 Uhr, zehn Minuten nach der geplanten Abfahrtszeit, haben alle ihren Platz im Zug gefunden und die Ostertalbahn setzt sich ruckelnd in Bewegung.

Schon wenige Minuten nach Abfahrt stimmen die Kinder ein Lied an, das alle Eltern gut kennen. Das Lied heißt: "Wann kommen wir an?", bekannt ist es auch unter den Titeln "Wie weit ist es noch?" und "Wann gibt es was zu essen?". Da die Fahrt noch ein wenig dauert und es auf diese Fragen keine befriedigende Antwort gibt, lassen die Erzieherinnen die Kinder einfach etwas Richtiges singen. "Wir fahren mit der Eisenbahn, mit der Eisenbahn", trällern die Kleinen, es folgt das Feuerwehrlied: "Wir sind von der Feuerwehr, Feuer löschen ist echt schwer". Die Kleinen trällern und tanzen, spritzen mit einem imaginären Schlauch nach rechts und links und schon ist der Hunger vergessen.

Zwischendurch kommen noch die beiden Zugführer Heinz-Jürgen Schmidt und Rudolf Ecker durch die Reihen, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Dem einen oder anderen, der seine Fahrkarte verloren hat, wird es nachgesehen. Auch sonst geht es bei der Sonderfahrt der Ostertalbahn etwas anders zu als in einem normalen Zug. Da klettern Kita-Kinder schon mal auf Sitzen herum und flitzen durch die Flure.

Hin und wieder müssen die Erzieherinnen ihre Schützlinge ermahnen, wenn sie es gar zu doll treiben, etwa wenn sie die Hände aus dem Zugfenster halten. Ohnehin scheint den meisten das Geschehen im Zug mehr Spaß zu machen als das, was draußen passiert. Nur ein kleiner Teil klebt am Fenster und ruft hin und wieder "Ah" und "Oh", wenn etwa ein Freibad oder Kühe zu sehen sind.

Im Freisener Ortsteil Oberkirchen hüpft das erste Drittel der Reisegruppe aus dem Zug. Die anderen verabschieden sie mit einem kleinen Lied und fröhlichem Winken. Wenige Minuten später schon lässt Lokführer Jürgen Mühlhoff die Ostertalbahn quietschend in ihren Start- und Zielbahnhof einfahren. Endstation Schwarzerden, alle bitte aussteigen.

Den Kindern ist anzusehen, dass ihnen ihre erste Zugfahrt mehr als gefallen hat. Vielleicht erinnern sie sich später einmal daran, wenn sie, womöglich mit ihren eigenen Kindern, auf dem Bahnhof stehen und sich wieder einmal ärgern, dass ein "richtiger" Zug der Deutschen Bahn ausgefallen ist.

Für Auskünfte und Reservierung wendet man sich an Jürgen Mühlhoff vom Arbeitskreis Ostertalbahn unter Tel. (0 68 21) 95 24 88 oder E-Mail info-gs@ostertalbahn.de.

Ostertalbahn .de

Zum Thema:

Lokführer Jürgen Mühlhoff (v.l.) und die beiden Zugführer Rudolf Ecker und Heinz-Jürgen Schmidt.
Die „Fensterguck-Fraktion“.

Auf einen Blick Die Ostertalbahn verkehrt als Museumszug auf der 21 Kilometer langen Nebenbahnstrecke zwischen Ottweiler und Schwarzerden. Die nächsten öffentlichen Fahrttermine sind: 10. und 17. Juli, 14. und 28. August, 14. und 18. September, 3. und 16. Oktober. Reservierung bei Gruppen erwünscht. Daneben kann der Zug auch für private Anlässe gemietet werden. rob