Der Trottel-König und die Zicken-Prinzessin

Der Trottel-König und die Zicken-Prinzessin

Viertklässler der Grundschule Lehbesch haben im Schlosstheater Ottweiler das Musical „Der König und sein Narr“ präsentiert. Sie setzten dabei einmal auf ungewöhnliche Charaktere – sehr zur Freude der Zuschauer.

"Unser König ist ein Trottel." Für die Zofe und den Kammerdiener steht das genauso außer Frage wie für den Rest des Personals am Hof. Da staunten die zirka 250 Kindergarten- und Grundschulkinder gestern Vormittag im Saal des Ottweiler Schlosstheaters ganz schön. Mal kein Monarch der Güte und Stärke, sondern ein Hanswurst, den seine zickige Tochter herum kommandiert und der es einfach nicht schnallt, dass ihn jeder verhöhnt und ausnutzt. Eigentlich ein armes Würstchen - dafür aber ein sangesstarkes. Als erster Solist machte Erik Linnebach als König mit der Schlafhaube auf dem Kopf eine gute Figur: "Ich bin müde, fruchtbar müde", sang er gähnend. Von da an entwickelte sich das Musical aus der Feder von Wolfgang Nier furios. Der bediente sich bei der Schaffung seines Kindermusicals zweier "Märchen", deren Entstehungshintergrund in der Sowjetunion liegt und deren Gesellschaftskritik zumindest bei den älteren Zuschauern angekommen sein dürfte.

Am Hofe wird viel gefeiert und für die bevorstehende Verlobung erwartet die Prinzessin (Samira Plinke) etwas ganz Besonderes. Des ewigen Bratens überdrüssig, will der König die Festgesellschaft mit frischen Äpfeln überraschen und beauftragt den Hofnarren ( Alexander Zimmer), sämtliche Früchte auf dem Markt aufzukaufen. Der Narr denkt gar nicht daran und gibt den Job an den Verwalter weiter. Dieser an den Koch, der an den Hauptmann. Vorher nimmt sich aber jeder noch Goldstücke aus dem Säckchen. Am Ende reicht es gerade mal für fünf Äpfel - was den König dann doch wundert. Da müsse das Volk ja sehr reich sein, wenn es solche Preise bezahlen kann. Zeit für eine saftige Steuererhöhung. Die zickige Prinzessin und ihr eingebildeter Verlobter (Dilcan Sisamci) halten wenig vom Apfel-Einfall des Königs und beauftragen den Narren, für ein wirkliches Highlight zu sorgen. So geht der Spaßmacher nun doch selbst auf den Markt und kauft einen Stand mit Tonwaren auf. Hier, inmitten der Untertanen, wird auch gefeiert. Höhepunkt soll das Zerschlagen der Keramik werden. Das Volk ist entsetzt und jagt den ganzen Hofstaat davon. Zum Finale stimmen alle ein Siegeslied an: "Was für ein schöner Tag! "

Seit Schuljahresbeginn begleitet "Der König und sein Narr" die Viertklässler der Lehbeschschule. Wie man sah, hat sich die viele Probenarbeit der 36 Mädchen und Jungen gelohnt. Mit großer Präsenz und Selbstverständlichkeit agierten die jungen Mimen trotz Lampenfieber fast schon professionell auf der großen Bühne. Zum großen Erfolg trugen nicht zuletzt die historischen Kostüme, die passenden Requisiten und ein wunderbares Bühnenbild bei, für das Uschi Nawrath-Emmler unter anderem den barocken Schlossplatz malte. Warum sie gerade dieses Stück ausgewählt hatte, erklärte Projektleiterin Susanne Müller: "Es bot sich an, weil viele Schüler auf der Bühne eingebunden werden konnten." Die einzelnen Rollen seien dann noch auf die Darsteller zugeschnitten worden. Auf den tosenden Applaus folgten Zugabe-Rufe, denen die Viertklässler strahlend nachkamen.