Der Kalender des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen (HVSN) fürs Jahr 2020 liegt bereit

Historischer Verein Stadt Neunkirchen : Eine Reise in die Vergangenheit

Der Kalender des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen (HVSN) fürs Jahr 2020 liegt bereit für nostalgische Momente – Monat für Monat.

Wer schafft es schon, ein historisches Foto anzugucken, ohne die Menschen darauf nach Familienähnlichkeiten abzusuchen, Bauwerke zu identifizieren, etwa so, wie man ein Wimmelbild betrachtet. Das kann man mit Leidenschaft Jahr für Jahr beim Kalender des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen (HVSN). Und der neue ist da. Wie gewohnt layoutet von Wolfgang Melnyk und mit Fotos aus dem Archiv von Horst Schwenk. Das stellt den Neunkircher jedes Jahr vor neue Herausforderungen: Was passt möglicherweise zum jeweiligen Monat, was brennt in Neunkirchen grad auf den Nägeln, was ist vielleicht einfach nur so schön, das man dran erinnern muss.

Gleich im Januar darf dann auch schon gewimmelt werden. Ein Blick in die gute alte Zeit, die Goldenen Zwanziger, entstanden an der Ecke Oberer Markt- Marktstraße Ende 1920. Hier war noch was los auf den Straßen (mit Straßenbahnschienen übrigens), da flanieren die Menschen, fahren Rad, Kinder spielen. Noch nicht ganz historisch und sehr gegenwärtig – aber eben nicht mehr lange, wenn Globus kommen wird – kommt der Februar daher. Man ahnt es vielleicht längst: Der Gasometer, erbaut 1970. Nicht die angenehme Nostalgie, sondern eher Beklemmung gibt’s im März. Am 15. März ist es genau 75 Jahre her, dass die Hüttenstadt zum letzten Mal von Bomben angegriffen wurde. Die Bilder kann man durchaus mal auf sich wirken lassen. Wie auch das April-Foto. „Das sah doch gut aus“, sagt Schwenk dazu und meint die Gegend der heutigen Bliesterrassen im Jahr 2015. So schnell geht Veränderung.

Das beweist auch das Mai-Foto: Hohlstraße/Ecke Talstraße um 1960. Da muss man zwei Mal gucken – durch Abriss hat sich da einiges verändert. Wer sich Zeit nimmt, findet raus, wie’s heute aussieht. Ganz die Gegenwart zeigt der Juni mit dem Blick aus der Wellesweilerstraße aufs Eisenbahnerhaus. „Das hat man durch die Bäume so schon lange nicht mehr gesehen. Und wer weiß, wie schnell das Grün die Sicht wieder versperrt“, erklärt Schwenk. Suchen und vergleichen darf man wieder im Juli mit dem Blick von oben auf die Unterstadt von 1950, auf Stummdenkmal, Lindenallee und Corona-Kino. Ein lustiges Völkchen aus den 30er Jahren genießt im Sommermonat August die Badefreuden am Heinitzer Weiher. Längst Geschichte. Ebenso wie der September: Blick in die Lutherstraße von 1910. Der Hüttenberg mit Straßenbahn und Menschen, da darf man im Oktober mal wehmütig seufzen, auch, wenn das Foto aus dem Kriegsjahr 1942 stammt. Staunen heißt es dann im November, der den Bau der Fernstraße 1936 zum Thema hat. Freie Sicht, noch ist nicht aufgeschüttet, alles ganz anders. Bekannt vorkommen mag hingegen die Weihnachtsbeleuchtung im Dezember. Aber auch nur die. Auf dem Foto vom Stummdenkmal 1974 ist der jetzige Stummplatz noch Bushaltepunkt und ganz normale Straße. Und so geht das Kalenderjahr 2020 festlich zu Ende mit der zur Jahreszeit gehörenden Wehmut und Gewissheit darüber, dass das Leben nun mal Veränderung ist. Da tut es gut, dass der HVSN-Kalender Momente für die Ewigkeit bewahrt.

Genau gucken muss man auch hier auf dem Foto, dass die Ecke Talstraße /Hohlstraße zeigt. Rechts das Haus ist längst abgerissen. Foto: Archiv Schwenk
So sahen Stummdenkmal und Lindenalle um 1950 aus. Im linken Teil des Fotos das Corona-Kino. Das Hochhaus steht noch nicht. Foto: Archiv Schwenk
Wo heute Saarpark-Center und Platz mit sprudelndem Brunnen sind, fuhren früher Busse, Autos und Straßenbahn. Ein Foto aus der Weihnachtszeit 1974. Foto: Archiv Schwenk
Hier wird die Fernstraße gebaut. 1936 war hier freies Feld, man sieht, dass jede Menge aufgeschüttet werden musste. Das Haus im Hintergrund steht noch. Foto: Archiv Schwenk
1920 wurde in Neunkirchen noch flaniert. Die Ecke Oberer Markt/Marktstraße war immer voller Leben. Foto: Archiv Schwenk
Erst vier Jahre her und man hat es fast schon vergessen: Die grünen Bliesufer dort, wo heute die Bliesterrassen sind. Foto: Archiv Schwenk

Der Kalender ist etwa 20 mal 30 Zentimeter groß, kostet 9,90 Euro und ist zu kaufen bei Bücher König, Bahnhofstraße, oder jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr in der HVSN-Geschäftsstelle, Irrgartenstraße.

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