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Abschlussfest der Leseolympiade
„Da wird man schlau“

Auf den Stufen nehmen 52 der 59 Gewinner der Leseolympiade 2018 Aufstellung, ihre Geschenke und Urkunden in der Hand.
Auf den Stufen nehmen 52 der 59 Gewinner der Leseolympiade 2018 Aufstellung, ihre Geschenke und Urkunden in der Hand. FOTO: Anja Kernig
Neunkirchen. Das Abschlussfest der Leseolympiade ehrte seine 59 Gewinner. Insgesamt 752 Bücher haben die Kinder verschlungen. Von Anja Kernig

Es knallt. Alles zuckt zusammen. Und grinst gleich darauf. Es war nur ein Luftballon, dessen Selbstzerstörung die Siegerehrung effektvoll unterbrochen hat. „Keine Angst, die Treppe ist abgenommen“, bestätigt Jörg Aumann augenzwinkernd die Einhaltung bautechnischer Sicherheitsvorschriften hier im Neunkircher Kult. Auf den Stufen nehmen alle anwesenden 52 der insgesamt 59 Gewinner der Leseolympiade 2018 Aufstellung, ihre Geschenke und Urkunden in der Hand.


59 Teilnehmer und damit fast genauso viele wie letztes Jahr, hatte die inzwischen schon traditionelle Leseaktion in den Sommerferien. Und da es sich letztlich um nichts anderes als besonders hübsch verpackte Leseförderung handelt, generiert dieser Pseudo-Wettkampf selbstverständlich nur Gewinner. „Ganz schön clever“ fand Bibliotheksleiterin Gabriele Essler, dass viele der Jungen und Mädchen diesmal exakt die sechs Bücher studierten (und einen Stichwortzettel dazu ausfüllten), die erforderlich waren, um zum großen Abschlussfest eingeladen zu werden. Was sich in jedem Fall gelohnt hat: Übertraf sich doch das durch die ehemalige Leiterin Rita Maey verstärkte Bibliotheks-Team ein weiteres Mal selbst – angefangen von der kreativen Fingerfoodküche und einem Luftballonwettbewerb über Bastelaktionen, bei denen unter anderem Papier-Blumen und Papier-Schmetterlinge von den Kindern bestickt wurden, bis hin zu originellen Spielen wie der Buchstabensuppe und dem Bobby-Car-Hindernisparcours um Bücherstapel draußen vor dem Gebäude. Gleichwohl gab es wieder etliche Kinder, die sich nach einer Weile lieber Lektüre schnappten und darin selbstvergessen schmökerten, während die anderen lustig um sie herum tobten.

752 Bücher, „überwiegend Kinderromane, aber auch Comics und Sachbücher“, so Gabriele Essler, haben die Neunkircher Olympioniken insgesamt gelesen. Wäre es ein weniger sonnenverwöhnter Sommer gewesen, wäre sicher noch das eine oder andere hinzugekommen.



Ihre sechs Bücher „verschlang“ Hanna Dietz aus Furpach in nur einer Woche. Bereits zum dritten Mal trat sie bei der Leseolympiade an, wobei sie generell schon ein alter Stadtbücherei-Hase ist. „Sie war vom ersten Tag an mit dabei“, erklärt Papa Andreas und erinnert sich noch gut daran, wie er Baby Hanna im Maxi Cosi damals in die Lutherstraße zum Bücherausleihen mitbrachte. „Lesen ist uns sehr wichtig.“ Inzwischen liest er mit seiner Tochter zusammen, am liebsten „Krabat“, das Mühlen-Märchen von Otfried Preußler, das auf einer sorbischen Sage basiert und von schwarzer Magie handelt. „Das war das erste Buch, das ich als Kind bewusst gelesen habe“ – und avancierte direkt zum Lieblingsbuch auf Lebenszeit, erzählt Andreas Dietz. Die Liebe dazu hat er an Hanna vererbt. Die, eine begeisterte Reiterin, mag zudem Pferdebücher, aber auch die Olchis und Tierbücher allgemein. Was am Lesen so gut ist? „Da wird man schlau“, antwortet die Viertklässlerin.

Mama Susanne ist Büchern allgemein und Hörbüchern im Besonderen dankbar, dass sie dialektfrei sind: „Mir ist wichtig, dass Hanna die Sprache richtig hört.“ Schade findet Familie Dietz, dass die Angebote der Neunkircher Bibliotheken nicht mehr so gut angenommen werden. „Es kostet nix und die sind wirklich super ausgestattet“, schwärmt Papa Andreas. Er habe sich schon öfters mal „den Mund fusselig geredet“, um Bekannte „anzuwerben“. Meist vergeblich, wie er berichtet. Dabei könnte man das Olympiade-Feeling aufs ganze Jahr ausweiten: „Man hat schon gewonnen, wenn man nur hier ist.“

In der Altersgruppe 6 bis 8 Jahre wurden Nina Kunz (61 Bücher), Finn Togan (50) und Anna-Maria Raffael (23) für ihren Fleiß mit einem Büchergutschein ausgezeichnet, bei den älteren Kindern bis zwölf Jahren Jaron Mielchen (45 Bücher), Leines Togan (42) und Tamina Paulus (40).