Zoo-Besuch : Wo Madgaskar mitten in Asien liegt

Immer wieder Neues gibt es im Neunkircher Zoo. Aktuell ist die madegassische Tierwelt ein großes Thema. Einmalig: Die Fanalokas.

Tashi heißt er, der kleine Grunzochse, der hier faul in der Sonne liegt, angelehnt an einen Baumstamm. Bewacht von den Argusaugen seiner Mutter und seiner schwangeren Tante. Keine Lust aufzustehen. Keine Lust, fotografiert zu werden. Geboren ist der Yak am 29. Juni im  Neunkircher Zoo. Ist damit einer der neusten und fast spektakulärsten Neuzugänge, wenn da nicht das unerwartet in der Quarantänestation auf die Welt gekommene Fanaloka-Baby wäre (siehe Seite C1).  Aber so ist das in einem Zoo: Vieles ändert sich, wandelt sich. Manches kommt überraschend. Anderes muss getan werden. Wie zum Beispiel die Renovierung der Biberburg, direkt gegenüber der Yaks. Hier war alles morsch. Die Holzkonstruktion musste abgerissen werden, der Neubau ist in Arbeit. Vor allem war eines wichtig: das Sichern des Biberteich-Bereichs. Und Zoodirektor Norbert Fritsch erzählt: Eines Tages gab es Ärger in der angrenzenden Kleingarten-Anlage. Mehrere Anlagen waren verwüstet. Da man keine andere Erklärung fand, beschuldigten sich die ansonsten friedliebenden Menschen gegenseitig, weiß Fritsch. Doch eines Tages erwischte man einen der Übeltäter: Ein Biber war’s. Schnell war entdeckt: Die Meute hatte sich des nachts unter der Wurzel eines Baumes einen Weg ins Schlemmerparadies gebuddelt. Tagsüber waren sie zurück, als sei nichts geschehen. Künftig wird eine Absicherung tief in den Teich gehen. Weitere Ausflüge zu Gunsten der Nachbarschaftspflege sollen dann künftig ausbleiben.

Wer von diesem Ende des Zoos zurück will, der kommt vorbei am ausquartierten Yak-Vater, den Emus (“die gibt es hier schon immer“, denkt Fritsch) und den Publikumslieblingen: den weißen Känguruhs. „Das ist nicht ganz unüblich, aber schon besonders“, erläutert der Zoodirektor dem SZ-Besuch. Dass es ganze Gruppen davon in der Heimat Tasmanien gibt, ist, so vermutet er, dem Fehlen der weitestgehend ausgestorbenen Feinde zu verdanken.

Hoch droben auf dem Berg bietet sich dem   Besucher dann beim Blick bergab ein Gefühl wunderbarer Weite. Allerlei Hufgetier ist hier untergebracht. Schafe, Esel, Trampeltiere – sie alle werden langsam, aber sicher, grenzenlos auf rund 5000 Quadratmetern zusammen leben. „Diese asiatischen Herdentiere könnte man in dieser Zusammensetzung genauso im hinteren oder in Zentralasien finden“, freut sich Fritsch. Asien, man erinnert sich, ist ja das Großthema des Zoos. Wobei man da auch nicht päpstlicher sein möchte als der Papst, denn auf die Giraffen beispielsweise, die Wahrzeichen des Zoos, da will man selbstverständlich nicht verzichten. Auch, wenn die in Afrika heimisch sind. Und etwas Luft in der Interpretation gibt es auch, wenn es um die sich ausweitende madegassische Abordnung geht.

Direkt gegenüber des Herdtier-Geheges sind in diesem Jahr die Fossas eingezogen. Das größte Raubtier Madagaskars. Eine hübsche junge Dame und ihr etwa doppelt so schwerer Zukünftiger. So das denn etwas wird. Noch nutzen die Beiden die zur Verfügung stehenden Räume abwechselnd. Zurzeit ist sie im vorderen Freigehege, der Herr nutzt die vier hinteren Räume. Dann wird gewechselt. „Fossas sind Einzelgänger, die halten es nur während der Paarungszeit zusammen aus.“ Wie im richtigen Leben halt. Direkt neben den Fossas werden die Fanalokas einziehen. Noch leben sie in Quarantäne. Sobald das Gehege, ein Projekt des Zoovereins, vermutlich gegen Jahresende fertig wird, zieht das Paar mit frisch geborenem Nachwuchs um. Davon, wie die etwa zwei Kilo schweren Tiere aussehen, zeugt ein Plakat.

Leibhaftig sehen kann man einige Meter weiter im Orang-Utan-Bau das Entzückendste, was der Zoo zurzeit zu bieten hat: die Kattas. Gerade ist Fütterungszeit. Und eh die Chronistin sich versieht, steht sie mittendrin, mit einer mit Apfelschnitzen, Karotten und weiterer Rohkost gefüllten Blechbox. und lässt sich von den beiden Müttern, dem Zwillingspaar und dem zuckersüßen Baby umgarnen. „Die Äpfel mögen sie am liebsten“, erläutert die FSÖ’lerin. Und es wird gefuttert, was der Blechnapf hergibt - ganz ohne Scheu. Die schlechte Nachricht nach diesem wunderbaren Erlebnis: In freier Wildbahn sind die Kattas Mahlzeit der Fossas. Alle drei Arten sind übrigens so genannte endemische Arten, sprich: Es gibt sie nur auf Madagaskar.

Dass das, obwohl die Insel vor Afrika liegt, aber ganz wunderbar zum Asien-Thema passt, darüber hat sich Norbert Fritsch auch seine Gedanken gemacht. So habe sich vor 90 Millionen Jahren, als der Urkontinent Gondwana auseinanderdriftete, ein Stück von Indien gelöst und sei Richtung Afrika gedriftet – Madagaskar eben. Und deshalb ist Madagaskar, die Insel der Lemuren, eigentlich asiatisch. Was man im Übrigen auch an der Sprache der Bewohner merke.

Herumspringen macht müde. Da lässt die Fossa-Dame sich schon mal gerne einfach so auf einen Ast plumpsen. Foto: Elke Jacobi
Blick aus dem Zoo-Mobil, Zoodirektor Norbert Fritsch zeigt die Größe des Huftier-Geheges. Foto: Elke Jacobi

Gedanken, die man sich machen kann, wenn man beispielsweise auf der neuen, von der Aqa zur Verfügung gestellten Ruhebank, chillt und dabei das Eisvogelpaar beobachtet. „Ist das nicht schön?“, fragt Fritsch. Und wünscht sich von den Zoobesuchern mehr Entschleunigung und Muße zum Beobachten.

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