Am Montag endet der Aufnahmestopp

Die Tafel sucht dringend ein neues Domizil. Zum 31. Mai hat die evangelische Kirchengemeinde den Mietvertrag fürs Gemeindezentrum Pauluskirche gekündigt. Die Kirche soll – wie berichtet – entwidmet und verkauft werden.

Im Dezember sah sich die Neunkircher Tafel zu einem Aufnahmestopp gezwungen. Grund: zahlreiche Neuanmeldungen und eine stark ausgedünnte Personaldecke beim Caritasverband als Träger. Neue hätten nicht mehr ordentlich in den laufenden Betrieb integriert werden können, sagen Tafel-Leiter Thomas Mörsdorf und Thomas Hans, Leiter Allgemeine Soziale Dienste bei der Caritas . Am kommenden Montag (18. Januar), so unsere Redaktionsgäste weiter, heben sie den Aufnahmestopp wieder auf. Die Probleme jedoch bleiben.

Mörsdorf - in diesen Tagen ein Jahr im Amt -, erfuhr in den vergangenen Monaten, wie sich die Rahmenbedingungen veränderten und auf die Tafel-Arbeit auswirkten: "Als die Flüchtlingszahlen gestiegen sind, wurden auch wir vor neue Herausforderungen gestellt." 2014 sind insgesamt 256 Flüchtlinge auf den Landkreis Neunkirchen verteilt worden, 2015 waren es über 1500, so Hans: "Und aktuell wurden zwischen dem 12. Oktober und dem 12. Januar 740 zugewiesen. Ein Drittel kommt in die Stadt Neunkirchen ." Wer als Asylbewerber hier ankommt, erhält zeitnah zur Anmeldung im Rahmen der Erstintegration auch Zugang zur Tafel. "Im Mai haben wir die Reißleine gezogen", sagt Hans. Freitags ab 14 Uhr findet die Lebensmittelausgabe für Ein- bis Zweipersonen-Haushalte statt. Hans: "Da waren dann an einem Freitag 183 Menschen da. Das war für unser Team nicht mehr zu leisten." Normal sei spätestens bis 18 Uhr alles vorbei. An dem Tag aber hätten die Helfer um halb acht noch aufgeräumt und den Hof gekehrt.

Die Verantwortlichen haben die Alternativen diskutiert. Einen Tag speziell nur Ausgabe für Flüchtlinge einrichten? "St. Wendel zum Beispiel hat sich für dieses Modell entschieden", berichten unsere Redaktionsgäste. Auch aus ganz praktischen Gründen, etwa um Flüchtlinge über für sie ungewohnte Lebensmittel aufzuklären. "Wir wollten aber diese Trennung nicht", sagen Mörsdorf und Hans. Ihr Modell: Die Freitags-Berechtigten werden zwei Gruppen zugeordnet, die dann im Wochenwechsel Lebensmittel abholen können. "Ich habe mit Protest gerechnet", gibt Mörsdorf im Nachhinein zu. "Aber es hat keine Probleme gegeben. Die Wartezeiten waren kürzer, die Taschen voller."

Dieses Modell läuft immer noch. Könnte sein, dass die Tafel-Verantwortlichen in absehbarer Zeit ein weiteres Mal die Reißleine ziehen müssen. Dienstags. Dann ist Ausgabetag für Familien. "Und wenn sich die Familienzusammenführung auswirkt, dann werden auch hier die Zahlen deutlich ansteigen und uns an die Grenzen bringen", erwartet Hans.

Vor eine weitere aktuelle Herausforderung stellt die Neunkircher Tafel die Suche nach neuen Räumen. Bisher erfolgt die Ausgabe der Lebensmittelpakete im Gemeindezentrum Pauluskirche, Schloßstraße 1 in Neunkirchen . Die evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen hat nun den Vertrag mit der Neunkircher Tafel zum 31. Mai gekündigt.

Hintergrund: Die Pauluskirche wird aufgegeben, ein Käufer gesucht (wir berichteten). Das neue Domizil, sagt Hans, sollte etwas größer sein: "Wir brauchen mehr Platz, dabei aber bezahlbar und gut erreichbar in der Innenstadt."

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HintergrundDie Neunkircher Tafel ist eine ökumenische Einrichtung. Träger sind der Caritasverband für die Region Schaumberg-Blies und das Diakonische Werk an der Saar. Adresse: Gemeindezentrum Pauluskirche, Schloßstraße 1 in Neunkirchen . In Illingen gibt es eine Dependance. Rund 1300 Personen/730 Familien erreicht aktuell die Neunkircher Tafel, Tendenz steigend. 15 bis 25 Ehrenamtliche helfen mit, auch Flüchtlinge packen an. Pro Woche werden gut zehn Tonnen Lebensmittel eingesammelt. clecaritas-neunkirchen.de