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Kolumne
Der Zeigezeh als Modeopfer

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Der Sommer bringt viele tolle Dinge zum Vorschein: Schirmmützen mit Ventilator zum Beispiel, oder Solar-Leuchten für den Garten, die in der Dunkelheit jeder Grünfläche den Zauber des Frankfurter Flughafens bei Nacht verleihen. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Und davon gibt es im Sommer reichlich. So bin ich im vergangenen Sommer leider Zeuge eines Comebacks geworden, das meinem Verständnis von Ästhetik mit voller Wucht in den Hintern getreten hat. Und ich rede hier nicht etwa von den selbsttönenden Brillengläsern. In diesem Fall geht es um Schlimmeres: den Zehenring! Ja, genau: Der Zehenring ist zurück. Was im Zuge von Jesus-Latschen und Fußkettchen in den 80ern zur modischen Grundausstattung freigeistiger Patschuli-Räucherstäbchen-Fans zählte, ist wieder en vogue. Getragen wird er, so meine Beobachtung, bei Schwimmbadbesuchen, vor allem am Zeigezeh. Fiel er mir erstmals am immerhin zierlichen Zeh einer Dame unangenehm auf, war die zweite Sichtung noch weitaus unangenehmer. Wie ein silbernes Hühnerauge wölbte er sich da um den Hammerzeh eines Herrn. Ringe gehören da nicht hin. Sie gehören an Finger – Daumen ausgenommen –, nach einer durchzechten Nacht unter Augen oder frittiert und aus Zwiebeln zum Burger.

Also liebe deinen Zeh,
und tu ihm nicht weh.
Denn frei will er sein,
so ein Ring engt ihn ein.
Und darüber hinaus,
sieht‘s auch echt scheiße aus.