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Kolumne
Bimsletten auf dem Dixie-Klo

FOTO: Robby Lorenz / SZ

Tine, haben wir im Lager noch Bügeletten?“ Also da musste ich doch aufhorchen, als mir dieser Satz in einer Modeboutique um die Ohren flog. Der, nennen wir ihn einfach mal Modeberater, der diese Frage an seine Kollegin Tine richtete, war just damit beschäftigt, Glitzer-Pullis, Plüsch-Leggins und ähnlich schnatze Klamotten einzuräumen. Von daher hatte ich eine gewisse Ahnung, was es mit dieser Bügelette auf sich haben könnte. Und was soll ich sagen: Ich lag total richtig. Eine Bügelette ist nichts anderes als ein schnöder, langweiliger Bügel. Allerdings verleiht der Anhang „lette“ diesem trist-traurigen Gebrauchsgegenstand, der sein Dasein meist verhüllt in einem miefigen Schrank fristet, eine gewisse Grandezza. Der Zusatz „lette“ lässt ihn interessant erscheinen. Was auf „lette“ endet, gibt es nicht beim Discounter, das schmeißt man nicht mal eben so an der Tanke zusammen mit Wunderbaum und Snickers auf die Theke. Lette-Sachen sind etwas für Leute, die sich Picasso-Kunstdrucke aufs Gäste-WC hängen, Golfschläger mit auf die Kreuzfahrt nehmen und ihren Koi-Karpfen Ignatius nennen. Viel häufiger sollte man Piefiges mit der Doppelsilbe lette veredeln. Klingt Bimslette nicht viel schöner als Bimsstein? Würde man nicht viel lieber die Pümpelette zum Einsatz bringen, statt mit dem Pümpel im Abfluss zu stochern? Und ist eine Pickelette mitten auf der 12 nicht weitaus schöner als ein Pickel? Beim Schuhwerk für Nasszellen hat man die Magie, die „letten“ versprühen, ja auch erkannt. Schließlich zieren Damen- wie Herrenfüße, in Frei- und Hallenbädern landauf landab, in Saunen und sämtlichen Umkleidekabinen dieser Welt Adiletten in allen Farben. Auch die Nahrungsmittelindustrie hat die Attraktivität der Lette längst erkannt. Waren Koten ob ihres Namens früher noch so unappetitlich wie ein Dixie-Klo auf dem Münchner Oktoberfest, erfreuen sie sich als Koteletten in der Gastro-Szene schon längst sehr großer Beliebtheit.