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Kolumne
Vom Aufstieg und Fall des Thermomix

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Droht dem Superstar unter den Küchenhelfern etwa das gleiche Schicksal wie so vielen anderen Superstars vor ihm?

Wer noch ein wenig Platz im Keller hat, sollte sich jetzt möglichst flott einen Thermomix anschaffen. Denn abgesehen vom Kuntz Stefan seiner U-21 und dem Gewinn der Europameisterschaft wurde im vergangenen Jahr nichts mit so viel Lob übergossen wie der Thermomix. Was für unsereins ausschaut wie ein sauteurer Suppentopf auf einer Raketenabschussbasis, kann, da sind sich sämtliche Thermomix-Jünger einig, alles. Und zwar wirklich alles. Und das verdammt schnell. Mit großen Augen und voller Begeisterung berichtet die Thermomix-Gemeinde davon, wie sie mit dem Ding in Rekordzeit Nudeln samt Pesto zubereiten, ratz-fatz Vollkornbrot backen und Quark anrühren kann, wie der Thermomix dann noch das Geschirr spült, ihnen die Füße krault, das Klo schrubbt, mit dem Hund rausgeht und nebenbei noch flott die Steuererklärung erledigt. Ja, der Thermomix ist der neue Megastar unter den Küchenhelfern. Und genau deshalb wird es dem Thermomix ergehen, wie jedem anderen Küchenhelfer-Megastar auch: Zuerst wird er in den Schrank gestellt – weil er auf der Arbeitsfläche einfach zu viel Platz wegnimmt –, dümpelt dort ein paar Jahre vor sich hin, wandert danach auf den Schrank, wo er in Ruhe zustauben kann, und verschwindet schließlich klammheimlich im Keller. Und dort wird er dann stehen, der Thermomix, zwischen Salatschleuder und Sandwich-Maker, Brotbackautomat und Schnellkochtopf, elektrischem Messer, Eierkocher, Milch­aufschäumer, Dampfgarer und ganz vielen anderen, absolut unverzichtbaren Küchenhelfern. Nur einmal im Jahr wird der Thermomix dann noch gebraucht: für die Steuererklärung.