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Für Tatort entstehen Aufnahmen in Neunkircher Betzenhölle

Filmdreh in Neunkirchen : Den Tatort-Dreh lässt sich keiner entgehen

Aufnahmen für den ARD-Krimi entstehen in der Neunkircher Betzenhölle.

So muss ein Filmdreh doch Spaß machen: Am Neunkircher Stadtrand in der Betzenhölle pfeifen die Vögel an diesem frühlingshaften Nachmittag um die Wette. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel herab, wie er blauer wirklich nicht sein kann. Wo sie ihre Strahlen hinwirft, ist es warm, die Kälte hat sich auf die schattigen Plätze verzogen. Der obere Teil der Betzenhölle zum Reitplatz hin ist mit Lastwagen und Transportern zugeparkt. Sie kommen aus Berlin, Hamburg, Köln. Gerade geht es in die Mittagspause, eine Traube Menschen verlässt das Grundstück von Daniela Kirsch und Werner Schorr. In ihrem Haus und drum herum dreht die „ProSaar Medienproduktion“ Szenen für einen Saar-Tatort, den ersten mit dem neuen Kommissaren-Duo Schürk/Hölzer. Anfang kommenden Jahres wird der ausgestrahlt. Zwei Tage sind die Filmleute vor Ort. Der Nachtdreh ist schon durch: Ein Abendessen des neuen saarländischen Kommissars Schürk bei seiner Mutter. An diesem Nachmittag stehen Rückblenden in seine Jugend auf dem Plan.

Die Wiese des Grundstücks ist übersäht mit Licht- und Tontechnik, Stühlen, Taschen, Jacken. Hinterm Haus, im Wald, haben die Filmleute ein Gerüst aufgebaut, um aus einer höheren Perspektive mit der Kamera draufzuhalten. Der Rückblick auf die Kindheitstage ist nach allem, was aus dem Drehbuch zu hören ist, nicht gerade erfreulich. Der Junge hatte unter einem tyrannischen Vater gelitten – mehr darf nicht verraten werden. Nach der Mittagspause werden jedenfalls für die Rückblenden weitere Einstellungen, „Takes“, genommen. Regisseur Christian Theede, dunkle Klamotten und Drei-Tage-Bart, bespricht sich mit seinen Leuten. Zwischen dem Betonhaus und der Garage gibt es eine kleine windgeschützte Einbuchtung. Dort sitzt für diese Szene die jugendliche Variante des Kommissars am Boden, sein Vater hat einen schweren Hund mit Bulldoggen-Gesicht an der Leine, hetzt das Tier auf den Jungen los.

Nicht nur die Filmcrew verfolgt das Geschehen, auch die Hausherren und ihre Tochter Maja stehen auf der Wiese und schauen zu. „Es ist schon Wahnsinn, wie konzentriert und ruhig das abläuft“, sagt Daniela Kirsch. „Die Schauspieler spielen eine Szene 20 mal nacheinander in verschiedenen Kameraperspektiven, ohne sich auch nur einmal zu versprechen.“ Schon vorm Mittagessen war der Hund im Einsatz, hatte einen aggressiven Auftritt. Dem Tier habe man nach mehreren Takes schon angemerkt, dass es keine Lust mehr hatte, sagt Kirsch.

Bei einem Tatort-Dreh dabei zu sein, das findet nicht nur die Familie gut. Vor der Tür stehen Feuerwehrleute und Rotkreuzler, Komparsen aus der Umgebung. Sie werden gleich für eine weitere Sequenz gebraucht. Das fast schon antike Feuerwehrauto hat Homburger Kennzeichen, der Krankenwagen kommt aus Kaiserslautern. Ralf Holzherr aus Websweiler erzählt, er sei über einen anderen ARD-Film in die Requisitenkartei gerutscht. Und in Websweiler hätten sie noch so ein altes und kompaktes Feuerwehr-Gefährt, das dann auch in die Einfahrt der Neunkircher Familie passt. Die Jungs, die er mitgebracht hat, hatten alle Früh- oder Nachtschicht und jetzt frei. „Klar“, sagt Holzherr, „bei einem Saarland-Tatort mitwirken zu können, das lässt man sich nicht entgehen“.

Der erste Kontakt zu den Filmleuten datiert auf Dezember, sagt Werner Schorr. Er wisse selbst nicht so genau, wie sie auf ihn gekommen seien. Womöglich ist das Haus jemandem aufgefallen, als die Bürgerinitiative „Pro Betzenhölle“ in diesem schon besonderen Gebäude ihre Einwände gegen die damaligen Pläne für einen großen Globus-Markt am Rand Neunkirchens der Presse erläutert hatte. Gleich mehrfach, erzählt Schorr weiter, waren die Motivsucher bei ihnen. Mit immer größerem Gefolge. Im Haus musste Künstler Schorr seine farbenfrohen Bilder überkleben. Zu fröhlich sollte es in des Kommissars Kinderstube nicht sein. Dafür hat der Regisseur zwei gute Rotwein-Flaschen springen lassen, Haut-Medoc, 2001. Insgesamt 22 Drehtage habe der Tatort, zwei davon bei ihnen daheim, sagt Schorr. Auch wenn sie dabei Gäste in ihrer eigenen Wohnung werden, den Tatort daheim zu haben, findet Daniela Kirsch schon klasse.

Freude über einen saarländischen Tatort kennt auch Sabine Dörr. Die 54-Jährige ist am Set für die Requisite zuständig. Sie lebt in Hamburg, stammt aber aus Quierschied. „Ich bin mit 19 nach Hamburg, damals der Liebe wegen. Seitdem lebe ich dort.“ Und so wie andere sich freuten, wenn sie in Hollywood zur Filmcrew gehörten, so freut sie sich, wenn es einen Auftrag im Saarland gibt. Sie wohnt dann bei den Eltern. „Über den Tatort lerne ich Ecken im Saarland kennen, die ich gar nicht kannte.“ Die Filmcrew ist bunt zusammengewürfelt, erzählt sie. Viele Freiberufler treffen für einen Auftrag aufeinander. Das sei einerseits immer ein Neubeginn und anderseits hier und da ein Treffen bekannter Gesichter. Wie mit Tonmeister Raul Grass. Der kommt aus Berlin zum Tatort-Dreh ins Saarland. Nicht zum ersten Mal. „Vor 30 Jahren habe ich meinen ersten Film im Saarland gehabt. Seitdem komme ich immer wieder gerne her.“

Ins Haus der Familie Kirsch/Schorr wird das Tatort-Team wieder kommen. Das haben die Macher schon angekündigt. Die Hausherren haben nichts dagegen. Vielleicht springt ja auch wieder ein guter Haut-Medoc heraus. Und manch anderer freut sich gleichermaßen, wenn der Betzenhölle Tatort-Dreh ist.