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Anwohner von Wiesbach wollen Unterstützung beim Hochwasserschutz von der Gemeinde Eppelborn

Hochwasserschutz : „Die Gemeinde drückt die Verantwortung ab“

Anwohner in Wiesbach beklagen mangelnde Unterstützung vonseiten der Verwaltung in Sachen Hochwasservorsorge. Diese verweist auf die Zuständigkeiten. Eine Landesbehörde empfiehlt der Gemeinde die Umsetzung eines Hochwasserrückhaltes zu prüfen.

Wasser im Garten, das ist für die Familien Mohr und Klein aus Wiesbach nichts Ungewöhnliches mehr. Bei Starkregen tritt der Wallenbornbach, der hinter den Grundstücken der Nachbarn in der Hauptstraße verläuft, über die Ufer, und das Wasser sammelt sich dann im tiefsten Punkt des Geländes, dem Gelände von Familie Mohr. Dreimal musste die Feuerwehr bereits anrücken, um Wasser abzupumpen und Schlimmeres zu verhindern. Beim Hochwasser im Juni 2018 war das Wasser nicht mehr aufzuhalten und floss in den Wintergarten und in den Keller. „Andere waren natürlich viel schlimmer betroffen, zumal die entstandenen Schäden durch eine Versicherung weitestgehend abgedeckt sind“, erklärt Thorsten Mohr, der selbstredend dennoch vermeiden möchte, dass sich so etwas wiederholt.

Also richteten er und seine Nachbarn sich mit einem Schreiben an die Gemeinde und baten um Unterstützung in Sachen Hochwasservorsorge, zumal der Bach bei der Errichtung des Hertha-Fußballplatzes in ein künstliches Bachbett mit ungünstigem Verlauf gezwungen worden sei. Was wiederum den Überlauf begünstige, nehmen die Familien an. Eine weitere Ursache für die Überschwemmungen sei nach Einschätzung der Feuerwehr die fehlende Entwässerung des Hanges zwischen der Wallenbornstraße und dem Fußpfad, der teils parallel zum Wallenbornbach von zum Fußballstadion führt. Die Familien baten in dem Schreiben darum, „diese Stellen bei der Überarbeitung des Hochwasserschutzes in der Gemeinde zu berücksichtigen“. Vonseiten der Gemeinde kam keine Reaktion. „Ein etwas befremdliches Verhalten“, findet Mohr.

Auf Initiative der Familie Mohr trafen sich Vertreter des Landesamtes für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA), der Gemeinde und des Nabus im September vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Der LUA-Vertreter sei der Auffassung gewesen, man könne „mit wenig Aufwand eine Hochwasservorsorge in Form einer Aufwallung zur Seite der betroffenen Grundstücke 109 und 107 hin“ errichten, erklärt Mohr, der die Kosten hierfür auf etwa 1000 Euro schätzt. Die Arbeiten privat zu finanzieren, sei jedoch „keine annehmbare Variante, da wir dann in der Haftung stehen, falls es bachabwärts zu Schadensereignissen kommen sollte, die auf die Aufwallung im von uns angesprochenen Gebiet zurückzuführen sind“. Die Vertreterin der Gemeinde hätte bei dem Termin zugesagt, die Sachlage mit der Bürgermeisterin zu besprechen und sich bei den betroffenen Familien zu melden. Darauf warten die Mohrs und Müllers bis heute.

Auf Anfrage der SZ teilt Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset mit, dass die Gemeinde zwar gesetzlich für den ordnungsgemäßen Wasserabfluss des Wallenbornbachs verantwortlich sei, sie sei „aber nicht verpflichtet, auf privaten Flächen Gebäude vor Hochwasserschäden zu schützen oder die Kosten für derartige Maßnahmen zu tragen“. „Ungeachtet dessen haben die Behördenvertreter den Anliegern unbürokratische Unterstützung bei der Genehmigung eigener Hochwasserschutzmaßnahmen zugesichert“, erklärt Müller-Closset weiter. Thorsten Mohr dazu: „Die Gemeinde macht es sich zu einfach und drückt die Verantwortung auf Privatpersonen ab.“

Das LUA teilt mit, die Annahme, die Verrohrung des Bachs und „der geschlängelte Verlauf des Wasserbettes“ würden sich negativ auf die Hochwassersituation an den Anwesen auswirken, könne widerlegt werden. Die Aufschüttung eines Erdwalls zur „Rückhaltung im Hochwasserfall“ sei grundsätzlich genehmigungspflichtig. Dabei handele es sich nicht etwa um Objektschutz, sondern um eine Hochwasserschutzmaßnahme. Das Landesamt empfiehlt der Gemeinde zu prüfen, ob ein Hochwasserrückhalt oberhalb des Sportplatzes in Bezug „zur Wirksamkeit und Realisierung nicht besser geeignet wäre“.

Birgit Müller-Closset, Bürgermeisterin von Eppelborn. Foto: Robby Lorenz
Foto: Thorsten Mohr Foto: Thorsten Mohr

Die Familien Mohr und Klein haben mittlerweile zumindest an ihren Häusern in Hochwasserschutz investiert, „damit das Wasser nicht durch Türen eindringen kann, aber die Ursache ist dadurch nicht behoben“, sagt Thorsten Mohr, der sich über das Verhalten der Gemeinde ärgert. „Angesichts von drei Millionen Euro, die in den Hochwasserschutz investiert werden, kann man sich schon fragen, warum keine 1000 für unseren Bach übrig sind.“