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So hat sich Pastor Stefan Sänger aus Wadern auf Weihnachten vorbereitet

Wadern : Nach den Christmetten begeht er seinen Geburtstag in aller Stille

Es ist ein besonderes Weihnachten, für uns alle. Auch für Stefan Sänger, den Pastor der Pfarreiengemeinschaft Wadern. Er schildert im Gespräch mit der SZ, wie seine Festtage ablaufen.

Advent – eine besinnliche Zeit der Vorfreude und Vorbereitung, der Stille und der Erwartung. Wie er diese Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest genutzt hat, offenbarte im SZ-Gespräch Pastor Stefan Sänger, Chef der sieben Pfarreien der Pfarrgemeinschaft Wadern. Am Heiligen Abend hat Sänger auch einen ganz persönlichen Grund zur Freude: sein 64. Geburtstag, den er in aller Stille erleben will.

„Klar, in diesem Jahr ist auch für uns alles anders. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Form der Advents- und Weihnachtszeit verändert. Wir müssen uns an andere Regeln als in der Vergangenheit halten“, musste auch Pastor Sänger erfahren. Seine Planungen mit dem Pfarreienrat für die besinnlichste Zeit des Jahres mit dem Höhepunkt des Weihnachtsfestes haben bereits Ende September begonnen. „Wir alle hatten noch Ostern im Hinterkopf, als uns am 13. März aus Trier die Nachricht erreichte, dass keine Messe mehr so erlaubt sei, wie sie einmal zelebriert wurde. Es durften keine Gläubigen mehr zu den Gottesdiensten kommen. So fiel die Fastenzeit und das Osterfest weitgehend aus.“ Für Weihnachten wurden im Pfarreienrat verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie die Christmetten und Gottesdienste gefeiert werden können, zum Beispiel im Freien. „Doch dann kamen wir bei Beratungen zu der Überlegung, dass dieses Vorhaben wetterbedingt zu heikel sein könnte, und wir ließen diesen Plan fallen“, erklärte Pastor Sänger. Seine Bedenken, einen Freiluft-Heiligabend-Gottesdienst und andere Feiern in der kalten Jahreszeit abzuhalten, begründete der Pastor damit, dass dieses Angebot viele Menschen von vornherein abschrecken könnte. „Letztendlich wurde ein Grundsatzbeschluss gefasst, dass wir mehr Eucharistiefeiern, weihnachtliche Wortgottesdienste und Krippenfeiern für Familien in unseren Kirchen anbieten sollten, um vielen Gläubigen die Gelegenheit zur Mitfeier zu geben.“ Wer dieses Angebot nicht annehmen könne oder wolle, „hätte auch die Möglichkeit, das christliche Leben in der Familie mit Kita-Kindern und Grundschulkindern zu Hause im Kleinen zu feiern. Dazu haben wir Anregungen an alle Familien mit Kindern verteilt“.

Fünf Christmetten hat Pastor Sänger am Heiligabend in seinen sieben Pfarreien eingeplant. Diese weihnachtlich-christlichen Höhepunkte teilt er sich auf mit seinem 70-jährigen Amtsbruder Heinrich Ant, die beide zwei Messfeiern gestalten werden, und Domvikar Marco Weber. Im Klartext: Sänger ist um 17 Uhr in Nunkirchen und um 19 Uhr in Wadern im Einsatz, Ant um 17 Uhr im Löstertal (Kostenbach) und 22 Uhr in Steinberg, Weber um 17 Uhr in Lockweiler. Weitere Gottesdienste am Heiligen Abend werden von Seelsorgerinnen und Seelsorgern geleitet, einige mit Krippenspiel, andere auch mit der Möglichkeit des Kommunionempfangs. Vielmehr Kopfschmerzen bereitet dem Pastor, dass die übliche festliche Gestaltung „mit gemeinsamen Singen der Weihnachtslieder und Gesang unserer Kirchenchöre durch die Hygienevorgaben verboten sind und somit die Weihnachtsbotschaft womöglich auch nicht die Herzen der Menschen erreichen kann“.

Auch die Kirchenmusiker haben ihre Vorschriften. Sie müssen sich an die vom Referat Kirchenmusik Trier an die vorgegebenen Regeln halten. „Wir haben gute Musikerinnen und Musiker, die kreativ ihre Möglichkeiten ausschöpfen wollen, sei es durch Orgelspiel, Sologesang, durch kleine Gruppen von Solisten, die gesanglich oder instrumental die Gottesdienste mitgestalten werden“, berichtet Sänger. Zu den Vorgaben aus Trier gehört auch die Dauer der Christmetten. Sie dürfen nicht länger als eine Stunde dauern. „Das schränkt natürlich auch die Gestaltung und meine Predigt ein, die ich auf knapp zehn Minuten vorgesehen habe.“ Was aber wird sein Thema sein und seit wann tüftelt Hochwürden daran? „Die Predigt sollte auf unsere aktuelle Situation hinauslaufen. Spontan fiel mir angesichts der Kontaktbeschränkungen zu Weihnachten der Gedanke ein: Wie hat Gott es geschafft, uns zu erreichen? Gott findet immer einen Weg zu uns Menschen! Darum sehe ich meine Aufgabe darin, mitzuhelfen, dass durch die Feier von Weihnachten viele Menschen neu zu Gott finden. Das waren mal so meine Grundgedanken.“ Und wie wird der Pastor diese Grundgedanken zu Ende führen? „Dazu brauche ich eine Zeit der Stille, aber ich werde meine Predigt nicht ausweiten und kompakt zu Ende bringen.“ Lassen wir uns in seinen Metten überraschen.

Und wie begeht Pastor Sänger nach seinen Feiern mit den Mettenbesuchern am Heiligabend seines 64. Geburtstages privat? „Da bin ich für mich ganz allein. Am nächsten Tag, dem ersten Weihnachtstag, sind wieder die Festtagsgottesdienste, dann werde ich mich nachmittags mit meinen Eltern und meiner Schwester treffen.“ Dann gibt es doch bestimmt viel zu erzählen? „Oh ja, dann kommt es wieder zu Erinnerungen und Geschichten aus meiner Pfarrgemeinde, dem Löstertal. Opa Johannes wurde in Kostenbach geboren, mein Vater Alois hat als Jugendlicher mit seiner Familie von 1944 bis 1947 in Kostenbach gewohnt“, berichtet Sänger. „Und da gibt es noch alte Erinnerungen für meinen Vater an seine Verwandten, an August Burr, Lehrer und Gründer des Musikvereins Kostenbach, an alte Freunde und Bekannte  – wie zum Beispiel die kürzlich verstorbenen Erwin Burr oder Schreiner Backes aus Buweiler, besser bekannt unter dem Pseudonym ,Köhler‘“, weiß Sänger.

Wenn nach den Festtagsgottesdiensten der Stress von Hochwürden abgefallen ist, gibt es auch eine Belohnung für Pastor Sänger und seinen Amtsbruder Heinrich Ant. „Dann lassen wir uns am zweiten Weihnachtstag nicht nehmen, gemeinsam ein gutes Mittagessen ausgiebig zu genießen, vorbereitet, gekocht und serviert von einem guten Freund von Pastor Ant.“

Getrübt werden kann die Weihnachtsfreude bei Pastor Sänger und Ant bei aller Arbeit und aufkommender Freude, durch einen plötzlichen Trauerfall vor oder während der Feiertage. „Dann müssen wir alle schauen, wie wir das geregelt kriegen. Auch während der Feiertage sind wir als Seelsorger ansprechbar und erreichbar, müssen – wenn nötig – auch flexibel sein, indem auch an einem freien Montag nach den Feiertagen eine Beerdigung gehalten wird. Weihnachten wäre in diesem Fall ja ein trauriges, schmerzhaftes Fest, was wir keiner Familie wünschen“, lautet das Anliegen von Sänger für die bevorstehenden Festtage. Mit frohem Herzen und froher Stimmung sieht der Pastor hoffnungsvoll diesen kommenden Tagen entgegen und verkündet seiner Pfarrgemeinde: „Bei aller Arbeit und den Problemen dieser Zeit stellt sich auch bei mir die Festtagsfreude ein, die ich auch allen wünsche, gemäß dem Wort des Engels an die Hirten: Ich verkünde euch eine große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren.“