Natur: Alle sollen beim Hochwasserschutz helfen

Natur : Alle sollen beim Hochwasserschutz helfen

Überschwemmungen durch Starkregen treten immer häufiger auf. Ein spezielles Konzept soll öffentliche und private Maßnahmen in Saarburg bündeln.

Rinnsale verwandeln sich in reißende Bäche, die Straßen überschwemmen, Keller und Häuser fluten und riesige Mengen Ge­röll ablagern. Hänge rutschen ab. Schlammlawinen gehen nieder – Beschreibung der Unwetter von Juni 2016 und ihrer Folgen, die in der Region wüteten. Auch die Verbandsgemeinde Saarburg war damals betroffen. Die Saarburger Feuerwehr rückte aus, um Keller leerzupumpen und überflutete Fahrbahnen zu sperren. Beim Rehlinger Hof hatte der Mannebach die gewaltigen Wassermassen von 35 Litern pro Quadratmeter in kürzester Zeit nicht fassen können. Häuser und Ställe waren überflutet.

Die Ereignisse 2016 waren Anlass für die rheinland-pfälzische Landesregierung, ein Programm gegen Hochwasser aufzulegen, bei dem die Gemeinden inhaltlich und finanziell unterstützt werden. Mehr als 300 Orte haben mit 90-prozentiger Förderung bereits ein Hochwasserschutzkonzept erstellt oder sind dabei. Nächste Woche Donnerstag fällt in der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg der Startschuss dafür. Die VG übernimmt die restlichen zehn Prozent der Kosten.

Das Planungsbüro Hömme aus Pölich wird den Prozess begleiten. Das Büro ist in dieser Sache bereits in den Verbandsgemeinden Konz, Daun und Schweich aktiv. In der VG Saarburg renaturiert es derzeit Bäche. Jürgen Dixius, Bürgermei­ster der VG Saarburg, erklärt: „Hochwasserschutz ist ein wichtiges Thema, mit dem wir uns schon seit einigen Jahren befassen. Schwerpunkt waren bislang die Bachrenaturierungen.“ Dabei gehe es darum, die Wasserökologie zu verbessern und Überflutungsflächen zu schaffen. Beim aktuellen Hochwasserschutzkonzept gehe es weniger um die großen Fließgewässer, sondern eher um die Rinnsale, die bei Starkregen plötzlich anschwellen könnten. Starkregen könne überall herunterkommen.

Geschäftsführer Frank Hömme ergänzt: „Die Anzahl der Starkregen hat deutlich zugenommen und wird dies auch in Zukunft tun. Außer Donald Trump widerspricht niemand, dass das mit dem Klimawandel zusammenhängt.“ Starkregen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Volker Thesen, Mitarbeiter des Büros Hömme, erläutert: „Starkregen wird zwar vorhergesagt. Die Experten können aber nicht genau sagen, wo er niedergeht.“ Zudem gebe es bei Stark­regen kaum Anlaufzeit, um sich darauf vorzubereiten. Für ein Flusshochwasser könne man sich hingegen schrittweise Strategien überlegen: Ab dann werde der Keller geräumt, ab dann das Auto weggefahren.

Für das Hochwasserschutzkonzept sollen nun für alle Orte der VG Informationen zusammengetragen werden, um dann Schutzmaßnahmen und Handlungsempfehlungen öffentlicher und privater Art zusammenzustellen. Frank Hömme: „Das Besondere an diesem Konzept ist, dass wir die Einwohner eng einbinden.“ Sie würden in Workshops gefragt, wer schon mal Probleme gehabt habe, wo das Wasser hergekommen sei und wo es hinfließe. Hömmes: „So erhalten wir präzise Auskünfte. Das ist besser als jede andere Planungsgrundlage.“ Das Büro arbeitet darüber hinaus mit allen zusammen, die für das Thema von Bedeutung sind wie der VG-Verwaltung, den Ortsgemeinden, den Feuerwehren, der Straßenbaubehörde und dem Forst.

Konkret geht es bei Hausbesitzern beispielsweise darum zu hinterfragen, ob eine Gartenmauer Wasser abhält und wie die Lücke mit dem Tor geschlossen werden kann. Weitere Punkte: Sind Rückstauventile im Keller eingebaut? Lichtschächte in Kellerwohnungen können durch Randsteine vor einer Flutung geschützt werden. Im öffentlichen Raum geht es zum Beispiel darum zu prüfen, ob der tiefste Punkt im Neubaugebiet von Bebauung frei bleiben kann und ob die Infrastruktur gefährdet ist. Sind Stromkästen vor Überflutungen sicher? Bleiben Handy und Telefonnetze intakt? Ist die Feuerwehr entsprechend mit Pumpen und Ähnlichem ausgestattet? Zwei Jahre hat die Verbandsgemeinde Zeit, das Konzept zu erstellen. Auf die Infoveranstaltung folgen Workshops in den Orten zur Info- und Ideensammlung. In einer zweiten Workshoprunde wird dargelegt, was warum umgesetzt wird und was nicht.