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Merzig
Senioren genießen die Abwechslung im Alltag

Die Pflegefachkraft Susanne Geier (Mitte) startet mit den Tagesgästen gymnastische Übungen.
Die Pflegefachkraft Susanne Geier (Mitte) startet mit den Tagesgästen gymnastische Übungen. FOTO: Tina Leistenschneider
Merzig. Älteren Menschen zu helfen, dass sie möglichst lange Zuhause leben können, ist ein Ziel des Tagestreffs am Fellenbergschlösschen. Von Tina Leistenschneider

Im Alter nicht allein sein, weiter unter Menschen und Teil der Gesellschaft sein, wollen viele ältere Menschen. Doch wer beruflich eingespannt ist und sich zeitgleich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, weiß um den Spagat, beides zu vereinen. Fehlt die Zeit, scheinen Seniorenresidenzen und Altenheime ein Ort der Hilfe zu sein, um die Angehörigen in guten Händen zu wissen. Diese Einrichtungen schlucken jedoch bekannterweise viel Geld, zudem überträgt man einen Teil der Verantwortung auf andere, Außenstehende.



Das soll hier im neuen Tagestreff am Fellenbergschlösschen nicht passieren. Seine Philosophie: „Menschen so lange helfen, dass sie zuhause leben können“, erklärt Diana Theobald, Leiterin der Einrichtung. „Tagespflege ist im Kommen und setzt genau da an.“ Daher kochen die Gäste täglich ihr Essen selbst, um die Mechanik nicht zu verlernen. Der Essensplan wird von Barbara Hoffmann-Schmidt, Geschäftsführerin und Ernährungsberaterin, bestimmt, weswegen einmal in der Woche mindestens Fleisch, Fisch, eine Suppe und vegetarisch auf dem Speiseplan stehen. „Was dann genau gekocht wird, wird von den Tagesgästen festgelegt“, erläutert die Geschäftsführerin. Als Zutaten für die Gerichte werden ausschließlich frisches Obst und Gemüse verwendet. Man möchte damit vor allem dafür sorgen, dass die Gäste mit ausreichend Vitaminen und Mineralien versorgt werden. Zur Essensvorbereitung sitzen alle gemeinsam an einem großen Tisch, während Musik aus vergangenen Tagen erklingt und die Gäste nostalgisch stimmt. So möchte man sicher gehen, dass die Pflegebedürftigen weiter selbstständig zu Hause arbeiten können.

Insgesamt habe man Platz für bis zu 32 Gäste, schildert Diana Theobald, wodurch auf eine Betreuungsperson sechs Pflegebedürftige kommen. Die lichtdurchfluteten, barrierefreien Räume laden zum Verweilen ein, große verstellbare Sessel mit einer Decke versprechen Entspannung und Erholung, und an den zahlreichen Tischen können Brettspiele gespielt werden. Daneben gibt es einen behindertengerechten Sanitätsbereich.

Auf die Gäste wartet täglich ein abwechslungsreiches Programm: Den Tag beginnt man zunächst mit einem gemeinsamen Frühstück und der anschließenden Zeitungsrunde, ehe gemeinsames Singen, Gedächtnistraining und Gymnastik auf dem Plan stehen. Vormittags laufen dann die Vorbereitungen für das Essen, es wird gebacken und gekocht. Nachmittags wird Mittagsruhe verordnet, wer möchte, spielt Gesellschaftsspiele oder bastelt Dekorationen für die Tagesstätte mit den Pflegekräften. Des Weiteren werden Spaziergänge unternommen. Wenn gewünscht, wird auch eine Einzeltherapie angeboten, denn die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden werden berücksichtigt. „Hier steht der Mensch im Vordergrund und alle werden mit einbezogen“, sagt die Leiterin der Tagesstätte. Ihr Motto: „Alles kann, nichts muss“.

Neben dem Schwerpunkt Ernährung ist auch die Beratung und das Heranführen der Angehörigen mit der Pflege ein Anliegen des Tagestreff. Einmal im Monat veranstaltet man einen „Tag der offenen Tür“, wo sich jeder – auch nicht Pflegebedürftige – kostenlos über die Finanzierung und den Ablauf informieren kann. Die Resonanz sei Diana Theobald zufolge bisher sehr gut.

Die Kosten der Pflege übernimmt im Übrigen die Krankenkasse: „Ab Pflegestufe eins bezahlt die Krankenkasse die Pflege komplett, inklusive Transport“, erklärt sie. „Lediglich eine Eigenbeteiligung von 15 Euro kommt hinzu.“ Daher dürfe man nach ihren Worten das zur Verfügung stehende Budget durchaus ausreizen und in Anspruch nehmen. Aufgenommen werden auch Betroffene der Pflegestufe fünf, zudem arbeite man mit allen Krankenkassen zusammen, sei es privat oder gesetzlich. Demnach ist auch das Thema Weiterbildung eine Herzensangelegenheit von Diana Theobald und Barbara Hoffmann-Schmidt, um immer auf dem aktuellen Stand der Rechtslage und den gesetzlichen Richtlinien zu sein.

Das Team der Tagespflege besteht aus Fachkräften aus den Bereichen Altenpflege, Soziale Arbeit und Erziehung. In Zukunft wolle man selbstverständlich auch noch weitere Ideen entwickeln, wobei man sich fernerhin nach den Ideen der Mitarbeiter, Gäste und Angehörigen richtet. So solle beispielsweise das „Snoezelen“ etabliert und angeboten werden; eine Technik, die aus den Niederlanden stammt und sich aus den Wörtern „snuffelen“(schnüffeln) und „doezelen“(dösen) zusammensetzt. Es handelt sich dabei um eine Lichtaktivierung und ein kognitives Anregen der Sinne. Um optimal für Entspannung zu sorgen, legen sich die Betroffenen hin, sanfte Klänge wiegen sie in den Schlaf, und bei wohliger Wärme schläft man schließlich ein. Dadurch kann neue Kraft geschöpft und Ideen entwickelt werden.

Tagestreff-Leiterin Diana Theobald (links) und die Geschäftsführerin Barbara Hoffmann-Schmidt.
Tagestreff-Leiterin Diana Theobald (links) und die Geschäftsführerin Barbara Hoffmann-Schmidt. FOTO: Tina Leistenschneider