1. Saarland

Langer Weg zum behindertengerechten Bad

Langer Weg zum behindertengerechten Bad

Dorf im Warndt. Das Schicksal hat Sandro Mang hart getroffen. Wie der Blitz aus heiterem Himmel erlitt der damals 45-Jährige, der zuvor 30 Jahre in der Grube Warndt als Bergmann gearbeitet hatte, 2003 einen Schlaganfall. Die Folgen waren gravierend: Mang war halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr reden, musste gefüttert werden, und an Gehen ist selbst heute noch nicht zu denken

Dorf im Warndt. Das Schicksal hat Sandro Mang hart getroffen. Wie der Blitz aus heiterem Himmel erlitt der damals 45-Jährige, der zuvor 30 Jahre in der Grube Warndt als Bergmann gearbeitet hatte, 2003 einen Schlaganfall. Die Folgen waren gravierend: Mang war halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr reden, musste gefüttert werden, und an Gehen ist selbst heute noch nicht zu denken. Erst nach drei Monaten Krankenhausaufenthalt und Reha fand der 50-Jährige seine Sprache und Erinnerung wieder - die körperlichen Einschränkungen blieben. Dies bedeutete für Ehefrau Violetta einen Full-Time-Job. Und auch die damals 14 und 16 Jahre alten Kinder Kevin und Diane mussten lernen, mit der neuen Familiensituation umzugehen.

In der kleinen Wohnung in einem Bergmannshaus An der Friedenseiche in Dorf im Warndt zeigten sich nun Probleme, an die niemand gedacht hatte. Die Türen waren zu schmal für den Rollstuhl, und die Körperhygiene gestaltete sich nicht einfach. "Im Bad hatten wir drei Lifter für die Badewanne, doch mein Mann konnte sich nicht darauf halten und stürzte", erzählt Violetta Mang. So blieb ihr nichts anderes übrig, als ihren Mann tagtäglich zu waschen. Bald fiel der Entschluss, dass in der Wohnung etwas passieren müsse, um das Leben erträglich zu machen. Doch langsam mahlten die Mühlen der Bürokratie: Egal ob Krankenkasse oder Pflegekasse, die nach der Erwerbsunfähigkeit von Sandro Mang, mithalf, ob Landesamt für Soziales oder auch der Vermieter, die Wohnungsbaugesellschaft StWB (Stiftung Wohnungsbau Bergarbeiter) - alle und doch niemand waren zuständig, wenn es darum ging, Fördergelder für den Umbau locker zu machen.

Hilfe kam in der Person von Uwe Prior, selbst alter Bergmann und mit Sandro Mang seit Jahrzehnten bekannt. Prior steht dem Sozialverband VdK-Ortsverband Großrosseln vor, in dem auch Mang Mitglied ist. Als er von der unendlichen Geschichte des nun 50-Jährigen Mang erfuhr, nahm er das Heft in die Hand und koordinierte die Bemühungen der betroffenen Institutionen. Drei Wochen lang wurden Sandro und Violetta Mang in das Haus Sonnenwald in Besseringen ausquartiert - für die beiden auch eine Zeit des Ausspannens.

Derweil gingen An der Friedenseiche die Handwerker ein und aus. Die Türen wurden verbreitert, das Bad vergrößert und mit einer behindertengerechten Dusche ausgestattet. Fast wäre Violetta Mang ihrem Helfer Prior vor Freude um den Hals gefallen, als sie vor drei Wochen aus Besseringen zurückkehrten. "Das ist eine Riesenerleichterung", freuen sich die beiden noch heute tagtäglich über die Hilfsaktion.

Fast 12000 Euro hat der Umbau gekostet. Die Wohnungsbaugesellschaft StWB mit Wohnungsverwalter Keno Zimmer und Theo Jungfleisch und Annette Schirra vom Landesamt für Soziales arbeiteten unter der Regie von Uwe Prior eng zusammen. Dabei half der VdK Großrosseln nicht nur ideell: Dank Priors Intervention reduzierte das Haus Sonnenwald die Unterbringungskosten für das Ehepaar Mang von 1800 Euro auf 1000 Euro.

Auf einen Blick

Ansprechpartner in vergleichbaren Fällen:

Landesamt für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz, Tel. (0681) 9978-0; Dirk Kessler, Tel. (0681) 9978-352, ist dort Vertrauensperson für behinderte Menschen.

Sozialverband VdK, Ortsverband Großrosseln, Uwe Prior, Tel. (06809) 1615, www.vdk.de/ov-grossrosseln oder andere VdK-Ortsverbände. hla