Krach um die Kunst

Krach um die Kunst

Saarbrücken. Nach knapp zwei Stunden Diskussion, die er als Zuhörer erleben musste, war Ernest Uthemann (Foto: Barbian) nicht nur "etwas verwundert". Der Leiter der Saarbrücker Stadtgalerie fühlte sich "persönlich angegriffen"

Saarbrücken. Nach knapp zwei Stunden Diskussion, die er als Zuhörer erleben musste, war Ernest Uthemann (Foto: Barbian) nicht nur "etwas verwundert". Der Leiter der Saarbrücker Stadtgalerie fühlte sich "persönlich angegriffen". Im von der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik zusammengestellten Podium hatten bis dahin nur Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD, Foto: B&B) und die Vertreter der Stadtratsfraktion das Wort geführt und ihre Meinung zur Stadtgalerie kundgetan.

Die politischen Linien waren schnell klar. Zum Ende des Jahres soll der Vertrag zwischen Stadt und Stiftung Saarländischer Kulturbesitz gekündigt werden. Seit 1994 betreiben Stadt und Stiftung die Galerie gemeinsam. Wobei die Stiftung für die Inhalte, also für die Ausstellungen zuständig ist.

Geht es nach Britz und der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit, dann ist die Zusammenarbeit zum Ende des kommenden Jahres beendet. "Es soll kein Gegeneinander sein", betonte Britz zwar, aber eben auch keine Partnerschaft mehr. Die Stadtgalerie solle "neues Profil gewinnen". Es sei "ja nicht so" gewesen, dass es in der Galerie Ausstellungen gegeben hätte, "die die Welt bewegt und viele Menschen nach Saarbrücken" gelockt haben, sagte Britz. "Kultur muss zu den Menschen, Kultur ist keine elitäre Angelegenheit", fordert sie.

Die Stadt solle "wieder Flagge zeigen", forderte der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Peter Bauer. Das gehe am besten in "Eigenregie". Die Stiftung, ins Gerede gekommen durch Spesenabrechnungen ihres Vorstands Ralph Melcher, sei "ein unkontrollierbares Gebilde geworden". "Die Begeisterung, mit Herrn Melcher unter eine Decke zu kriechen, hält sich in Grenzen", sagte Bauer. Zustimmung von Grünen und Linken.

Aus Sicht der Besucher sei es "schnurzegal, wer der Betreiber ist", entgegnete Friedhelm Fiedler (FDP). Die Frage sei: Was will die Galerie bieten? Darüber solle man sprechen - und dann entscheiden, ob die Stadt das alleine machen soll oder einen Partner braucht. Wie Michael Jung (CDU) wies Fiedler darauf hin, dass die Stadt mehr Geld ausgeben muss als bisher, wenn sie die Galerie alleine betreibt.

"Ich habe nicht vor, jemanden davor zu warnen, Geld für Kultur auszugeben. Kultur ist nicht dafür da, Geld zu sparten. Kultur ist dafür da, Geld auszugeben", sagte Uthemann, als er endlich zu Wort kam. Aber die Politik habe eine merkwürdige Wahrnehmung. Der Galeriehof, dessen Nutzung die Rot-Rot-Grünen vehement forderten, werde bereits genutzt. Im Sommer hat die Galerie mit der Uni dort zum Beispiel eine Filmreihe angeboten. Die Stadt nutze ihr vertragliches Recht, den Hof an 40 Tagen im Jahr "zu bespielen", dagegen nicht.

Die Ausstellungen seien "nicht irgendeine Provinzgeschichte". Die Galerie habe Künstler ausgestellt, die inzwischen "Shootingstars" der internationalen Kunstszene sind. Und die Besucherzahl, die zu Zeiten, als die Stadt die Regie hatte, zuletzt bei 4000 lag, sei inzwischen wieder auf 8000 angestiegen - "wie in vergleichbaren Häusern üblich", sagt Uthemann. Aber da war die Diskussion dann zu Ende.

Meinung

Parteipolitische Kraftmeierei

Von SZ-Redakteur

Martin Rolshausen

Man kannte das bisher vor allem aus Western: Erst schießen, dann fragen. Seit Mittwochabend scheint es auch in der Saarbrücker Kulturpolitik angesagt zu sein, aus der Hüfte zu schießen. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) will sich so offenbar als starke Frau in Szene setzen.

In Sachen Stadtgalerie schießt sie gegen den Vertragspartner, die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Die Botschaft: Das mit der Stadtgalerie kriegt die Stadt auch alleine hin. Was die Stadt da eigentlich hinkriegen will, lässt Britz mit einem schwabbeligen Hinweis auf "viele Möglichkeiten" offen.

Bei einem ihrer letzten Ausflüge in die Kulturpolitik vor drei Jahren hat Britz vorgeschlagen, die Stadtbibliothek um eine Etage zu verkleinern, indem man die Regale enger zusammenstellt. Da ist es vielleicht nicht verkehrt, dass sie nun selbst kein Konzept für die Stadtgalerie vorlegt.

Um ein Konzept scheint es aber auch erstmal nicht zu gehen. Sondern darum, wer hier das Sagen hat. Dass Britz für diese Kraftmeierei Rückendeckung von der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit und der SPD-dominierten Gesellschaft für Kulturpolitik bekommt, wirft Fragen auf: Rührt Rot-Rot-Grün da ein kulturpolitisches Süppchen an? Ist der Nachfolger für Stadtgalerie-Leiter Ernest Uthemann schon ausgesucht?

Auf einen Blick

Bis 21. November läuft in der Saarbrücker Stadtgalerie die Ausstellung "Vierer-Variationen", eine Beschäftigung der Künstlerinnen GUP-py und gab heller mit der Zahl vier. Ab 11. Dezember bis 23. Januar zeigt die Stadtgalerie die Ausstellung "Wiederkehr der Landschaft".

Öffnungszeiten: dienstags sowie donnerstags bis sonntags 11 bis 19 Uhr, mittwochs 12 bis 20 Uhr.

Info: Stadtgalerie , St. Johanner Markt 24, 66111 Saarbrücken, Tel. (06 81) 99 64-0, E-Mail info@ stadtgalerie .de, Internet: www. stadtgalerie .de ols

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