„Kirchliches Fritz-Walter-Wetter“

„Kirchliches Fritz-Walter-Wetter“

Die Kirche müsse ein „Feldlazarett sein, das Wunden heilt“, sagte Dechant Benedikt Welter beim ersten Neujahrsempfang der zusammengelegten Dekanate Saarbrücken und Sulzbach.

Die katholische Kirche muss sich selbst hinterfragen, sie muss darüber nachdenken, wie sie mit ihren Besitztümern umgeht, wie sie "bis an die Grenzen gehen" kann, "um bei den Menschen anzukommen". Deshalb, sagt der Dechant des Dekanats Saarbrücken, Benedikt Welter, sei er "dem Bischof von Limburg in gewisser Weise dankbar".

Dieser Bischof hatte durch den teuren Umbau seiner Residenz eine Debatte um den Reichtum und die Glaubwürdigkeit der Kirche ausgelöst. Der "Glaubwürdigkeitsverlust" treffe auch die katholische Kirche in Saarbrücken, sagte Welter beim Neujahrsempfang seines Dekanats am Donnerstagabend. Daraus erwachse aber auch eine Chance. Welter spürt "kirchliches Fritz-Walter-Wetter". Für die Kirche sei die Wetterlage gerade wie für die deutsche Nationalmannschaft und ihren Star Fritz Walter 1954 bei der Fußballweltmeisterschaft in Bern: regnerisch und schlammig. Also gut, um Tore zu schießen - oder eben Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Welter erinnerte auch daran, dass vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist - in einer Zeit, in der Aufbruchstimmung geherrscht habe, bis die Kugel eines Attentäters alles veränderte. Das solle mahnen, sich auch heute nicht in Sicherheit zu wiegen. Auch heute sei eine Zeit, "in der die Kugel locker sitzt".

Aufgabe der Kirche sei es damals wie heute, für die Menschen eine Art "Feldlazarett zu sein, das Wunden heilt". Dass durch die Zusammenlegung von Pfarreien durch den Trierer Bischof die Katholiken gezwungen waren, sich neu zu orientieren, sei diesem Ziel wohl nicht abträglich.

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