1. Saarland

Jazz-Fantasien zu früher Stunde

Jazz-Fantasien zu früher Stunde

Ohne Schlagzeug und Banjo traten die Musiker von Mississippi Tree beim Jazz-Frühschoppen am Sonntag in Homburg auf. Auf den Gedanken, dass etwas fehlen könnte, kam das Publikum angesichts des hohen Maßes an Virtuosität aber nicht.

Jazz ist ein unglaublich vielseitiges musikalisches Metier. Jüngster Beweis dafür war beim Jazz Frühschoppen die Band Mississippi Tree. Auch ihr Weg führte nach New Orleans, aber auf einem anderen, durchaus erfrischenden Weg. Mississippi Tree ist eine ausgesprochen vielseitige und fantasievolle Formation. Für ihren Auftritt auf dem historischen Marktplatz hatte sie sich von der gewohnten Trio-Besetzung zum Quartett verstärkt. Das eröffnete den spielfreudigen Musikern noch mal weitere Möglichkeiten, ihr Können im wörtlichen Sinn auszuspielen.

Gut bekannt in Homburg war zuvor schon Klarinettist und Saxofonist Manfred Pfeifer. Ihn haben die Jazz-Freunde vor einiger Zeit schon bei der Unnerhaus Jazzband erlebt, in einer anderen Gruppe zeigte er, dass er auch Elemente der Zigeunermusik wirkungsvoll zu arrangieren weiß. Begeisterte Zurufe gab's beim fulminanten Klarinetten-Solo in "Eccentric Rag". Das kam an.

"Allein der Klarinettist war schon den Weg zum Marktplatz wert", fand Hans Ernert, ein häufiger Gast beim Jazz-Frühschoppen. Auch mit dem Saxofon gefiel Pfeifer dank ausgiebiger und fantasievoll gespielter Soli. Ab und an legte er die großen Instrumente zur Seite und griff schon mal zur Mundharmonika. In der Hand eines Jazzers wie Manfred Pfeifer war auch dieses eher ungewohnte Musikinstrument voll jazztauglich.

Neben Pfeifer bilden Bodo Bode (Bass) und Thomas Seibel (Gitarre) die Stammbesetzung von Mississippi Tree. Sie haben sich für die elektronisch verstärkte Version ihrer Saiteninstrumente entschieden. Dabei war der Bass von Bodo Bode auch ein Hingucker. Grund ist das ungewöhnliche Format, denn der sonst imposante Resonanzkörper wurde bei diesem Bass fast miniaturisiert.

Markenzeichen von Mississippi Tree ist, dass die Band ohne Schlagzeug und Banjo daherkommt. Da senkte sich die Last, den richtigen Rhythmus einzubringen, fast allein auf den Bassisten. Und es funktionierte prächtig. Nur eine perfekt arrangierte Band kann Jazz als rhythmusbetonte Musik in solch einer Besetzung spielen, dass sie dem Publikum Spaß macht.

"Die sind super gut", lobte Dieter Kühnle die Musiker in der nicht alltäglichen Besetzung. Kühnle wünschte sich, dass die Gastgeber weiter so ein gutes Händchen bei der Auswahl der Bands haben werden.

Zum Quartett wurde die Band erst durch Trompeter Ralph "Mosch" Himmler. Der quirlige Bläser, zu Hause in Landau, entfachte zusätzlich Feuer auf der Bühne mit seinem lebhaften und mitreißenden Spiel. Da wurden Titel wie "All of me" ganz neu entdeckt, obwohl sie als Klassiker im Repertoire jeder guten Jazzband sind. Nicht nur als Trompeter gewann Ralph Himmler schnell die Sympathien des Publikums. Wie Bodo Bode oder Thomas Seibel ging er auch als Sänger ans Mikrofon. Ab und zu tauschte er die Trompete gegen ein Flügelhorn. Und als eine Rumba angesagt war, griff Himmler zu original Rumbakugeln und verlieh dem Klang der Band einen karibischen Touch.

Die Band arrangierte schöne Titel um einen Kern aus Klassikern des Jazz wie Bourbon Street Parade, Ice Cream oder Sheik of Araby. Gut passten dazu Lieder wie das vom Fräulein Helen, das man beim Baden gesehn hat oder "Bei mir bist du scheen". Den Jazz-Klassiker "All of me" hatte die Band übrigens mit deutschem Text versehen, das hört man nicht jeden Tag.