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Zustand der Musikschule St. Ingbert
Ein ungeschöntes Bild der Musikschule

Isabel Meiser zeichnet im Stadtrat St. Ingbert ein ungeschöntes Bild der Musikschule.
Isabel Meiser zeichnet im Stadtrat St. Ingbert ein ungeschöntes Bild der Musikschule. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Im Kulturausschuss hat die ehemalige Leiterin der Musikschule St. Ingbert schonungslos Schwachstellen angesprochen. Von Cornelia Jung

So still wie an jenem Donnerstag Ende August, als sich Isabel Meiser als neue Leiterin der Musikschule dem Kulturausschuss vorgestellt hat, war es selten in einer Sitzung. Zwar ist die Personalie seit dieser Woche wieder Geschichte. Doch ihre offene Einschätzung bezüglich des Zustandes der Musikschule St. Ingbert, die Schwachpunkte aufzeigte, hat einige Ratsmitglieder erschüttert.


So sei sie die einzige fest angestellte Lehr- und Leitungskraft, während alle anderen Leistungen der Dozenten mit Honoraren vergütet werden. „Die Musikschule hat großes Potential und könnte mehr Menschen erreichen, als sie es bisher tut“, sagte Isabel Meiser, die vor allem auf die Kooperation mit Kitas und Schulen setzen wollte. Doch selbst ein neues Design und ein neuer Internetauftritt könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die städtische Einrichtung in keinem guten Zustand sei, erklärte sie in der Ausschusssitzung.

Während die junge Frau fest davon überzeugt sei, Musik könne heilen und dazu beitragen, dass Menschen zu sich finden, verwies sie auf den „Patienten“ Ludwigschule, der es ihr als Leitung nicht gerade leicht mache, ihren Aufgaben vollumfänglich gerecht zu werden. „Wenn an der Tür die Warnung steht, dass sich maximal 15 Leute in einem Raum aufhalten dürfen, wie soll dann eine Chorprobe möglich sein“, fragte sie. Natürlich lebe man in einer Welt, in der Fakten und Zahlen wichtig seien, „aber die Musik besteht nicht aus Fakten und Zahlen“. Durch die Musik zeige der Mensch nicht, was er sein wolle, sondern was er ist“, sagte Meiser.



Manch einer im Rat fand ihre Ausführungen esoterisch und der Musikschule nicht angemessen. „Wenn sie jetzt gerade nicht wissen, wovon ich rede, dann kommen Sie vorbei“, lud die Sängerin den Rat zum Schnupperunterricht Gesang oder Stimmbildung ein. Eine Musikschule solle Allgemeingut und kein Privileg sein. „Ich habe in meinem Büro gesessen und geheult, als ich gesehen habe, in welchem Zustand die Musikschule ist“, sagte sie über ihre ersten Tage im Amt. Sie habe andere Musikschulen kontaktiert und sie auch besucht und übte harte Kritik an den Honorarvereinbarungen.

„Nur mit Überredungskunst habe ich vier neue Lehrkräfte einstellen können“, denn 17,56 Euro für eine Unterrichtsstunde sei kein Anreiz. Man bräuchte aus ihrer Sicht ein Lehrbudget von 60 000 Euro. „Stattdessen wird mein Gehalt davon abgezogen. Wie soll ich denn das machen, wenn mein Lohn ähnlich hoch ist?“ Es bliebe also nicht viel übrig, um ordentlich wirtschaften zu können, sagte sie dem Rat. Bestimmte Dinge seien so nicht möglich und nur weil jetzt eine hauptamtliche Leiterin da sei, ändere das noch nichts am Zustand der Schule. „Ich kann keine Wunder vollbringen“, so Meiser. „Wir haben auch keine Zauberin gesucht“, erwiderte Roland Körner (Familienpartei), der sich perspektivisch eine Flatrate vorstellen könne, mit der ein Musikschüler Zugang zu allen Angeboten habe.

Die SPD-Fraktion bedankte sich für die ehrliche Bestandsaufnahme. Jürgen Berthold (Die Grünen) interessierte, ob es künftig regelmäßige Sitzungen des Kollegiums der Musikschule geben werde, um die Kommunikation zu verbessern. „Da sprechen Sie einen Kernpunkt an“, antwortete Meiser, „denn die Grundlage der Arbeit ist, dass sich das Kollegium mit der Musikschule identifiziert. Manche Dozenten, die nur stundenweise kommen, interessieren sich wenig dafür. Denen kann man auch keine Dienstanweisung geben.“

Sie prophezeite, das Engagement derer, die sich jetzt noch einbringen, werde zurückgehen. Man müsse den Honorarkräften etwas bieten, ist sie überzeugt. Michael Trittelvitz (Die Unabhängigen) bemängelte das Streichen der Schnupperstunden, bei denen Musikschüler verschiedene Instrumente ausprobieren könnten. Auch dies sei nur mit Festangestellten leistbar, sagte Meiser. Ordentliche Arbeit müsse auch ordentlich bezahlt werden. „Ich hinterlasse nicht gern den Eindruck, dass unsere Honorarkräfte nichts wert sind“, sagte Meiser. Sie wolle alles dafür tun, um die Stadt mittels Sponsoren, Förderern oder Fördervereinen zu unterstützen.

Sie forderte den Ausschuss auf, ein klares Bekenntnis pro Musikschule abzugeben, damit die Lehrkräfte das Vertrauen wiedererlangen. „Jungen Lehrkräften ist bewusst, dass sie hier nicht überleben können“, erklärte Meiser. Außerdem fehle es der Musikschule an Außenwirkung. Stadtratsmitglied Berthold wollte das so nicht stehenlassen: „Es entsteht gerade der Eindruck, dass die bisherige Arbeit der Musikschule nicht so gut war.“ Meisers Antwort: „Was die Musikschule bisher geleistet habe, ist das, was eben mit Ehrenamtlern möglich war.“