1. Saarland

Georgios mag den familiären Umgang

Georgios mag den familiären Umgang

Einige sind hier geboren, andere erst später in die Kreisstadt gekommen. Eines haben sie alle gleich: Wurzeln in einem anderen Land. Gemeint sind die Angehörigen der insgesamt 70 verschiedenen Nationen, die in Merzig ihre – teils neue – Heimat gefunden haben. Die SZ stellt sie und ihre Geschichten vor. In Teil 6: Georgios Petridis, dessen Eltern aus Griechenland stammen.

Seit er zehn Jahre alt ist, wohnt Georgios Petridis im Saarland. Geboren und aufgewachsen ist er in Mannheim, bis er 1981 zusammen mit seinen Eltern nach Besseringen zog.

Für seine Eltern ist Besseringen die dritte Station innerhalb Deutschlands, seit sie 1962 aus Griechenland in ein neues Leben zogen. Nach der Unterzeichnung des so genannten Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und Griechenland kam der Vater von Georgios 1962 als Gastarbeiter nach Dortmund. Ende der 1960er Jahre zogen die Eltern nach Mannheim, wo Georgios, der heutige Inhaber des griechischen Restaurants "Athen Grill" in der Josefstraße in Merzig, geboren wurde. Ein Brauerei-Vertreter war es, der Georgios' Vater darauf aufmerksam machte, dass es "in der Merziger Kante", wie Georgios den Grünen Kreis bezeichnet, noch keine griechischen Restaurants gebe. Sein Vater gab daraufhin sein Restaurant in Mannheim auf und wagte in Merzig einen weiteren Neustart: Anfang der 1980er Jahre eröffnete er den "Athen Grill".

Für Georgios stand schon früh fest, das Restaurant einmal übernehmen zu wollen. So absolvierte er eine Ausbildung zum Restaurantfachmann, nach der er in den elterlichen Betrieb wechselte. 2008 übernahm er den "Athen Grill", wo er selbst am Grill steht. Bis zu 50 Leute finden in der Etage über dem Restaurant Platz. Seine Arbeit gefällt ihm, das sehen auch die Restaurantgäste, die ihm beim Grillen praktisch über die Schulter schauen können. Überhaupt fühlt sich Petridis wohl hier. An Merzig mag er besonders, dass man sich kennt. "Der Umgang unter den Merzigern ist sehr familiär", findet Petridis. Es gibt aber auch etwas, das ihn an der Kreisstadt stört. Bei der Verkehrsführung an der Schule sieht er noch viel Handlungsbedarf.

Deutschland betrachtet Georgios Petridis nicht als ein Land, in dem er sich aufhält, sondern als seine Heimat, "schließlich bin ich hier geboren", betont er. In Merzig seien er und seine Familie damals sehr herzlich empfangen worden. Mit seinen Mitschülern habe er sich ganz schnell angefreundet. "Es kommt auch immer ganz darauf an, wie man sich selbst darstellt", ist er überzeugt. "Wenn ich mich als Außenstehender oder Außenseiter gebe, dann werde ich auch einer", so Georgios weiter. Trotzdem repräsentiere er auch die griechische Heimat seiner Eltern, indem er Tag für Tag griechische Speisen zubereite. "Man muss das Ganze in einem gesunden Gleichgewicht halten", findet der Halbgrieche.

So wie seine Eltern sprechen Georgios Petridis und seine griechische Frau auch mit seinen eigenen drei Kindern auf Griechisch. "Die Kinder haben zu Hause ihre sprachliche Basis", sagt Petridis, alles andere würden sie im Umgang mit anderen lernen. Innerhalb der Familie könne es schon einmal vorkommen, dass die Sprachen während des Gespräches wechseln. Seine beiden Töchter - fünf und elf Jahre alt - und seinen siebenjährigen Sohn strikt nach griechischer Tradition zu erziehen, hält er für keine gute Idee: "Das schränkt nicht nur meine Kinder, sondern auch uns Eltern ein, im Denken und im Handeln."

Jedes Jahr geht er mit seiner Familie einen Monat lang nach Chalkidiki, dem Heimatort seiner Eltern, um dort Urlaub zu machen und seine Verwandten zu besuchen. "Dort heißt es dann immer: ‚Ach, die Deutschen sind da'." Umgekehrt wurde er in seiner deutschen Heimat schon gefragt, was er denn bei Regen fühle, weil er doch bestimmt wärmere Gefilde gewöhnt sei. Seine mit einem Schmunzeln hervorgebrachte Antwort: "Ich schaue die Tropfen an und denke mir einfach nichts dabei."