Friedhofstoiletten im Winter zu

Friedhofstoiletten im Winter zu

Bliesen. Auf vielen Friedhöfen im Landkreis St. Wendel ist es jedes Jahr dasselbe. Ende Oktober, Anfang November werden die Toiletten auf allen Friedhöfen, die von der Stadt St. Wendel verwaltet werden, zugesperrt. Der Grund: Frostgefahr. Vielen fällt das womöglich nicht einmal auf oder die Menschen haben sich schon daran gewöhnt

Bliesen. Auf vielen Friedhöfen im Landkreis St. Wendel ist es jedes Jahr dasselbe. Ende Oktober, Anfang November werden die Toiletten auf allen Friedhöfen, die von der Stadt St. Wendel verwaltet werden, zugesperrt. Der Grund: Frostgefahr. Vielen fällt das womöglich nicht einmal auf oder die Menschen haben sich schon daran gewöhnt. Doch für einige Friedhofsbesucher, gerade für ältere Menschen, sind die verschlossenen stillen Örtchen ein besonders großes Problem. Sie kommen oft zu Fuß auf den Friedhof. Grabpflege, Totenandacht, all' das braucht seine Zeit. Doch wohin, wenn plötzlich die Blase drückt, einen ein Bedürfnis überkommt? Hildegard Morsch aus Bliesen kämpft seit Jahren für eine Lösung des Problems.

Not macht erfinderisch

Die 69-Jährige ist regelmäßig auf dem Bliesener Friedhof - und immer wieder wird sie von anderen Besuchern angesprochen, die auf der Suche nach einer Toilette sind. "Tut mir leid, die ist zugesperrt, muss ich dann den Leuten immer sagen. Und den wirklich dringenden Fällen zeige ich dann eben eine Stelle, wo man - vor den Blicken anderer geschützt - seine Notdurft verrichten kann", erzählt sie. "Sicher kann ich verstehen, wenn das Wasser aufgrund von Frostgefahr abgestellt werden muss. Aber hier passiert das an einem fixen Termin, ob nun Frost in Aussicht ist oder nicht." Ein weiteres Elend: Sogar an Beerdigungen seien die stillen Örtchen zu. "Das muss man sich mal vorstellen", empört sich Morsch. "Ich meine, für die Männer ist das noch gerade so machbar, die stellen sich dann ins Gebüsch oder an einen Baum. Aber was ist mit den Frauen? Wohin sollen wir?"

Über viele Wege hat die Bliesenerin schon versucht, auf das Problem aufmerksam zu machen. Vergebens. "Ortsrat, Friedhofsamt, sogar beim Bürgermeister war ich schon", erzählt sie. "Aber ich wurde immer nur vertröstet und wieder weggeschickt."

Die Stadt St. Wendel kennt die Situation, doch eine Lösung zu finden, sei schwieriger als so mancher denke. Das Problem seien die Wasserleitungen. Sowohl die Bewässerungsanlagen wie Brunnen als auch die Toiletten seien alle an ein Leitungssystem angeschlossen, heißt es von der Stadtverwaltung. Wenn also das Wasser für den Brunnen abgestellt wird, passiert das gleiche automatisch bei der Toilettenspülung. Der Termin dazu wird von der Stadt festgelegt. Die Sache ist die, dass man nicht einfach sagen kann, morgen gibt's Frost, da stellen wir schnell das Wasser ab", erklärt ein Mitarbeiter der Stadt. "Die Leitungen müssen komplett leerlaufen, das braucht seine vier bis fünf Tage."

Morschs Vorschlag, für diesen Zeitraum mobile Toilettenhäuschen aufzustellen, wurde schon vor längerer Zeit abgelehnt. Begründung: Da müsse es dann auch jemanden geben, der dort regelmäßig sauber macht. Die einzige Möglichkeit, den Lokus auch im Winter offen lassen zu können, wären beheizte Wasserleitungen. Und das müsste dann auf allen Friedhöfen umgesetzt werden. Eine äußerst kostspielige Angelegenheit - zu kostspielig für den Haushalt der Stadt.

Aber Hildegard Morsch ist fest entschlossen. Sie kämpft weiter für eine Lösung des Problems. Nicht nur für sich selbst. "Ich will für die älteren Menschen kämpfen, die es ohnehin schon schwer genug haben", sagt sie. "Wenn die nämlich auf dem Friedhof den weiten Weg zur Toilette laufen und dann vor geschlossenen Türen stehen, das ist in meinen Augen eine echte Zumutung."

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