So trotzt unsere Tierwelt der Kälte

So trotzt unsere Tierwelt der Kälte

Saarbrücken. Tiere trotzen Kälte auf viele Arten: Die einen schützen sich mit einem Fell aus hohlen Haaren. Andere wägen ab, ob sie wertvolle Energie investieren, um an Futter zu kommen, oder lieber fasten. Roman Wüst, Leiter der Naturakademie Saarland, kennt die Tricks der heimischen Wildtiere

Saarbrücken. Tiere trotzen Kälte auf viele Arten: Die einen schützen sich mit einem Fell aus hohlen Haaren. Andere wägen ab, ob sie wertvolle Energie investieren, um an Futter zu kommen, oder lieber fasten. Roman Wüst, Leiter der Naturakademie Saarland, kennt die Tricks der heimischen Wildtiere. Und in Zusammenarbeit mit dem Wildpark Saarbrücken erklärt er diese jungen und älteren Besuchern. So wie am Freitag, als das Leben der Wildtiere im Winter Thema eines speziellen Rundgangs war.So geht es einem Raubvogel nicht unbedingt schlecht, wenn er die Schwingen hängen lässt. "Das Tier genießt so die wärmende Sonne", erklärte der Experte. "Wir wollen hier keine Bambi-Mentalität entstehen lassen", sagte Wüst, als er am Steinwild-Gehege die Merkmale der Paarhufer erklärte. Wichtiger sei es ihm, Menschen das Wilde am Waldleben nahe zu bringen. Auch wenn dieses Leben hart, ja brutal ist.

Der Wald sei nun einmal nicht nur Naherholungsgebiet, sondern vor allem auch Lebensraum für Tiere. Ihnen machen im Winter Kälte und das karge Futterangebot so zu schaffen, dass sie sparsam mit den Energiereserven umgehen müssen. "Werden die Tiere aber dauernd durch Bölller oder anderen Lärm aufgescheucht, dann sind sie ständig in Panik und auf der Flucht", sagte Wüst. So würden wichtige Kraftreserven wegen der Unvernunft der Waldbesucher vergeudet.

Seinen staunenden Begleitern demonstrierte er außerdem unter anderem, dass Wildschweine auch eine tote Ratte nicht verschmähen. Im Gegenteil: Das ranghöchste Tier, eine Bache, meldete sofort Ansprüche auf den Nager an, den sie Sekunden später schmatzend verschlang.

Überhaupt ging es den Tieren an diesem Tag richtig gut. Wüst stellte immer wieder eimerweise Futter bereit, das vor allem die Kinder gern in die Gehege warfen. Und Wüst schärfte den Blick seiner Gäste für das Geschehen im Wald: "Bei den Tieren führen Weibchen viele Sozialgemeinschaften an. Einige Arten akzeptieren zudem nur eine Anführerin, die ein Junges führt. Wenn das bei unseren Politikern so wäre, würden sicherlich viele Entscheidungen anders getroffen."

Den Höhepunkt des Rundgangs bildete der Besuch im Luchsgehege. Wüst warnte: "Auch wenn sie sich manchmal wie Katzen verhalten: Dies sind Wildtiere, die einem richtig weh tun können." Zur Demonstration ließ er sich vom männlichen Tier, dem Kuder, ein totes Junghuhn aus der Hand reißen.

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