Muslimische Gemeinde hilft beim Großreinemachen nach der Party

Muslimische Gemeinde hilft beim Großreinemachen nach der Party

Saarbrücken. Die Spuren der Partynacht sind nicht zu übersehen: Scherben, Raketen- und Böllerreste bedecken Bürgersteige, Fahrbahnen und große Plätze der Stadt. Die Leute von der Stadtreinigung kämpfen sich mit ihren Besen durch den Dreck. Die Männer in Orange mühen sich damit nicht allein ab

Saarbrücken. Die Spuren der Partynacht sind nicht zu übersehen: Scherben, Raketen- und Böllerreste bedecken Bürgersteige, Fahrbahnen und große Plätze der Stadt. Die Leute von der Stadtreinigung kämpfen sich mit ihren Besen durch den Dreck. Die Männer in Orange mühen sich damit nicht allein ab. Mitglieder der muslimischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamat treffen sich seit Jahren am Neujahrsmorgen um acht Uhr an der Alten Brücke zum Putzen. Diese Muslime beteiligen sich an der bundesweiten Aktion ihres Dachverbandes.Der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) findet das so gut, dass er die Aktion unterstützt. Er stattet die fleißigen Helfer mit Zangen, Mülltüten, Schaufeln und Besen aus. Und er transportiert die Müllsäcke auf einem Lastwagen ab.

Bis zehn Uhr haben die freiwilligen Helfer von der muslimischen Gemeinde schon eine beachtliche Menge Müll beisammen. Und ihnen ist wichtig, die seit acht Jahren gepflegte Tradition fortzusetzen. "Wir Muslime wollen zeigen, dass wir uns auch im neuen Jahr für die Stadt Saarbrücken und ihre Bürger einsetzen", sagt der Sprecher der Initiative, Ataullah Mutee.

Um das zu tun, haben die Muslime ihre eigene Neujahrsfeier aber nicht etwa ausfallen lassen. Die Mitglieder der Gemeinde hätten auch Feuerwerk abgebrannt und seien spät ins Bett gekommen. Trotzdem seien sie am Morgen diszipliniert zum Saubermachen da gewesen, sagt Mutee stolz. Während die Muslime ihr Einsatzgebiet rund um die Alte Brücke besenrein machen, putzen Kolonnen des ZKE in der ganzen Innenstadt mit Kehrmaschinen und viel Handarbeit. "In Rillen, Ecken und Grünanlagen kann man die Maschinen nicht einsetzen", sagt Roger Walther von der ZKE. Gerade rund ums Schloss sehe es stets übel aus. Den Schlossgarten nutzten Hunderte als Aussichtsterrasse für das Silvesterfeuerwerk. Dort oben sammelt ein Privatunternehmen den Müll ein, was auf der Wiese und den geschotterten Wegen besonders viel Arbeit macht, denn mit Kehren allein ist es nicht getan.

Bis zum Mittag sind die schlimmsten Spuren der Nacht verschwunden. Aber das Aufräumen geht noch an vielen Stellen weiter. Pfandflaschensammler tragen ihre Funde in großen Säcken weg und machen den besten Schnitt des Jahres gleich am allerersten Tag. Und noch zwei "Recyclinggruppen" sind unterwegs: die Stöckchensammler, die diese Raketenteile fürs Modellbauen brauchen. Und die Blindgänger-Jäger, die es auf die gefährlichen, weil nicht explodierten Knaller abgesehen haben.

Das hat am Neujahrsmorgen schon Tradition: Mitglieder einer muslimischen Gemeinde sammeln Müll auf der Alten Brücke. Foto: becker&bredel.

Die Müllprofis stört das wenig, denn was gesammelt wird, brauchen sie nicht mehr aufzuheben.

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