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Deutsch-französische Partnerschaft im Gesundheitsbereich
Wenn zum Überleben jede Minute zählt

Um bei einem Herzinfarkt die Chancen des Patienten, ohne erhebliche Folgeschäden zu überleben, zu steigern, arbeiten Mediziner und Rettungsdienste aus Völklingen und Forbach Hand in Hand.
Um bei einem Herzinfarkt die Chancen des Patienten, ohne erhebliche Folgeschäden zu überleben, zu steigern, arbeiten Mediziner und Rettungsdienste aus Völklingen und Forbach Hand in Hand. FOTO: picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini
Völklingen. Fast 300 Menschen haben von der Kooperation zwischen Völklingen und Forbach im Bereich Kardiologie profitiert. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Wenn das Herz versagt, zählt jede Minute, um den Patienten zu retten. 40 Minuten dauert ungefähr die Fahrt von Forbach nach Metz. Nach Völklingen ist es nur knapp die Hälfte der Zeit. Beim dortigen Herzzentrum der SHG-Kliniken werden neben Saarländern auch Notpatienten aus 27 lothringischen Kommunen im Bereich Kardiologie behandelt. Möglich macht es ein grenzüberschreitendes Abkommen, dessen fünfter Jahrestag gestern in Völklingen gefeiert wurde. Und der Austausch läuft nicht nur in einer Richtung. Während Franzosen im Herzzentrum notversorgt werden, übernehmen Völklinger Mediziner monatlich sieben Dienste in der Forbacher Kardiologie, um dortige Personalengpässe abzufedern und so einen weiteren Beitrag zur kardiologischen Versorgung im lothringischen Kohlebecken zu leisten.


Fast 300 Kranken haben seit Beginn der Kooperation davon profitiert. „Ein echter Erfolg, der zu einem der sieben grenzüberschreitenden Best-Practice-Projekten im Gesundheitsbereich innerhalb der EU ausgeführt wurde“, freute sich bei der Feierstunde Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU). Daran dass das heutige Leuchtturmprojekt kein Selbstläufer war, erinnert sie sich heute noch. „Wir mussten nicht nur sprachliche, sondern auch rechtliche und bürokratische Hürden überwinden.“ 2002 äußerten zum ersten Mal Ärzte aus Völklingen und Forbach den Wunsch enger zusammenzuarbeiten. „Zu Beginn dieser Überlegung lagen ernüchternde Fakten vor“, erinnerte sich am Freitag Isabelle Cailler, Direktorin der Krankenhäuser in Forbach und St. Avold. „Ob Fettleibigkeit, Diabetes, Erkrankung der Atemwege oder Tabakkonsum: In jedem dieser Bereiche, die zu den Ursachen von Herzinfarkten zählen, lagen die Zahlen der Betroffenen für Lothringen höher als der nationale Durchschnitt. Außerdem hatten wir große Schwierigkeiten, medizinisches Personal in unserer Region zu locken. Mit ähnlichen Problemen waren auch unsere saarländische Kollegen konfrontiert.“ 2005 wurden auf nationaler Ebene in beiden Ländern die rechtlichen Grundlagen für eine solche Partnerschaft über die Grenzen hinweg geschaffen. Erst 2013 kam der Kooperationsvertrag tatsächlich zustande.

Doch für die Patienten, die davon profitiert haben, hat sich der mühsame Weg, um diese Initiative umzusetzen, gelohnt. Die Überlebenschancen dieser Menschen konnten auf 93 Prozent verbessert werden. Die Patientenzufriedenheit liegt bei über 90 Prozent. Jetzt steht in Sachen grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung der nächste Schritt an. Und er lässt auf sich warten. Seit 2015 wird über das Konzept einer gemeinsamen Gesundheitszone verhandelt. Im Grunde handelt es sich dabei, um ein ähnliches Modell wie die Kooperation zwischen den SHG Kliniken und dem Forbacher Krankenhaus, das aber über die kardiologische Notversorgung hinaus geht, zum Beispiel im Bereich Rehabilitation oder Nuklearmedizin. „Wir wollen das Vorhaben energisch vorantreiben“, versprach gestern Ministerin Bachmann. Auch die Vertreterin der französischen Gesundheitsbehörde ARS zeigte sich zuversichtlich, dass man bald zu einem Abschluss kommt. Angedacht ist das Frühjahr 2019.



Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU)
Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) FOTO: dpa / Oliver Dietze