1. Saarland

Beschwerdeflut wegen Lkw-LärmAlles eine Frage der Reglementierung

Beschwerdeflut wegen Lkw-LärmAlles eine Frage der Reglementierung

Sötern. Die Zahlen gehen - wie auch die Meinungen - weit auseinander. Anwohner der Waldbach sprechen von 200, die Geschäftsführer der Firma Gihl von nicht einmal 100. Die Rede ist von Lkw, die täglich das Betriebsgelände in der Siedlung Waldbach befahren oder verlassen. Etwa 100, das erklärt Marina Salamon, seien es schon immer gewesen

Sötern. Die Zahlen gehen - wie auch die Meinungen - weit auseinander. Anwohner der Waldbach sprechen von 200, die Geschäftsführer der Firma Gihl von nicht einmal 100. Die Rede ist von Lkw, die täglich das Betriebsgelände in der Siedlung Waldbach befahren oder verlassen. Etwa 100, das erklärt Marina Salamon, seien es schon immer gewesen. Zu diesen 100 kämen nun noch 100 Laster hinzu, die "den Ton aus der Grube Waldbach in die Grube nach Ellweiler abtransportieren sollen, weil in der Tongrube auf der Waldbach sonst nicht genügend Platz für die Einlagerung des Asbestes bleibt." Dem widerspricht Martin Gihl, genau wie seine Eltern Getrud und Hermann, Geschäftsführer des Unternehmens. Zwar sei richtig, dass derzeit Ton in Sötern abgebaut und nach Ellweiler im Landkreis Birkenfeld gebracht wird, wo die Gihls Anfang des Jahres das Feldspatwerk gekauft haben. "Der Ton wird dort gelagert, aufgearbeitet und als Abdichtung genutzt", sagt Martin Gihl. Richtig sei demzufolge auch, dass derzeit viele Lkw die Waldbach durchqueren. Aber: "Die Italiener, die bis August noch Abfall anlieferten, kommen nicht mehr." Das bedeute, dass derzeit "weniger als 100 Lkw am Tag" die Waldbach passierten. Dennoch räumt Gihl ein, dass die Bewohner - wegen des Aufbaus in Ellweiler - eine höhere Belastung zu ertragen hätten, als das ohne den Neuaufbau im Nachbar-Bundesland der Fall wäre. "Aber ein Ende ist absehbar, bis Weihnachten werden wir fertig sein." Und dann, so Gihl weiter, "sind die Bürger hier entlastet". Schließlich werde dann ein Teil des Bauschutts nach Ellweiler gebracht. Die Anwohner bemängeln allerdings nicht nur die Menge der Lkw, sondern auch die Zeiten. Die Salomons sprechen von Tagen, an denen schon gegen fünf Uhr erste Laster das Gelände befahren. Auch das bestreiten die Gihls. "Wer soll denn hier schon um fünf Uhr anliefern, wenn alle Tore zu sind?", fragt Gertrud Gihl. Schließlich öffne der Betrieb erst um 7.30 Uhr. Unterschiedlicher Auffassung sind die beiden Parteien auch in einem anderen Punkt: dem Stand der Dinge bei einer möglichen Entlastungs-Zufahrt (wir berichteten). Die Bewohner gehen davon aus, dass die Firma Gihl das Vorhaben nicht mehr weiterverfolgt. Martin Gihl hingegen bittet um Geduld: "Das geht nicht von heute auf morgen." Schließlich gehe es nicht nur um eine halbe Million Euro, es müssten vielmehr auch die Interessen von Naturschutz und Bahn berücksichtigt werden. Daher sagt Martin Gihl: "Die Möglichkeit einer neuen Straße besteht weiter."Anwohner sind skeptisch. Unter ihnen zeichnet sich eine Mehrheit ab, die sich gegen jeden weiteren Unternehmensausbau in der Waldbach ausspricht. Und auch Hermann Gihl ärgert sich: "Jeder ist froh, wenn alle 14 Tage die Mülltonne abgeholt wird; und der Müll muss doch irgendwo hin." Beide Seiten wünschen sich mehr Kommunikation. Die Bewohner fühlen sich über Aktionen, wie jetzt die verstärkte Verkehr in Richtung Ellweiler, nicht richtig informiert. Die Gihls hingegen fordern, dass sich die Anwohner, die ein Problem haben, direkt mit ihnen in Verbindung setzen. Laut Familie Salomon sei das jedoch kaum möglich: "Martin Gihl, selbst ernannter Ansprechpartner, ist für uns nicht erreichbar."Mittlerweile soll es bereits zu Handgreiflichkeiten zwischen einem Anwohner und dem Firmenbetreiber gekommen sein. Gegenseitig beschuldigen sie sich, angegriffen worden zu sein. Die Polizei bestätigt eine Anzeige und verweist auf ein laufendes Verfahren. Die Sache liege jetzt bei der Staatsanwaltschaft. Wobei ein Anwalt des Unternehmens bekräftigt, der Vorfall habe nichts mit dem Betrieb und der laufenden Auseinandersetzung mit den Anwohnern zu tun. Sötern. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) hat sich auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung zu den Vorwürfen der Anwohner geäußert. Hier die Stellungnahme im Wortlaut: "Da das in Waldbach zwischengelagerte Tongestein für den Bau der Basisabdichtung und später für den Bau der Oberflächenabdichtung der neuen Erdmassen- und Bauschuttdeponie benötigt wird, muss das Tongestein von Sötern nach Ellweiler transportiert werden. Auf Grund dieser Transporte ist kurzfristig mit erhöhtem Lkw-Verkehr zu rechnen. Inwieweit entsprechende Lärmpegelmessungen gemäß der Verkehrslärmschutzverordnung" durchgeführt wurden, ist dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz nicht bekannt. Nach Beendigung des Transportes wird die Firma Gihl im Frühjahr 2011 den letzten Deponieabschnitt (Fertigstellung der Basisabdichtung) in Sötern realisieren.Um die Orte Waldbach und Sötern durch den Lkw-Verkehr zu entlasten, wurde der Bau einer Ausweich-Zufahrt vom Betriebsgelände der Firma Gihl als separate Zufahrtsstraße in Erwägung gezogen. Ein Gutachten über diese geplante Ausweich-Zufahrt liegt dem LUA nicht vor. Zu dieser Thematik fand eine Besprechung (Runder Tisch) im Ministerium fürUmwelt, Energie und Verkehr mit Vertretern des MUEV, des LUA, Gemeindevertreternsowie der Firma Gihl statt. Weitere Informationen sind beim MUEV zu erfragen.Bezüglich der angesprochenen Anlagengeräusche der Recyclingdeponie wurde durch ein im Mai 2010 erstelltes TÜV-Gutachten festgestellt, dass die vorgeschriebenen Lärmgrenzen eingehalten werden. Dieses Gutachten kann im LUA eingesehen werden.Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz überwacht im Rahmen der geltendenGesetze den anlagenbedingten Deponie-Verkehr der Firma Gihl unter Einhaltung der entsprechenden Auflagen, welche insbesondere auch im Rahmendes Nachbarschaftsschutzes reglementiert sind. Bei Verstößen wird seitens des LUA selbstverständlich gehandelt. Reglementierungen sind so gefasst, dass der im Wesentlichen ordnungsgemäß geführte Betrieb auch weiterhin handlungsfähig bleiben kann." himMeinung

Kommunikation Fehlanzeige

Von SZ-RedakteurinMelanie Mai "Redet miteinander". Diesen Rat gab mir mein Vater vor meiner Hochzeit. Und diesen Rat sollten sowohl Anwohner als auch Firmen-Vertreter verinnerlichen. Die Situation ist verfahren, die Fronten sind verhärtet. Da traut keiner mehr der jeweiligen Gegenseite über den Weg. Skepsis, Angst und vielleicht sogar Hass bestimmen das Verhalten. So können die Probleme nicht gelöst werden. Vielmehr sollten beide Parteien mehr miteinander reden als je zuvor. Transparenz schafft Vertrauen, und Vertrauen schafft Transparenz. Der runde Tisch vor einigen Monaten war ein guter Anfang. Danach hatten sowohl Anwohner als auch Firmenbetreiber ein etwas besseres Gefühl. Die runden Tische, vielleicht von unabhängiger Stelle organisiert, sollten regelmäßig stattfinden - und so Klarheit schaffen. Schließlich müssen beide Seiten noch eine Weile miteinander leben.