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Strassennamen: Wo Wacken unter der Straße liegen

Strassennamen : Wo Wacken unter der Straße liegen

Der Felsenkeller am Himmelsberg birgt ein Geheimnis unter der Stadt. Die Wackenstraße ist ebenfalls eine Geschichte für sich.

Der Wacken ist für viele Musik-, vor allem Hard-Rock- und Heavy-Metal-Fans, der Inbegriff des Open-Air-Festivals. Das Wacken-Open-Air ist ein erstmals 1990 abgehaltenes Heavy-Metal-Festival, das jährlich am ersten Augustwochenende in der Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein stattfindet. Nahezu alle Spielarten des Hard-Rock und Metal sind auf dem Festival vertreten. Mittlerweile ist es eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt und eines der größten Open-Air-Festivals Deutschlands. In den Jahren 2011 bis 2015 lag die Teilnehmerzahl jeweils bei rund 85 000 Menschen, davon 75 000 zahlende Besucher. 2017 fand das Festival vom 3. bis 5. August statt. Schon jetzt sind 25 000 Tickets für 2018 vergeben. Wacken sind aber auch umgangssprachlich große Steine oder Felsen. Diese Bedeutung spiegelt sich in den Zweibrücker Straßennamen „Wackenstraße“, „Wackenpfad“ und „Am Wackenpfad“ wider. Die Wackenstraße verläuft auf 366 Metern von der Maxstraße bis zur Heroldstraße und endet sozusagen am Bahneinschnitt. Parallel verläuft die Himmelsbergstraße.  In Zweibrücken bezeichnet man das Wohngebiet dort ringsum als „Auf den Wacken“. Und tatsächlich steht dort einiges auf Wacken, sprich Sandsteinformationen.

Die Stadt schreibt dazu auf ihrer Website Folgendes: Als 1944 der Zweibrücker Stadtbaumeister Gustav Groß bei der Suche nach geeigneten Luftschutzräumen auf dem Himmelsberg auf einen alten Eingang des Himmelsberg­kellers stieß, traute er seinen Augen kaum. Im Untergrund befand sich, unter einer sieben bis elf Metern dicken Felsdecke, eine riesige, in den Sandstein gehauene, Kelleranlage, die bisher niemand in Zweibrücken kannte. Obwohl Felsenkeller in Zweibrücken nichts besonderes sind, sie finden sich vielfach in den Hängen des Kreuz- und Himmelsberges und dienten der Hochwasser geplagten Stadtbevölkerung als Vorratsräume und den zahlreichen Brauereien im 18. und 19. Jahrhundert als Eiskeller, so überraschte hier die Größe. Wie konnten Keller mit einer Gesamtfläche von rund 2360 Quadratmetern, die stollenförmig in den Fels gehauen waren, so dass 28 Einzelräume mit teilweise über 100 Quadratmetern Fläche entstanden waren, völlig in Vergessenheit geraten sein? Nicht einmal Zweibrückens berühmter Geschichtsschreiber Ludwig Molitor, der sich 1879 in seinem Buch „Zweibrücken, Burg und Stadt ...“ intensiv mit der Anlage der Stadt und ihrer Befestigungsanlagen beschäftigt hatte und der mit seiner „Geschichte einer deutschen Fürstenstadt“ die detaillierteste Geschichte von Zweibrücken verfasste, erwähnt diese Keller.

Da bisher in keinen Archiven Quellen zum Himmelsbergkeller gefunden wurden, kann über die Entstehungszeit und die bauzeitliche Nutzung nur spekuliert werden. Hier wären umfassende Forschungsarbeiten von Nöten, die bisher noch nicht geleistet wurden. Vielleicht finden sich in französischen Archiven Hinweise zur These, dass die Keller unter Vauban in der so genannten Réunionszeit angelegt wurden.

Die Größe der Anlage, vor allem die ungewöhnliche Höhe der Stollen, lässt auf eine hervorragende Organisation beim Bau und eine militärische Nutzung schließen. Wenn die Arbeiten in den 1680er Jahren durch die Franzosen ausgeführt wurden, ließe sich zumindest teilweise die Geheimhaltung in einer ohnehin fast entvölkerten Region erklären. Aus Sicherheitsgründen ist die Anlage leider nicht zu besichtigen.