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Weiß gekleidet dem Fußballgott huldigen

Weiß gekleidet dem Fußballgott huldigen

Haufenweise wurden sie gestern an der Copacabana gesichtet: Menschen in weißen Trikots, die sich in die Fluten des Meeres stürzten. Bei den extra aus dem Heimatland angereisten Anhängern der deutschen Mannschaft hatte sich herumgesprochen, dass hier in Rio zum Jahreswechsel ein Ritual vollzogen wird, das Glück bringen soll.



Eigentlich stehen die Rituale an Silvester unter dem Einfluss der afro-brasilianischen Religionen Umbanda und Candomblé. Heute werden diese Traditionen von allen Brasilianern gleich welcher Religion gefeiert. In weiß gekleidete Menschenmassen strömen weit vor Mitternacht zum Strand, um Iemanjá, die Göttin des Meeres zu ehren.

Auch die Fans der deutschen Mannschaft haben ein tiefes Anliegen. Es ist der Glaube an den Fußballgott, diese höhere Instanz auf metaphysischer Ebene, der sie in das kühle Nass treibt. Während die Oberbekleidung in weiß Friede, Reinheit und Unschuld symbolisiert, sollte auch die Unterwäsche mit Bedacht gewählt werden. Es wird gemunkelt, dass in den Bekleidungsgeschäften in Rio kurz vorm Start des Spiels keine roten Unterhosen mehr zu bekommen waren. Denn rot steht für die Liebe - die Liebe zum Fußball. Drei oder sieben Mal muss man so farblich ausgestattet über die Wellen springen. Einige haben es danach auch noch zum Spiel geschafft.

Sabrina Gab, 35, geboren und aufgewachsen in Zweibrücken, reiste ein Jahr um die Welt, bevor sie Rio de Janeiro als neues Zuhause wählte. Dort lebt und arbeitet die ausgebildete Journalistin und Yogalehrerin seit zwei Jahren mit ihrem Partner und dem gemeinsamen Sohn Noah.