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Unmut bei Beschäftigten des Nardini-Klinikums

Unmut bei Beschäftigten des Nardini-Klinikums

Am Nardini-Klinikum Zweibrücken hängt offenbar der Haussegen schief: Mitarbeiter üben heftige Kritik an der Arbeitsbelastung. Steigende Fallzahlen seit der Innere-Chefärzte-Verdreifachung seien vom Pflegepersonal kaum mehr zu bewältigen. Die Krankenhaus-Leitung weist die Vorwürfe weitgehend zurück, bestätigt aber Mehrarbeit und stellt mehr Personal ein.

Drückten in den vergangenen Monaten Personalabbau und Einsparungen am Evangelischen Krankenhaus auf die Stimmung, so dringt jetzt auch am Zweibrücker Nardini-Klinikum Missmut nach außen. Nach Merkur-Informationen ist die Stimmung schon seit einiger Zeit schlecht. Mitarbeiter berichten von "unmöglichen" und "unhaltbaren" Arbeitsbedingungen, die am Nardini vor allem seit der Verdreifachung der Chefarzt-Stellen in der Inneren Medizin durch den Wechsel von Dr. Peter Schiedermaier und Dr. Matthias Stopp vom Evangelischen Krankenhaus herrschten. So leisteten Pflege- und Verwaltungspersonal 12- bis 14-Stunden-Schichten am Tag, es gebe erste Ausfälle wegen Burnout. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis durch diese "Massenabfertigung die ersten medizinischen Unfälle passieren". Kritik gibt es auch am Umgang mit Problemen von Patienten und Belegschaft. Diese würden ignoriert. Patientenklagen über "unendlich lange Wartezeiten bei der Aufnahme und Notfallzentrale" würden ebenso ignoriert wie solche an der Überbelegung der Krankenzimmer und tagelanger telefonischer Nicht-Erreichbarkeit einiger Abteilungen. Einige Mitarbeiter vergleichen das Krankenhaus mit einer "Sklavengaleere".

Der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV), Karl Thoma, äußert sich zurückhaltend zu den Beschreibungen. Ihm stehe es nicht zu, die interne Situation öffentlich zu kommentieren oder zu kritisieren. Die MAV kirchlicher Einrichtungen besäßen schwächere Rechte als üblicherweise Personal- und Betriebsräte, das System sei auf Konsens und Dialog ausgelegt. Thoma verwies für weitere Aussagen auf die Nardini-Geschäftsführung.

Pflegedirektor und Pressesprecher Thomas Frank wollte sich gestern "zu anonymen Einzelmeinungen, die die Persönlichkeitsrechte von Mitarbeitern unseres Klinikums verletzen und eindeutig falsch sind", nicht äußern. Eine "grundlegende negative Grundstimmung" könne man nicht bestätigen. Auch sei der Kostendruck "definitiv nicht auf die Verpflichtung von Dr. Schiedermaier und Dr. Stopp zurückzuführen". In Rheinland-Pfalz rechneten über 70 Prozent der Häuser mit einem Defizit oder lediglich einem Jahresergebnis von unter einem Prozent. Weil der Landesbasisfallwert in den kommenden fünf Jahren sinke, erhielten die Kliniken weniger für erbrachte Leistungen.

Frank verwies auf eine "sehr geringe Mitarbeiterfluktuation" und darauf, dass man "derzeit zahlreiche Bewerbungen von Interessierten aus anderen Kliniken " erhalte, "die im Nardini-Klinikum eine langfristige Perspektive suchen". Frank: "Sollte es im Einzelfall zu Beschwerden von Patienten oder Mitarbeiter kommen, werden diese im Rahmen unseres strukturierten Beschwerdemanagements von den jeweiligen Verantwortlichen umgehend geklärt." Auch habe in den letzten Monaten in allen Krankenhäusern der Region "eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Patienten mit infektiösen Erkrankungen" behandelt werden müssen (wir berichteten). Das habe alle Einrichtungen an "die Grenze der Belastbarkeit geführt". Diese Aufgabe habe die Belegschaft mit "außergewöhnlichem Engagement" gemeistert. "Die Verantwortlichen des Nardini-Klinikums weisen entschieden alle Versuche zurück, dieser Leistungsbereitschaft nunmehr durch unangebrachte anonyme Äußerungen den geschuldeten Respekt abzuerkennen", so Frank. Weiter erläuterte er, dass das Nardini-Klinikum in den vergangenen Monaten strategische Maßnahmen umgesetzt habe, um die beiden Standorte mit rund 1100 Beschäftigen nachhaltig zu sichern. Diese trügen die Mitarbeiter mit. Es werde gespart, dazu einiges für die Patienten attraktiver gemacht. Durch den Ausbau der Gefäßmedizin, die Zertifizierung zum Endoprothesenzentrum, die Palliativmedizin, die Neuorganisation der Inneren Medizin und die Anerkennung als Diabetologisches Zentrum habe man die Fallzahlen stark erhöht. Frank: "Das erweiterte Angebot im Nardini-Klinikum wird über die Erwartungen hinaus sehr gut von den Patienten angenommen, was zu einer sehr positiven Leistungsentwicklung in nahezu allen Fachbereichen geführt hat."

Auch habe man "frühzeitig bauliche Veränderungen durchgeführt und die Organisation der Abteilungen angepasst", um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Es seien "mehrere Millionen Euro aus Eigenmitteln unserer Klinik" eingesetzt worden. Das Krankenhaus habe außerdem die Stellenpläne erweitert, es gebe Neueinstellungen "in der direkten Patientenversorgung , auch im Pflege- und Funktionsdienst", so der Pflegedirektor. Steigende Patientenzahlen bedingten größere Behandlungs- und Versorgungskapazitäten. "Das steht völlig außer Frage", so Frank.Die Mitarbeitervertretung (MAV) des Nardini-Klinikums plant weitere Protest-Aktionen vor dem Hintergrund der Krankenhausreform 2015. Hintergrund ist die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach einer gesetzlichen Personalbemessung; Verdi sieht die Patientenversorgung vieler Krankenhäuser beispielsweise im Pflegebereich gefährdet, weil zu nachts zu wenig Personal im Einsatz ist.

162 000 Beschäftigte fehlen laut Verdi in den Krankenhäusern, über 70 000 in der Pflege. Am "Internationalen Tag der Pflege", Dienstag, 12. Mai, wolle man eine "unterstützende Aktion" durchführen, erklärt der MAV-Vorsitzende Karl Thoma dem Merkur. Wie diese genau aussieht, sei noch unklar. Es könne laut Thoma etwa sein, dass Mitarbeiter Buttons trügen, um so die Solidarität mit Verdi zu bezeugen.

Außerdem sei am Mittwoch, 24. Juni in der Nähe der Nardini-Krankenhäuser ein Protest vorgesehen. Mitte März hatte man vor den Klinik-Eingängen in Zweibrücken und Landstuhl bei einer "aktiven Mittagspause" Infostände aufgebaut, mit Pfeifen getrillert. Diesmal sollen bekannte Politiker Ansprachen halten. Thoma berichtet, er habe die Zusage der Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner (SPD ), auch Anita Schäfer sei angefragt, so Thoma. Die CDU-Politikerin vertritt den Wahlkreis Pirmasens/Zweibrücken im Bundestag. Auch Xaver Jung (CDU ), den Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis Kaiserslautern, frage er an. Der 24. Juni sei deshalb für die Aktion ausgewählt worden, weil sich dann und am Folgetag die Gesundheitsminister der Länder in Bad Dürkheim treffen, um über die von Verdi geforderte gesetzliche Personalbemessung zu diskutieren.

Um 13 Uhr sollen bundesweit für zehn Minuten möglichst viele Nummernkarten zum Protest in die Höhe gehalten werden. 162 000 wurden insgesamt an den deutschen Kliniken ausgegeben. Auf die Nardini-Mitarbeiter entfallen die Nummern 158 985 bis 159 155, so MAV-Vorsitzender Thoma.