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Planungen im Mörsbacher Arche-Dorf kommen voran, doch es gibt Unabwägbarkeiten

Initiatoren treten GEH bei : Mörsbacher Arche-Dorf kommt voran

Das Projekt macht Fortschritte – wann es finalisiert werden kann, hängt aber von vielen Faktoren ab. Für die Idee der „Esel-Taxis“ erhielt Mörsbachs Ortsvorsteherin Morddrohungen.

Die Planung für das „Arche-Dorf“ im Zweibrücker Stadtteil Mörsbach erklimmt bald die nächste Stufe. Wann genau das Projekt, das die Haltung vom Aussterben bedrohter Tierarten voraussetzt,  an den Start geht, lässt sich aber noch nicht mit Gewissheit sagen. Im Gegenteil: Im Februar wolle man der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) beitreten, frühestens sechs Monate  danach könne Mörsbach dann der Titel „Arche-Dorf“ verliehen werden, erklärt Ortsvorsteherin Susanne Murer. Bis die zustimmungspflichtige GEH geprüft habe, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, könne es aber auch bis zu drei Jahre dauern. Ein Problem ist das für Murer nicht: „Wir wollen das auf alle Fälle machen. Wie lange es dauert, liegt nicht in unserer Macht, aber wir haben die Zeit.“

Verzögerungen ergeben sich auch aus einem anderen Umstand. Zwar züchten die an dem Projekt beteiligten Höfe und Privatpersonen selbst schon bedrohte Tiere, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Weitere dieser Exemplare zu erwerben, ist aber ein langwieriger Prozess. „Wenn es deutschlandweit nur noch wenige Tiere einer Art gibt, kann man sie nicht einfach kaufen. Man muss die Geduld haben, darauf zu warten, dass neue geboren werden. Und auch dann wird man zunächst auf eine Warteliste gesetzt“, erläutert Murer. Die Infrastruktur bereitzustellen, zum Beispiel die nötigen Ställe zu errichten, sei hingegen nicht das Problem.

Im Hinblick auf andere Hindernisse ist das Projekt schon weiter vorangekommen. Vier Höfe müssten sich beteiligen, damit das Arche-Dorf realisiert werden kann, hieß es Anfang 2018. Damals waren aber nur der Bannsteinhof und der Hof von Murer selbst an Bord. Mittlerweile „sind wir voll besetzt“, sagt die Ortsvorsteherin, die die Namen der anderen Höfe gestern ohne Absprache mit den Beteiligten nicht nennen wollte.

Das Arche-Dorf in Mörsbach soll eine Attraktion für Einwohner und Auswärtige werden. Konkrete Ziele, was den Besucherzuspruch angeht, habe man sich bis jetzt aber nicht gesetzt, sagt Murer. Sie habe allerdings mit  Hans-Jürgen Hesse, dem Gründer des ersten Arche-Dorfes bei Salzgitter geredet. Dieser habe berichtet, dass in den ersten drei Jahren nach der Gründung 2009 rund 5000 Besucher gekommen seien. Das stimme sie optimistisch, dass auch das geplante Dorf in Mörsbach zügig angenommen werde, erklärt Murer.

Die Ortsvorsteherin will auch an der Idee festhalten, dass Besucher auf einem von Eseln gezogenen Gespann durch den Ort gefahren werden. Auch wenn das bundesweit für Schlagzeilen – und mitunter bösartige Reaktionen gesorgt hatte. Vielleicht auch deshalb, weil die Idee – zu Beginn auch von Murer selbst – als „Esel-Taxi“ bezeichnet worden war. Mittlerweile seien die Beleidigungen gegen ihre Person zwar abgeebbt, berichtet Murer. Auf dem  Höhepunkt der Hasstiraden habe sie aber sogar zwei Morddrohungen erhalten. „Angst hatte ich nicht. Aber ich war erschüttert und entsetzt“, so die Ortsvorsteherin, die sagt, dass die Esel nur innerhalb des Ortes als eine Form des „therapeutischen Reitens“ eingesetzt werden sollen. Im Hinblick auf die Drohungen ergänzt sie: „Ich habe kein Problem damit, dass jemand Unmut äußert. Ich habe auch kein Problem damit, dass jemand sagt, er hält die Idee für Schwachsinn. Aber es hat mich erschreckt, wie tief Menschen sinken können. Welcher Aufwand betrieben wurde, um meine private E-Mail-Adresse herauszufinden und mir diese Drohungen zu schicken.“ Von der Polizei habe sie sich deswegen beraten lassen, einschüchtern lassen will sie sich aber nicht. Und vielleicht ist es ja sogar ein gutes Zeichen, dass das Arche-Dorf in Mörsbach auch den primitivsten Widrigkeiten zu trotzen scheint.