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Nach Digitalpakt Schule braucht Zweibrücken Breitband für WLan-Unterricht

Digitaler Unterricht in Zweibrücken : WLan für Schüler nur theoretisch nutzbar?

Dank Digitalpakt Schule werden alle Zweibrücker Schulen intern aufgerüstet, um Unterricht auch mit Tablets und Laptops zu ermöglichen. Doch weil nicht alle Schulen an schnelle Internet-Breitbandkabel angeschlossen sind, drohen Probleme, darüber stabile WLan-Verbindungen herzustellen. Grund sind unterschiedliche Fördertöpfe. Der Stadtrat drängt auf eine schnelle Problemlösung.

Auch wenn durch den „Digitalpakt Schule“ in Zweibrücken bereits früh sowohl für Lehrkräfte als auch erste Schüler/-innen Leih-Laptops und -Tablets gekauft wurden, geht die flächendeckende Ausstattung mit WLan eher schleppend voran. Bisher wurden drei der 14 Schulen in Zweibrücken „mit neuster interner Netzwerkinfrastruktur ausgestattet“ (siehe Info-Box), bestätigt Schuldezernentin Christina Rauch (CDU) auf Merkur-Anfrage. Doch selbst wenn innerhalb der Schulen die Voraussetzung für flächendeckendes WLan geschaffen ist – bei der Nutzbarkeit für alle Schüler hapert es. Denn die Internet-Bandbreite des Hausanschlusses (über den das drahtlose WLan verbreitet wird) vieler Zweibrücker Schulen kommt da nicht mit.

Das wurde durch einen SPD-Antrag in der jüngsten Stadtratssitzung und folgende Merkur-Recherchen bekannt. Ob und wie ein stabiler drahtloser Internetzugang für alle Schulen nun trotzdem realisiert werden kann, ist Ziel des Prüfantrags der SPD. Diesen hat der Stadtrat zur detaillierteren Beratung in den Schulträgerausschuss verwiesen. Dagegen stimmte nur Bürgernah-Fraktionschef Dirk Schneider, dem das Thema so eilig war, dass er einen sofortigen Beschluss gewünscht hätte.

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung weit vorangebracht. Schüler bringen oft ihre eigenen Geräte mit. Und der Unterricht sei schon auf die Digitalisierung eingestellt, so die stellvertretende SPD-RatsfraktionsvorsitzendeTheresa Wendel. Nun fehle nun fehlt nur noch der drahtlose Internetzugang. In dem SPD-Antrag heißt es, dass dieser „dringend zeitnah benötigt“ wird, weil er „mittlerweile Voraussetzung für einen modernen Unterricht ist“.

Doch die Bandbreite reicht dafür nicht aus. Wendel ist selbst Lehrerin und bei ihr an der Schule haben die Schüler einmal Zugang zu dem Lehrer-Router erhalten. Doch die Konsequenzen waren schnell zu spüren, berichtet Wendel auf Merkur-Nachfrage: Das Internet war schon mit knapp mehr als 200 Geräten völlig überlastet und quasi zu nichts mehr zu gebrauchen. Mehr WLAN-Router wären in so einer Situation auch keine Lösung.

Und da auf einen (auch schnelles WLan für alle Schüler ermöglichenden) Glasfaseranschluss zu warten „noch mehrere Jahre dauern kann“, wie der SPD-Antrag warnt, will Theresa Wendel schnellere Maßnahmen oder Alternativen besprechen. Einige der Ideen habe sie sogar von Schülern erhalten. Dazu fordert Wendel, dass alle Möglichkeiten überprüft und dann mit dem Stadtrat oder einem zuständigen Ausschuss zeitnah besprochen werden.

Den SPD-Prüfantrag direkt im Stadtrat zu beschließen, wollte die stellvertretende CDU-Fraktionschefin Sara-Kim Schneider (CDU) nicht. Sie argumentierte, dass Pädagogik immer Vorrang vor Elektronik habe und noch weiterer Austauschbedarf besteht. Vor allem betonte sie dabei den Jugend- und Datenschutz. Als geeigneten Ausschuss verwies sie auf den Schulträgerausschuss. Dieser Meinung war auch Grünen-Fraktionschef Norbert Pohlmann, welcher sich eine Vertiefung in passenden Gremien wünscht.

Die SPD kritisierte, die CDU, die doch bislang auch immer klar für die Digitalisierung der Schulen gewesen sei, entdecke die Datenschutz-Bedenken wohl, weil diesmal der Antrag von der SPD komme. Man könne aber gerne in einen Ausschuss vertagen – was ja auch schon im Antrag selbst gestanden habe.

Zweibrücken war eine der ersten Kommunen in Rheinland-Pfalz, die ihren „Dachantrag“ zum Bund-Länder-Förderprogramm „Digitalpakt Schule“ stellte. Das hatte die Beigeordnete Christina Rauch bereits Anfang Juli 2020 im Schulträgerausschuss hervorgehoben (wir berichteten). Rauch betonte damals weiter, dass künftig in allen Schulen nicht nur in den Klassenräumen verfügbar sein solle, sondern auf dem gesamten Schulgelände. So könnten Lehrer dann auch häufiger draußen unterrichten, zum Beispiel unter Bäumen – Rauch nannte dies „grünes Klassenzimmer“. Davon, dass solche Visionen wegen Bandbreite-Problemen bis zur Verwirklichung noch länger dauern könnten, war damals noch keine Rede.

Der Merkur hat deshalb nun bei Rauch zu diesen Problemen und dem Digitalisierungsstand der 14 Zweibrücker Schulen angefragt.

Wenn gerade in flächendeckendes WLan investiert wird – warum wird nicht gleich so investiert, dass es auch von allen Schülern genutzt werden kann, ohne dass das System überlastet zusammenbricht? Rauch erklärt dies mit den unterschiedlichen Fördertöpfen für schulinterne WLan-Infrastruktur und für Leitungen bis zur Schule. Klar sei: In allen Schulen müsse auch digitales Unterrichten möglich sein, ob in der Schule selbst oder wie während der Pandemie durch Fernunterricht. Man wolle überall „mobiles digitales Lehren und Lernen auf dem gesamten Schulgelände bestmöglich“ sicherstellen. „Die Grundlage hierfür ist eine stabile und zukunftsfähige Netzwerkinfrastruktur.“ Weil dies durch den Digitalpakt finanziert wird, sei es wichtig gewesen, dass Zweibrücken hier mit allen Schulen von Anfang an dabei ist. Aber: „Der Breitbandanschluss ist nicht Bestandteil des Digitalpakts.“ Auch für den Breitbandausbau habe die Stadt schon Fördermittel beantragt, warte aber „nun auf den finalen Förderbescheid durch das Land“.

Offen ließ Rauch die Frage nach konkreten Beispielen für Schulen, bei denen es Probleme mit überlastetem WLan gibt.