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Einzelhändler in Zweibrücken planen digitales Rabatt-System

„ZWapp“ soll Kunden locken : Einzelhändler planen digitales Rabatt-System

„Zweibrücken zwappt“: Bonuspunkte werden mit Smartphone-App statt Kundenkarte vergeben, wenn Gemeinsamhandel genug Geschäfte zum Mitmachen überzeugt.

Der Einzelhandel steht vor gewaltigen Herausforderungen. Vor allem die wachsende Konkurrenz durch den Online-Handel setzt den Gewerbetreibenden zu. Dieser Trend ist bundesweit zu beobachten, auch Zweibrücken ist hiervon nicht verschont.

Die Händler der Rosenstadt sehen Handlungsbedarf – und brüten an Ideen, wie sie sich auch in Zukunft behaupten können. Einen wichtigen Baustein in diesem Kampf ums Bestehen präsentierte gestern der Verein Gemeinsamhandel, die Vereinigung Zweibrücker Händler.

„ZWapp“ heißt das Vorhaben, das Andreas Michel, Vorsitzender von Gemeinsamhandel, in den Räumen des Unternehmenskomplexes Bauwerk auf dem Flugplatz präsentierte, gemeinsam mit Petra Stricker, Leiterin des Zweibrücker Stadtmarketings und Pressesprecherin von Gemeinsamhandel und Oliver Reinking, IT-Experte aus Zweibrücken.

Michel machte zu Beginn deutlich, dass die Lage für den Einzelhandel äußerst herausfordernd sei. „Fest steht: Ohne eine Digitalisierung im Einzelhandel wird es nicht funktionieren, gegen die Konkurrenz zu bestehen.“

Oliver Reinking hatte auf Bitten von Gemeinsamhandel im vergangenen Sommer damit begonnen, in einer Seminarreihe interessierte Einzelhändler der Rosenstadt in Sachen „Digitales“ zu sensibilisieren (wir berichteten). Bei diesen Zusammenkünften sei der Wunsch entstanden, der hiesige Handel möge ein eigenes digitales Produkt erschaffen. Und das ist nun die „ZWapp“. ZWapp steht abgekürzt für „Zweibrücker App“. Mittlerweile kennen wohl die allermeisten Handy-Nutzer Apps (Applikationen) und greifen auf diese zurück. Die Besonderheit der „ZWapp“ ist, dass sie ein digitales Rabatt-System darstellt.

Die Händler, die sich an der „ZWapp“ beteiligen werden, können ihren Kunden auf ganz unkomplizierte Weise Rabattpunkte gutschreiben lassen. „Das funktioniert von Smartphone zu Smartphone“, erklärte Reinking in seiner Präsentation. Der Kunde, der die Rabatte genießen möchte, muss sich vorher lediglich auf der Internetseite der „ZWapp“ eintragen lassen. „Es reicht die Angabe seines Namens und seiner E-Mail-Adresse“, verdeutlichte Reinking, dass die „ZWapp“ nicht zur Datenkrake werde, die alle mögliche Informationen sammle. Wer dennoch Bedenken habe, könne sich auch unter einem Kunstnamen anmelden, alles kein Problem.

Sobald ein Kunde registriert ist und eine fünfstellige Kundennummer erhalten hat, kann er bei Händlern, die bei der „ZWapp“ mitmachen, Rabatte sammeln.

Und wie hoch sind diese? „Das bleibt jedem Händler selbst überlassen“, sagte Gemeinsamhandels-Chef Michel. Man wolle keine Vorgaben machen, jeder Händler müsse selbst entscheiden, wie hoch der von ihm gewährte Rabatt ausfalle. Allerdings müsse dieser schon attraktiv sein, um entsprechende Effekte in Sachen Kundenbindung zu entfalten. Das Prozedere sei denkbar einfach, über die App gehe die Rabattierung vom Händler-Smartphone zum Kunden-Smartphone. „Wir haben uns bewusst für ein System entschieden, das kartenlos ist. Es gibt schon so viele Rabattkarten. Wir wollten nicht noch eine schaffen. Bei einer Karte braucht man zudem entsprechende Lesegeräte und und und. Das alles entfällt. Es ist eine schlanke Lösung“, resümierte Michel.

Aber ob die App wirklich kommt, das steht noch nicht fest. Dies würden nun die Händler selbst entscheiden, betonte Stadtmarketing-Leiterin Stricker. Sie seien jetzt gefragt. Reinking erläuterte: „Wir haben uns entschlossen, eine Mindest-Teilnehmerzahl von 34 festzulegen. Nur wenn es wirklich so viele sind, startet die ,ZWapp’. Unter 34 Teilnehmern ist es für uns nicht sinnvoll. Man braucht eine gewisse Zahl an beteiligten Händlern, damit für die Kunden der Pool an Adressen groß genug ist.“ Besagte 34 Händler müssen übrigens bis zum Stichtag 31. Oktober dieses Jahres zusammengekommen sein. Reinking stellte klar: „Es müssen 34 sein. Sind es nur 33, ist die Sache beendet.“

Die Händler müssen für die Teilnahme etwas zahlen. Die ersten 17, die sich anmelden, zahlen 200 Euro netto jährlich, die nächsten 17 300 Euro. Ab dem 35. Teilnehmer werden 400 Euro netto pro Jahr fällig, ab dem 51. Teilnehmer sind es 500 Euro.Michel sagte, die Händler würden nun angeschrieben und auf die „ZWapp“ aufmerksam gemacht, er hofft, dass alle erkennen würden, wie innovativ diese digitale Kundenkarte sei. „Dieses rein digitale Rabatt-System gäbe es in der gesamten Region kein zweites Mal“, erklärt IT-Experte Reinking. Es sei ein ganz neuer, bürokratisch schlanker Weg, eine neue Beziehung zu den Kunden aufzubauen.

Gemeinsamhandels-Chef Michel verdeutlichte: „Die Preise, die, gestaffelt zwischen 200 und 500 Euro liegen, sind nicht viel dafür. Ich bin nun schon viele Jahre Einzelhändler und weiß, was man investieren muss, um bei seinen Kunden präsent zu sein.“