1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Delegation "geschockt" über Innenstadt

Delegation "geschockt" über Innenstadt

Pm-ek-baden-baden

Zweibrücken. Outlet-Center sind nicht gut für den innerstädtischen Einzelhandel. Diesen Eindruck hat jedenfalls eine Delegation aus Baden-Baden gewonnen. Sie war am 16. März nach Zweibrücken gekommen, weil auch in ihrem Einzugsgebiet mit dem Factory Outlet (FOC) im elsässischen Roppenheim ein riesiges Fabrikverkaufszentrum entstehen soll. Wie die Rosenstadt ihr "The Style Outlets", verkraftet hat, das wollte man sehen, daraus Schlüsse für sich selbst ziehen. 30 Mann, einige von ihnen zuvor in englischen und italienischen Einkaufszentren auf Erkundungstour, waren angereist, schauten sich erst am "The Style Outlets" um, marschierten dann durch die Fußgängerzone, befragten Händler und sprachen zuletzt mit Stadtvertretern aus Zweibrücken und Pirmasens.Aus Baden-Baden mit dabei war Roland Fitterer, Vizepräsident des Einzelhandelsverbandes (EHV) Südbaden und der IHK Karlsruhe. Sein Eindruck war wie der seiner Kollegen vernichtend. Fitterer: "Wir hatten mit einer attraktiven Innenstadt gerechnet, die 'The Style Outlets' Paroli bietet." Doch die Delegation sah etwas anderes. In der Fußgängerzone bemängelte Fitterer das Angebot: "Da sind ja vor allem Optiker, Hörgerätehersteller und Apotheker. Das hat uns schon geschockt. Ebenfalls die Leerstände im City-Outlet." Auch seien die Präsentationsschaukästen "in die Jahre gekommen". Es bestehe folglich kein Grund, in die Innenstadt zu gehen, wenn man in den Style Outlets sei. "Da wird nichts geboten, was den Besucher anlockt", findet Fitterer. Die Sonntagsverkäufe der Style Outlets seien tödlich für die innerstädtischen Händler. Die Folge: Sie zögen sich zurück, Häuser stünden leer, Neuvermietungen würden schwierig.

Diese Flut an Kritikpunkten stört Stadtmanagerin Annette Hübschen, die auch mit der Delegation sprach. "Die Ausgangslage zwischen Baden-Baden und Zweibrücken ist nicht vergleichbar. Die haben in ihrer Stadt Luxusprobleme, zu ihnen kommen 2,5 Millionen Touristen, da rollt der Rubel", ist Hübschen erbost, die den Gästen eine "Vom-hohen-Ross-Art" attestiert. Die Zweibrücker Probleme hätten die Baden-Badener einfach auf die Style Outlets geschoben. Über 50 Besuchergruppen habe man in Zweibrücken zu dem Thema schon empfangen. Es sei stets gelungen, Licht und Schatten darzustellen. Noch nie habe eine Gruppe mit solchem Unverständnis für die hiesige Situation reagiert. "Es war so, als ob der reiche Onkel aus Amerika vorbeikommt", ärgert sich Hübschen.

Fitterer räumt ein, dass das Urteil nicht zufällig so krass ausfiel. "Der negative Eindruck hat den Verwaltungsmitgliedern die Augen geöffnet. Das war das Beste, was uns Händlern passieren konnte. Schon im Vorfeld der FOC-Eröffnung können wir nun in Baden-Baden alle an einem Strang ziehen." Dank des Besuchs hier könne sich die Stadt nun wappnen - gegen Zweibrücker Verhältnisse. "Es war so,

als ob der reiche Onkel aus Amerika vorbeikommt."

Annette Hübschen

Meinung

Chance, die dem Ärger folgt

Von Merkur-RedakteurMichael Klein

Das hat uns gerade noch gefehlt!", höre ich in Gedanken schon den einen oder anderen Gewerbetreibenden in der Innenstadt jammern. Nach der vernichtenden Kritik, die die Besucher aus Baden-Baden nach ihrer Tour d'Horizon an dem aus ihrer Sicht desolaten Zustand unserer guten Stube üben. Na ja, und so unrecht haben die Zweibrücker Händler gar nicht. Denn man hätte - das darf man den Gästen, die es von der Oos an den Schwarzbach gespült hatte, entgegenhalten - die Kritik auch etwas moderater formulieren können. Von der geballten Wucht der Aussagen her, nicht von der inhaltlichen Sprengkraft derselben. Baden-Baden und Zweibrücken miteinander vergleichen zu wollen, das muss nämlich schief gehen. Und es muss auf unsere Geschäftswelt verdammt hochnäsig wirken, wenn man so runtergemacht wird. Ganz zu schweigen davon, dass dies weh tut.

Aber, und dafür darf man als Verantwortlicher in Zweibrücken auch dankbar sein, der rustikale Rundumschlag der Wirtschaftsdelegation aus dem Millionärsstädtchen hat auch was für sich, denn man darf ihn als ungekünstelte und damit möglicherweise verdammt ehrliche Momentaufnahme begreifen. Zweibrücken unkommentiert! So, wie es auf die Besucher wirkt?! Ohne Erklärung, ohne Legende, ohne Gebrauchsanweisung.

Das ist die Chance, die aus der Kritik erwächst. Und um die sollten wir uns konstruktiv kümmern! Gemeinsam, wenn der Ärger verflogen ist!