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Maggie Thatcher wurde als Queen identifiziert, Adenauer ging als Brandt durch moment mal Wissen ist Macht oder: Nicht(s)wissen macht große Fortschritte Liebe Leserinnen, Liebe Leser, ohne Flei kein Prei! Nein, Sie müssen sich an dieser Stelle keinesfalls darüber Sorgen machen, dass meine

Maggie Thatcher wurde als Queen identifiziert, Adenauer ging als Brandt durchmoment mal

Wissen ist Macht oder: Nicht(s)wissen macht große Fortschritte

Liebe Leserinnen, Liebe Leser, ohne Flei kein Prei! Nein, Sie müssen sich an dieser Stelle keinesfalls darüber Sorgen machen, dass meine Tastatur kaputt sein könnte. Und nein, mir ist auch kein Konsonant abhanden gekommen. Ohne Flei kein Prei ist Absicht! Ein Rätsel nämlich, für dessen unfallfreie und richtige Lösung man durchaus einen Preis ausloben könnte - wohlwissend, dass auch eine Menge falscher Einsendungen darunter sein dürften, wenn man denn die Aufforderung ausspräche, diese Redewendung sinnvoll zu ergänzen. Und ohne dabei den Publikumsjoker zu bemühen.Zu der wagemutigen Voraussage kann man sich durchaus versteigen, wenn man die auch in unserer Zeitung zitierte Umfrage unter 15 000 deutschen Unternehmen zum Kronzeugen macht, wonach die in immer erschreckenderem Maße Defizite in Deutsch und Mathe bei ihren frisch von der Schule kommenden Auszubildenden feststellen. Da wird der gepflegte Dreisatz schnell zur Aufgabe der Woche, deren richtige Lösung oft erst am Ende einer gedanklichen Reise mit ungeahnten Zwischenübernachtungen steht. Von der Allgemeinbildung gar nicht erst zu schreiben.Wobei, wundern muss man sich darüber nicht. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, wird schnell erkennen, dass sich das Wissensniveau in Schwindel erregendem Abwärtstaumel nach unten bewegt. Spötter spötteln gar, dass wir uns schon unter der Grasnarbe bewegen. Wie sonst ist es zu erklären, dass beispielsweise im privaten Fernsehen die Fragen, bei denen der Anrufer ein paar Euros gewinnen kann, eigentlich ob der Absurdität ihrer Antworten per se schon preiswürdig sind. Na ja, jeder Anruf bringt dem Sender Geld, werden Sie entgegnen. Stimmt! Aber ich halte dagegen mit der Behauptung, dass längst nicht jeder weiß, dass an Ostern wirklich Schokoeier gesucht werden. Anstelle der zweiten Variante, die ich wegen ihrer provozierend falschen Formulierung schon wieder vergessen oder verdrängt habe. So passiert in der vergangenen Woche.Und ich bin mir auch nicht sicher, ob denn alle die Mail, die ich vor knapp zwei Jahren erhalten habe, richtig beantworten können. Seinerzeit hatte mich ein Reiseunternehmen formvollendet angeschrieben, etwa in dem Tenor: Sehr geehrter Herr Klein, wir wollen heute die Basis Ihres Allgemeinwissens testen und Ihnen eine Frage stellen, welche die meisten Menschen in Ihrem Ort richtig beantwortet haben. Gehören Sie auch dazu? - Dazu war eine Zeichnung einer Figur vor einer Flagge mit Sternen und Streifen abgebildet. Die Figur hielt in der rechten Hand etwas in die Höhe, was man selbst bei der größtmöglichen Anhäufung von Dioptrien nicht als Eiswaffel identifizieren würde. Dazu lautete denn die Frage, ob es sich wohl um die Freiheitsstatue in New York oder doch um den Eiffelturm in Paris handeln würde. Wie gesagt: Aus dem September 2008 stammt die Mail, und ich hatte das richtige Ergebnis schon deutlich vor dem heutigen 12. April parat. Soviel schmunzelnd zur Ehrenrettung.Die Unternehmen, wahrscheinlich auch unsere Firmen in Zweibrücken respektive deren Personalchefs, die sich einer fundierten Ausbildung ihres Nachwuchses verschrieben haben, können über die bildungstechnischen Grundlagen leider nicht lachen. Sie stehen vor der erschreckenden Aufgabe, in immer mehr Fällen neue Formen der grundlegenden Qualifikation zu organisieren, wollen Sie die Ressource Mensch sinnvoll und nachhaltig einsetzen. Auf Deutsch: Nachhilfe für Auszubildende! Wissen in notwendigen, wenn auch beinahe homöopathischen Dosen. Wie muss da der kurze Bericht - und diesmal war es ein öffentlich-rechtlicher Sender - gewirkt haben, bei dem ein Fernsehteam Jugendlichen die Konterfeis durchaus namhafter mindestens 1b-Promis zum Erkennen hingehalten hatte. Mit tollen, vor allem aber skurrilen Ergebnissen. Maggie Thatcher wurde zweifelsfrei als Queen identifiziert, Konrad Adenauer ging als Willy Brandt unbeanstandet durch, mit Michail Gorbatschow konnte keiner was anfangen.Das erinnert mich an meine längst vergangene Bundeswehrzeit im inzwischen geschlossenen US Army Hospital in Münchweiler. Da hielten seinerzeit junge Offiziersanwärter den frisch gerahmt im Geschäftszimmer der Kompanie eingetroffenen damaligen Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner gar für den Fußball-Bundestrainer Helmut Schön.Trotzdem Ihnen allen eine schöne Woche. Michael Klein Chefredakteur