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RAG klagt über „unverantwortliche Panikmache“

RAG klagt über „unverantwortliche Panikmache“

Die Diskussion um das Grubenwasser nimmt kein Ende. Nach Angaben der RAG besteht bei einer Flutung der früheren Bergwerke keine Gefahr für Menschen und Umwelt. Die Grünen sehen das ganz anders.

Zweieinhalb Jahre nach dem Ende des Kohlebergbaus im Saarland hat die RAG gestern in Ensdorf ihr Konzept für das Grubenwasser vorgestellt. Während dieses in die stillgelegten Bergwerksstrecken eindringende Regenwasser bislang mit jährlichen Kosten von bis zu 17 Millionen Euro abgepumpt wird, plant die RAG, das Grubenwasser in den nächsten Jahren in zwei Phasen ansteigen zu lassen, um bis 2035 möglichst ganz ohne Pumpen auskommen zu können. Befürchtungen wegen Auswirkungen auf das Grundwasser und die spätere Trinkwasserqualität sowie wegen möglicher Umweltschäden infolge PCB-haltiger Altlasten in den Gruben wies die RAG entschieden zurück. Es bestehe keine Gefahr für Mensch oder Umwelt.

Zum Verbleib der unter Tage verwendeten giftigen 1500 Tonnen PCB-haltigen Hydrauliköle konnten die RAG-Verantwortlichen um den Umweltschutzbeauftragten Joachim Löchte keine näheren Angaben mehr machen. Nur ein geringer Teil sei seinerzeit wohl entsorgt worden - 80 bis 90 Prozent seien möglicherweise noch unter Tage. Die Grünen forderten gestern erneut, "endlich die Fakten in Sachen Grubenwasser auf den Tisch zu legen". Die Saar-Regierung lasse nichts unversucht, "um die von einer Grubenflutung ausgehende Gefahr herunterzuspielen". Der Landtag will am Mittwoch auf Grünen-Antrag beschließen, die Protokolle des "Untersuchungsausschusses Sonderabfall " von 1984 offenzulegen, die Details zur Nutzung des hochgiftigen Stoffs PCB im Bergbau enthalten sollen. Dies teilten CDU und SPD gestern mit.

Der frühere Bergmann Harald Schwan aus Schiffweiler berichtete: "Von dem verbrauchten Öl, dem Altöl, kam nur ein Teil wieder nach über Tage." Die Kreisläufe seien immer undicht gewesen. "Stetig tropfte Öl aus den Leitungen." Auch seien stark salzige Paste und Lauge in vielen Strecken versprüht worden. "Dies alles wird irgendwann im Grundwasser zu finden sein, wenn das Grubenwasser die Oberfläche erreicht hat", so Schwan.

Zu solch kritischen Stimmen sagte der RAG-Regionalbeauftragte Uwe Penth: "Die Aufgeregtheiten sind eine unverantwortliche Panikmache." Laut Penth hat die RAG Ende 2014 ihre "Planerische Mitteilung" bei der Bergbehörde eingereicht. Nun prüfe das Oberbergamt und werde als nächsten Schritt ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und öffentlicher Anhörung einleiten. Den Zeitrahmen dafür bezifferte ein RAG-Grubenwasserexperte auf ein bis drei Jahre.

In der Planungsphase eins will die RAG dann über drei bis vier Jahre das Grubenwasser in Reden von bisher minus 600 Meter auf minus 320 Meter NN ansteigen lassen. "Das ist weit weg vom Trink- und Grundwasser ", sagte Penth. Erst in der letzten Phase ist dann vorgesehen, in den Gruben Camphausen, Luisenthal und Victoria den Wasserspiegel weiter auf minus 190 Meter NN ansteigen und Wasser frei in die Saar auslaufen zu lassen. Diese Phase zwei könne sich also bis ins nächste Jahrzehnt hineinziehen. Die als Vorfluter genutzten kleineren Bäche würden dann ganz entlastet. "Wir erwarten nicht die sofortige und uneingeschränkte Genehmigung unseres Konzepts", sagte RAG-Mann Penth. Er gab sich aber dennoch optimistisch für die Realisierung der RAG-Planung.