Exportchancen für Saar-Milch

Exportchancen für Saar-Milch

Eppelborn. Die Preise für Milch und Milchprodukte werden auch im kommenden Jahr weiter steigen. Davon ist Karl-Heinz Engel, Hauptgeschäftsführer des Milchverwerters Hochwald Foods, überzeugt

Eppelborn. Die Preise für Milch und Milchprodukte werden auch im kommenden Jahr weiter steigen. Davon ist Karl-Heinz Engel, Hauptgeschäftsführer des Milchverwerters Hochwald Foods, überzeugt. Nachdem die Molkereien in Verhandlungen mit dem Handel bereits Anfang November Preissteigerungen durchsetzen konnten, "sehe ich gute Chancen, ein ähnliches Ergebnis auch bei der Preisrunde im Mai zu erreichen", machte Engel gestern auf dem 20. saarländischen Milchtag in Eppelborn deutlich. "Wir sind nicht mehr bereit, jedes Preisangebot des Handels zu akzeptieren", betonte Engel.Hochwald Foods, das den rund 200 saarländischen Vollerwerbs-Milchbauern jedes Jahr 92 Millionen Liter Milch abkauft, setzt stark auf den Export, um vom heimischen Markt unabhängiger zu werden. Das umfasse nicht mehr allein die Ausfuhr von Milchpulver oder Butter-Blöcken. Derzeit würden an mehreren Standorten von Hochwald Foods für rund 75 Millionen Euro Produktionskapazitäten aufgebaut, damit auch fertige Milcherzeugnisse exportiert werden können - unter anderem Sprühsahne, Kaffeemilch, gezuckerte Kondensmilch und Milchmisch-Getränke wie zum Beispiel Chai-Latte (Tee-Milchgetrank), das alles in Dosen oder als Kleinportionen.

Von den rund 1,26 Milliarden Euro, die Hochwald Foods für 2012 an Umsatz erwartet, sollen 475 Millionen Euro mit Ausfuhren erwirtschaftet werden (Vorjahr 439 Millionen Euro bei etwa gleichem Umsatz), davon 218 Millionen Euro außerhalb der EU (Vorjahr 146 Millionen Euro).

Professor P. Michael Schmitz, Leiter des Instituts für Agrarpolitik und Marktforschung an der Universität Gießen, ist ebenfalls davon überzeugt, dass im Export eine Chance für die deutsche Milchwirtschaft besteht. In vielen Regionen - vor allem in Asien - werde die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln steigen, es würden daher auch die Preise nach oben gehen. Doch Exporterfolg sei kein Selbstläufer, "da viele Länder wie Indien, Australien oder die USA ihre Milchproduktion nach oben fahren und auf die Wachstumsmärkte drängen", sagte er in seinem Vortrag auf dem Milchtag. Die deutschen Bauern würden hingegen "immer stärker durch Natur-, Tier- und Pflanzenschutz-Vorgaben oder Bauvorschriften drangsaliert". Dadurch würden etliche Betriebe an den Rand ihrer Existenzfähigkeit gedrängt.

Klaus Fontaine, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft des Saarlandes, sieht die saarländischen Milchbauern dennoch für die Zukunft gut gerüstet. In Sachen Qualität "sind seit der Gründung der Landesvereinigung vor 20 Jahren enorme Fortschritte erzielt worden". Die Vereinigung unterstützt die Landwirte unter anderem mit Info-Veranstaltungen und Schulungsmaßnahmen. Für ihre hervorragende Milchqualität wurden gestern Karl-Heinz Becker aus Blieskastel-Breitfurt und Michael Fixemer aus Mettlach-Tünsdorf geehrt. Foto: Engel

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