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"Wir sind Marionetten"

"Wir sind Marionetten"

Homburg. Der FC Homburg ist Tabellenführer der Fußball-Oberliga Südwest. Er könnte sich auf ein ruhiges Weihnachtsfest freuen. Doch nach mehreren Entscheidungen des Vorstandsvorsitzenden Peter Müller, die an der sportlichen Leitung um Cheftrainer Christian Titz und Sportkoordinator Steven Dooley vorbei getroffen wurden, bröckelt das Vertrauensverhältnis

Homburg. Der FC Homburg ist Tabellenführer der Fußball-Oberliga Südwest. Er könnte sich auf ein ruhiges Weihnachtsfest freuen. Doch nach mehreren Entscheidungen des Vorstandsvorsitzenden Peter Müller, die an der sportlichen Leitung um Cheftrainer Christian Titz und Sportkoordinator Steven Dooley vorbei getroffen wurden, bröckelt das Vertrauensverhältnis. "Es ist absolut nicht in unserem Sinne, wenn Spieler den Verein verlassen und das nicht mit uns besprochen wurde", bezieht Dooley Stellung dazu, dass Müller mehreren Nachwuchsspielern (darunter nicht Lars Kaula, wie im Lokalteil berichtet) ohne Rücksprache die Freigabe erteilte. "Da werden Dinge explizit besprochen und das Besprochene wenige Tage später vom Vorstand einfach ignoriert. Die Gründe dafür sind für mich nicht nachvollziehbar. Unser Plan war, für die U19 und U23 Spieler hinzuzugewinnen, damit sich die Belastung entspannt. Das ist durch die Abgänge wieder erschwert worden", fügt Dooley hinzu.Müller sieht das anders: "Was hat das mit Sport zu tun, wenn jemand weg will? Das ist keine Einmischung in sportliche Dinge. Das ist eine reine Formalie. Wer nicht mehr beim FC Homburg spielen will, kann gehen."

Auch die unabgesprochene Zusage mehrerer Hallenturniere in der Winterpause sorgt für weitere Irritationen. "Wir stehen im Moment oben in der Tabelle. Den Platz wollen wir verteidigen, aber dafür brauchen unsere Spieler drei Wochen Pause. Ich habe für kein Hallenturnier eine Spielzusage erteilt", berichtet Trainer Titz vor dem Hintergrund, dass der FCH über keinen ausreichenden U23-Kader verfügt, der dort antreten könnte. "Die Termine sind seit drei Monaten bekannt und wurden an die sportliche Leitung weitergegeben", entgegnet Müller, der sagt, dass in der U19, deren Spielbetrieb Anfang Dezember endete, "von Überlastung keine Rede sein kann. Wir werden Mannschaften stellen können". Allerdings waren mehrere Spieler der U19 noch bis Mitte des Monats aktiv.

Titz fürchtet, dass die Alleingänge des Vorstands auch einen negativen Einfluss auf die erste Mannschaft nehmen könnten. "So etwas führt zu Irritationen. Und dazu, dass auch innerhalb der Mannschaft darüber gesprochen wird", sagt der Trainer. Nach dem Aus im Saarlandpokal beim SV Hasborn (0:3) habe Müller nach Informationen der Saarbrücker Zeitung auch versucht, Einfluss auf die Mannschaftsaufstellung zu nehmen.

"Darf ich als Vorsitzender etwa nicht mehr mit den Spielern reden, wenn sie zu mir kommen?", fragt Müller. "Damit untergrabe ich die Autorität des Trainers. Dann habe ich irgendwann einen Sauhaufen", hält Dooley dem entgegen. "Das Problem ist, dass die finanziellen Mittel, so macht es zumindest den Eindruck, zu stark an eine Person gekoppelt sind, und derjenige dadurch glaubt, sich über Absprachen hinwegsetzen zu können. Das ist der zentrale Punkt, um den sich alles dreht. Wir sind letztendlich Marionetten derjenigen, die die Mittel haben", sagt Dooley. Sind die Gelder von FCH-Hauptsponsor Hartmut Ostermann also vom Vorstandsvorsitz Müllers, der für Ostermanns Unternehmensgruppe beruflich tätig ist, abhängig? "Ich gebe zu Sponsorengeldern keine Kommentare, außer, dass die Saison gesichert ist - unabhängig von Personen", sagt Müller.

"Wir müssen gemeinsam und professionell unsere Ziele verfolgen. Wir haben nur eine Chance, wenn ohne Reibungsverlust alle in die gleiche Richtung ziehen. Da müssen persönliche Belange und Machtansprüche sich der Sache unterordnen", sagt Dooley. Müller betont hingegen: "Es gibt keine Differenzen, die den sportlichen Erfolg berühren."Foto: fdp

"Ich gebe zu Sponsorengeldern keine öffentlichen Kommentare."

FCH-Chef

Peter Müller

Meinung

Der letzte Hilferuf

Von SZ-RedakteurMichael Kipp

Wenn im Fußball Professionalität auf Emotionalität trifft, ist meist Ärger angesagt. Nicht anders beim FC Homburg: Trainer Titz und Sportkoordinator Dooley sind hierbei die Profis. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga kamen sie - und stellten mit Sachverstand eine neue Mannschaft zusammen, die für viele überraschend auf Tabellenplatz eins der Oberliga überwintert. Dabei gaben sich beide in der Öffentlichkeit bisher immer zurückhaltend. Um so unvermittelter kommt nun ihre Kritik an Vorstandsboss Müller, der anscheinend sportliche Entscheidungen ohne Rücksprache mit ihnen getroffen hat.

Das wäre unprofessionell von Müller. Titz und Dooley würden sicher nicht an die Öffentlichkeit gehen, ohne vorher versucht zu haben, die Differenzen intern zu klären. Und so klingt ihre Kritik wie ein letzter Hilferuf. Es bleibt zu hoffen, dass Müller nicht auf die Idee kommt, beide zu feuern. Denn trotz aller Emotionen, sollte auch er wissen: Solche Profis waren beim FCH schon lange nicht mehr in der sportlichen Leitung.