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"Vitali Klitschko hatte nur Glück"

Völklingen. "Fäuste aus Stahl". Was für ein Motto. Der Slogan für den Kampfabend im Profi-Boxen am Freitag, 26. Juni, ab 19 Uhr in der Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen soll Boxen der Extraklasse versprechen. Um diesem Versprechen Nachdruck zu verleihen, lud Veranstalter Arena Box-Promotion gestern zur Pressekonferenz in den "Alten Bahnhof" nach Völklingen ein Von SZ-Redakteur Mark Weishaupt

Völklingen. "Fäuste aus Stahl". Was für ein Motto. Der Slogan für den Kampfabend im Profi-Boxen am Freitag, 26. Juni, ab 19 Uhr in der Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen soll Boxen der Extraklasse versprechen. Um diesem Versprechen Nachdruck zu verleihen, lud Veranstalter Arena Box-Promotion gestern zur Pressekonferenz in den "Alten Bahnhof" nach Völklingen ein. Und weil Trommeln zum Box-Geschäft gehört, karrte Arena die drei Hauptkämpfer des Abends Herbie Hide, Steffen Kretschmann und Mahir Oral sowie Herbie Hides Trainer Graciano Rocchigiani ins Saarland.



Rocchigiani, einer der großen deutschen Box-Helden der 90er Jahre, ist es vorbehalten, die ersten Sätze zu sagen. "Rocky", im schicken ärmellosen Muskel-Shirt, ist mittlerweile 45 Jahre alt und hat "mit dem Boxen abgeschlossen", wie er sagt - aber natürlich nur als Aktiver. "Alles andere wäre lächerlich", sagt der Ex-Weltmeister. Aber natürlich kann der Sohn eines sardischen Eisenbiegers nicht vom Boxen lassen und hat sich jetzt ins Trainer-Metier begeben. "Das macht mir riesig Spaß", sagt Rocchigiani. Sein prominentester Schützling ist Herbie Hide. Sie nennen ihn den "Dancing Destroyer", den tanzenden Zerstörer. Und wer den ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister auf seinem Stuhl herumrutschen sieht, der versteht, woher der Name kommt.

Der Brite ist voller Tatendrang und hat in diesem Jahr Großes vor. "Ich werde Weltmeister", sagt der gebürtige Nigerianer entschlossen und duldet keinen Widerspruch. Aber er hat ein Problem - nämlich noch keinen Gegner für Völklingen. "Meine potenziellen Gegner haben alle Angst vor mir. Deswegen will niemand gegen mich boxen", sagt Hide.

Kein Zweifel: Auch wenn Hide mit seinen 37 Jahren seine besten Jahre als Boxer vermutlich hinter sich hat, ist er der Star der Veranstaltung in Völklingen. Nach seinem Kampf in der Hermann-Neuberger-Halle wird Hide - ein Sieg vorausgesetzt - Pflichtverteidiger des nächsten Weltmeisters nach Version des World Boxing Councils (WBC).

Weltmeister war Hide schon - erstmals vor 15 Jahren, bei den ganz großen Jungs, im Schwergewicht. Zwar verlor er den Titel direkt an den US-Amerikaner Riddick Bowe, doch nach zwei Aufbaukämpfen schickte er 1997 Tony Tucker (USA) auf die Bretter und war erneut Weltmeister. Diesmal behielt Hide den WM-Gürtel länger - bis 1999 Vitali Klitschko kam. Der Stachel seiner K.o.-Niederlage in Runde zwei sitzt immer noch tief. "Vitali hatte nur Glück", ereifert sich Hide, der Klitschko damals auf einer Pressekonferenz schon vor dem Kampf verprügeln wollte, heute noch.



Jetzt, zehn Jahre später, sind Hides Drohgebärden nurmehr verbaler Art. "Herbie ist viel disziplinierter geworden", sagt Graciano Rocchigiani, "man muss ihm eben in den Hintern treten. Aber mittlerweile meckert er gar nicht mehr so viel. Er hat begriffen, dass das seine letzte Chance ist." Zu begutachten am 26. Juni ab 19 Uhr in Völklingen.

Karten für die Box-Gala gibt es ab 18. Mai über CTS unter Telefon (0 18 05) 57 00 70 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom). Stehplätze gibt es für 20 und 30 Euro, Sitzplätze für 50 und 66 Euro. In der Hermann-Neuberger-Halle sollen bis zu 3200 Zuschauer Platz finden

"Er hat begriffen, dass das seine letzte Chance ist."

Graciano Rocchigiani über seinen Schützling Herbie Hide