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Rocchigianis Weg zurück

Völklingen. Als Graciano Rocchigiani am vergangenen Montag bei der Pressekonferenz zum Box-Abend "Fäuste aus Stahl" (26 Von SZ-Mitarbeiter Kai Rixecker

Völklingen. Als Graciano Rocchigiani am vergangenen Montag bei der Pressekonferenz zum Box-Abend "Fäuste aus Stahl" (26. Juni in der Völklinger Hermann-Neuberger Halle) in Völklingens altem Bahnhof vor zahlreichen Journalisten auftrat, war klar: Der 45-Jährige, der sich ganz locker in Trainingshose und ärmellosen Trainingshemd präsentierte, will zurück auf die große Bühne des Box-Sports. Mit Titeln. Rocchigiani hat seine Ziele klar vor Augen: "Ich will dieses Jahr noch zwei Weltmeister-Titel." Doch nicht als Athlet. "Damit habe ich abgeschlossen", erklärt der 45-Jährige. Vielmehr will er als Trainer dorthin, wo er als Boxer schon war.



Eigenes Trainingszentrum

Vor anderthalb Jahren hat "Rocky", der 20 Jahre als Profi-Boxer im Ring stand, in Duisburg sein eigenes "Gym", wie Boxer ein Trainingszentrum nennen, eröffnet. "Ich habe 30 Jahre geboxt, was soll ich anderes machen als Box-Trainer?", fragt der 45-Jährige. In Duisburg trainiert er mit Christian Pawlak, Selcuk Aydin und seit Beginn des Jahres mit dem ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister Herbie Hide drei Profi-Boxer. "Ich habe Selcuk Aydin in Hamburg trainiert, und Herbie war in der gleichen Halle. Da ist er auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich ihn trainieren kann", erklärt Rocchigiani die Zusammenarbeit mit Hide, der am 26. Juni in Völklingen in den Ring steigen wird.

Eines hat "Rocky" dem in der Vergangenheit als emotional und unbeherrscht geltenden 37 Jahre alten Hide schon beigebracht: Disziplin. "Ich habe ihn vor die Wahl gestellt: Entweder er zieht mit - oder lässt es sein. Wenn man längere Zeit alleine trainiert, braucht man einfach einen, der einem in den Hintern tritt", sagt er. Die Philosophie des Trainers Rocchigiani ist so klar wie simpel. "Es geht darum, hart zu arbeiten", sagt Rocchigiani, während er an seiner Zigarette zieht und grinst.

Mit harter Arbeit und einem Sieg in Völklingen soll Hide den Grundstein auf dem Weg zum Weltmeister-Titel im Cruisergewicht legen. "Weltmeister zu werden, sollte immer das Ziel sein", erklärt Rocchigiani. Holt sein Schützling den Titel, wäre "Rocky" zurück auf der großen Box-Bühne - als Trainer.



Zur Person

Graciano Rocchigiani, 45, wurde in Rheinhausen geboren. Der Sohn eines sardischen Eisenbiegers begann seine Profi-Karriere als Boxer 1983. In 48 Kämpfen siegte er 41 Mal, davon 19 Mal durch Knockout. Demgegenüber stehen sechs Niederlagen und ein Unentschieden. 1988 errang Rocchigiani den Weltmeister-Titel im Supermittelmittelgewicht der International Boxing Federation. Nach drei Titelverteidigungen wechselte er ins Halbschwergewicht, wo er 1991 Europameister wurde. Unvergessen sind die Kämpfe gegen Henry Maske (1995) und Dariusz Michalczewski (1996), in denen er nach umstrittenen Entscheidungen unterlegen war. rix