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Ferrari: Neue Stärken und alte Schwächen

Barcelona. Mit großen Erwartungen und weiterentwickelten Autos sind die Teams nach Barcelona gereist. Doch ihre Hoffnung, auf Klassenprimus Brawn GP aufzuschließen, haben sich nur teilweise erfüllt. Den größten Sprung unter den letztjährigen Top-Teams hat der Team-Weltmeister Ferrari gemacht Von SZ-Redakteur Walter Koster

Barcelona. Mit großen Erwartungen und weiterentwickelten Autos sind die Teams nach Barcelona gereist. Doch ihre Hoffnung, auf Klassenprimus Brawn GP aufzuschließen, haben sich nur teilweise erfüllt. Den größten Sprung unter den letztjährigen Top-Teams hat der Team-Weltmeister Ferrari gemacht. Das deutete sich bereits in der Qualifikation an, als Felipe Massa Platz vier für die Startaufstellung herausfuhr. So erfreulich der Aufschwung auch war - um so peinlicher war die Fehleinschätzung bei Massas Teamkollege Kimi Räikkönen. Er blieb als 16. hängen, weil die Strategen glaubten, seine Zeit würde für ein Weiterkommen reichen. Ein solcher katastrophaler Denkfehler passierte schon in Malaysia, damals war nur Massa der Leidtragende. Im Rennen schnellte die Ferrari-Fehlerquote erneut nach oben. Massa hätte weit mehr als drei Punkte für Rang sechs sammeln können, hätten die Ingenieure für seine Weiterfahrt nach dem zweiten Tankstopp mehr Benzin berechnet. Zu diesem Zeitpunkt hatte Räikkönen, der vor einem Jahr in Barcelona seinen letzten von 17 Grand-Prix-Siegen holte, schon längst Feierabend. Nach Runde 16 war der "Iceman" mit Hydraulik-Schaden ausgefallen. "Ohne das Benzinproblem wäre ich sicher vor Vettel (Vierter, Anm. der Red.) und Alonso (Fünfter, Anm. der Red.) geblieben", bedauerte Massa. "Ohne mein technisches Problem hätte ich es in die Punkte geschafft. Das Auto ist besser, aber wir müssen diese Unzuverlässigkeiten abstellen", haderte Räikkönen. Der runderneuerte Ferrari F60 weckt Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch diese treten erst ein, wenn die kapitalen Fehlentscheidungen der Ferrari-Strategen ausbleiben.Mut zur Hoffnung für die Zukunft schöpft auch BMW. Motorsport-Direktor Mario Theissen ist zufrieden, dass die umfangreiche Weiterentwicklung beim Europa-Auftakt angeschlagen hat. Sein Fazit: "Es war ein guter Schritt nach vorne, wir haben Boden gutgemacht."Das kann Mercedes-Sportboss Norbert Haug von den McLaren-Boliden nicht behaupten. Sein Fahrer, Weltmeister Lewis Hamilton, ist als Neunter vom möglichen künftigen Weltmeister Jenson Button überrundet worden. "Das ist die Höchststrafe, wir sind zu langsam", räumte Haug ein. Ein kleiner Trost bleibt ihm: Während das Mutter-Team McLaren-Mercedes der Konkurrenz hoffnungslos hinterherhechelt, rollt der mit Mercedes-Motoren bestückte Brawn-Express unaufhaltsam Richtung Weltmeisterschaft.