1. Sport
  2. Saar-Sport

Schweizer versauen die Heimparty

Schweizer versauen die Heimparty

Die Euphorie um Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber wollten die deutschen Tennis-Damen für den Halbfinaleinzug im Fed Cup nutzen. Doch die Schweiz verpasste dem deutschen Team einen Dämpfer.

Angelique Kerber nahm keine Rücksicht mehr auf ihren geschundenen Körper. Immer wieder sprang die neue deutsche Tennisheldin auf und feuerte ihre Teamkolleginnen an. Die Aura der Grand-Slam-Siegerin übertrug sich jedoch nicht auf Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld. Das Duo verlor gestern das entscheidende Doppel gegen die Schweiz, nach der 2:3-Niederlage droht den deutschen Fed-Cup-Frauen der Abstieg aus der Weltgruppe.

Es wäre ein herber Dämpfer für die Euphorie, die Kerber mit ihrem Triumph in Melbourne ausgelöst hatte. Ihr Erfolg wurde zumindest in Leipzig zum Fluch. "Angie ist heute an der Belastung gescheitert. Sie tat mir zwischendurch leid", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner : "Natürlich überwiegt jetzt die Enttäuschung, eigentlich gehören wir mit unserem Team ins Halbfinale."

Die Weltranglistenzweite Kerber hatte in ihrem zweiten Einzel den Strapazen der vergangenen Tage Tribut gezollt: Jetlag, Party- und Medienmarathon hatten ihre Spuren hinterlassen. Kerber, die am Samstag gegen Timea Bacsinszky noch deutlich gewonnen hatte, meinte: "Ich habe versucht, die Energie des Publikums und des Teams mitzunehmen, aber letztlich war der Akku einfach leer." Gegen die überragende Belinda Bencic unterlag sie von Oberschenkelschmerzen geplagt mit 6:7 (4:7) und 3:6. Die Hoffnungen auf den dritten Halbfinaleinzug nacheinander waren so gut wie dahin.

Zur großen Freude der 4200 Zuschauer in der ausverkauften Leipziger Messehalle sprang Annika Beck in die Bresche. Die 21-Jährige war für die schwache Petkovic zum Einsatz gekommen und gewann prompt ihr erstes Fed-Cup-Einzel gegen die Weltranglisten-15. Bacsinszky (7:5, 6:4). La Ola schwappte über die Tribünen. "Das war der Wahnsinn. Die Stimmung hat mich ins Ziel getragen", sagte Beck.

Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt vor dem Doppel, in das Petkovic und Grönefeld allerdings als krasse Außenseiter gingen. Auf der anderen Seite des Netzes standen immerhin die Weltranglisten-Erste Martina Hingis und die hoch veranlagte Bencic, gegen die Petkovic bereits zum Auftakt am Samstag im Einzel verloren hatte. Nach einem gelungenen Start nahm die Partie ihren erwartbaren Verlauf, das deutsche Duo unterlag 3:6, 2:6 und wartet nun auf den Gegner für die Relegation. Morgen wird ausgelost, auf die Auswahl von Teamchefin Rittner wartet am 16. und 17. April voraussichtlich die nächste schwierige Aufgabe. Enttäuschend verlief das Fed-Cup-Wochenende für den Deutschen Tennis-Bund (DTB) in einer weiteren Hinsicht: Sieben Tage nach Kerbers Erfolg Down Under sahen am Samstag nur 440 000 Zuschauer ihr Match, dabei hatte Medienpartner Sat.1 die Partie ins Hauptprogramm gehoben. Am gestrigen Sonntag schob der Sender die Entscheidung dann wieder in sein Spartenprogramm zu Sat.1 Gold. Von einem Tennis-Boom war plötzlich keine Rede mehr.

Aber auch, wenn sie nicht wie erhofft zwei Punkte holte - Kerber gewann in Leipzig viele Sympathien. Die vergangenen Tage waren für sie wie ein Schnellkurs in der Entwicklung von der zurückhaltenden Top-Zehn-Spielerin zum viel beachteten Star gewesen. Jetzt will sich Kerber aber erst mal eine Pause gönnen - und freut sich auf ihre Couch. "Ich werde einfach nur daliegen und mir noch mal durch den Kopf gehen lassen, was passiert ist", sagte sie.