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Saarlandlauf: Die Königsetappe war nichts für Schönwetter-Straßenläufer

Saarlandlauf : Nichts für Schönwetter-Läufer

Trotz frostig-nebligem Wetter kamen mehr als 90 Läufer zum zwölften Teilstück des Saarlandlaufes. Die Königsetappe führte am Sonntag von Saarhölzbach nach Orscholz und war mit 20 Kilometern und 620 Höhenmetern anspruchsvoll.

Die fröhliche Stimmung bei der Halbzeit-Etappe des Saarlandlaufes am vierten Advent nach Weiskirchen war einfach ansteckend. „Da läufst Du mit“, war mir schnell klar. Nun bei der Königs-Etappe von Saarhölzbach nach Orscholz war es soweit, als „laufender Reporter“ für die Saarbrücker Zeitung bin ich erstmals selbst auf der Strecke unterwegs.

Ausgerechnet die Bergetappe mit 620 Höhenmetern auf knapp 20 Kilometern habe ich mir dafür ausgesucht. Bergläufe und Marathons kennt mein Körper zwar, doch mit den Jahren ist er nicht mehr ganz so fit wie früher. Also lieber für die langsame Gruppe anmelden, sollen die Jüngeren und Fitteren doch vorneweg laufen. Mit fast 90 weiteren Lauf-Enthusiasten treffe ich mich am Sonntag um 9 Uhr in der Gemeinschaftsschule in Orscholz. Draußen ist es neblig und frostig, aber hier drinnen sind alle gut gelaunt. Für Geburtstagskind Doris Thomas gibt’s schon am frühen Morgen ein Ständchen.

Dann geht es in die Busse nach Saarhölzbach. Organisator Dirk Eichler-Uebel gibt gemeinsam mit Markus Krempchen von Athletic Orscholz, dem heutigen Strecken-Verantwortlichen, noch ein paar Hinweise. Orangene Pfeile und Lauf-Guides sorgen dafür, dass sich niemand verläuft.

Kurz vor 10 Uhr starten die Schnellsten mit Markus Krempchen an der Spitze, nehmen direkt die ersten Höhenmeter in Angriff. Kurz darauf folgt die mittlere Gruppe, darunter Sven Glesius von den Hochwald-Runners aus Weiskirchen. Dann folgen „die letzten fünf Mohikaner“, die an allen bisherigen zwölf Etappen des Saarlandlaufs teilgenommen haben: Astrid Blasius, Eveline und Bertin Dillinger, Reinhold Honecker mit Dirk Eichler-Uebel.

Kurz danach machen sich die nicht ganz so Schnellen auf den Weg, im ersten Anstieg geht es vom Laufschritt ins Schritt-Tempo. Immerhin geht es schon auf den ersten zwei Kilometern auf den 300 Meter hohen Herrgottsstein. Danach folgen eine Passage über Stock und Stein sowie Treppenstufen runter nach Mettlach. „Wir müssen bekloppt sein, warum tun wir uns das an“, frotzelt eine Läuferin neben mir. Dabei scheint es auch ihr richtig gut zu gefallen.

In Mettlach geht es vorbei an Schloss Ziegelberg, am Firmensitz von Villeroy & Boch, an der Alten Abtei. Viele bleiben stehen, um die Sehenswürdigkeiten an der Strecke zu fotografieren. An der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Lutwinus ist es schon wieder vorbei mit gemütlich, es folgt der Anstieg hoch zur Burg Montclair. Und der hat es mit teilweise 15 bis 20 Prozent in sich. Dafür werden wir unterwegs mit traumhaften Ausblicken Richtung Saar belohnt. Anke Braun aus Bexbach erzählt mir im Anstieg, dass sie am Vortag bereits 15 Kilometer gelaufen ist. Die 55-Jährige trainiert für den ersten Marathon ihres Lebens. „Lieber spät anfangen, als es überhaupt nicht versuchen“, lautet ihre Devise. Gemeinsam mit ihren Laufkollegen Petra und Michael Helfen von der LG Bexbach wird sie im April beim Paris-Marathon starten. Ich bin mir sicher: „Anke packt es.“

Nach einem kurzen Stopp an der Burg geht‘s über schmale Pfade wieder runter an die Saar. An der Staustufe warten einige Helfer mit Riegeln und Obst sowie warmen Getränken. Frisch gestärkt nehmen wir den sieben Kilometer langen Anstieg zur Cloef in Angriff. Erneut müssen wir zweistellige Steigungs-Prozente bewältigen. Ich merke, dass meine Kräfte schwinden, ich bin an meinen Grenzen. Nur noch wenige Läufer sind jetzt hinter mir.

 Der Einstieg in den Anstieg: Auf den steilen Passagen von der Saar hoch zur Cloef wurde aus Laufen oft ein Wandern.
Der Einstieg in den Anstieg: Auf den steilen Passagen von der Saar hoch zur Cloef wurde aus Laufen oft ein Wandern. Foto: ajk

Direkt vor mit laufen Ellen und ihre Freundin mit ihren zwei Hunden. Die 71-jährige Ellen aus Orscholz ist echt fit, ich habe wirklich Mühe dran zu bleiben. Als ich an der Cloef ankomme, will sie gerade schon weiterlaufen zum Ziel. „Halt, wir machen noch ein Erinnerungsfoto“, rufe ich, dann ist sie aber schon wieder weg. Ich quäle mich den letzten Kilometer zurück ins Ziel an der Gemeinschaftsschule. Nur einer kommt noch kurz hinter mir mit dem Besenrad an: Werner Zipfler aus Michelbach. „Ich laufe mein Tempo, lasse mich nicht hetzen“, hatte Zipfler schon am Start angekündigt. Er hat schon an elf Etappen teilgenommen, verzichtet sogar auf den Kaltenstein-Cross quasi vor der eigenen Haustür. Nicht nur bei ihm heißt es „Das Erlebnis geht vor dem Ergebnis.“