Eine schallende Ohrfeige für die alte LSVS-Spitze

Kolumne Saarsport-Tribüne : Eine schallende Ohrfeige für die alte LSVS-Spitze

Die außerordentliche Mitgliederversammlung beim Landessportverband für das Saarland brachte viele Überraschungen mit sich. Arrivierte Funktionäre, etwa aus dem Fußball, haben an Einfluss verloren, die Leichtathleten und die Turner drängen nach vorne. Eine Zeitenwende deutet sich an.

Was sich am Sonntag bei der Mitgliederversammlung des Landessportverbandes für das Saarland abgespielt hat, lässt sich getrost als sportpolitisches Erdbeben an der Saar beschreiben. Die erstmalige Wahl eines Aufsichtsrates für den LSVS, der bald das alte Präsidium ersetzen wird, förderte ein Ergebnis zutage, mit dem vor allem die arrivierten Sportfunktionäre so gar nicht gerechnet hatten. Und vor allem bedeutet das Ergebnis eine Absage an ein „Weiter so“ der großen und einflussreichen Verbände, die jahrelang die Führungsposten unter sich ausgemacht hatten – und unter dem Strich auch mit dafür Verantwortung tragen, dass es zum LSVS-Finanzskandal kommen konnte.

Gehen wir ins Detail, fällt auf, dass insbesondere der Saarländische Leichtathletik-Bund als der große Gewinner der Wahl bezeichnet werden muss. Ausgerechnet die Leichtathleten um ihre unbeugsame Vizepräsidentin Monika Schwarz, in den vergangenen Monaten die größte Kritikerin des LSVS-Präsidiums, stellen nun mit Heinz König, Margit Jungmann und Margret Klein-Raber ein Drittel des Aufsichtsrats.

Zwar war König, der später zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt wurde, vom Saarländischen Bergsteiger- und Skiläuferbund nominiert worden. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass König der Leichtathletik extrem verbunden ist, im übrigen sogar ein Vizepräsidentenamt im deutschen Dachverband bekleidet. König schlug die Altpräsidiumsmitglieder Bodo Wilhelmi und Frank Liedke. Dass sich Jungmann vom LC Rehlingen anschließend zur Wahl der Stellvertreterin stellte und diese klar gegen Liedke gewann, war ein taktisch herausragendes Manöver. Jungmanns Wahlsieg war der zweite Teil einer schallenden Ohrfeige der Mitgliederversammlung an die alte Spitze.

Adrian Zöhler ist einer der Verlierer von Sonntag. Foto: Andreas Schlichter

Apropos alte Spitze: LSVS-Präsident Adrian Zöhler, der für den Aufsichtsrat kandidierte, erhielt mit 156 Stimmen ein eher mäßiges Ergebnis. Sein Vize Bodo Wilhelmi schaffte es mit 126 Stimmen gerade so im ersten Wahlgang in den Aufsichtsrat. Dass Zöhler kein Aufsichtsratsvorsitzender werden wollte, hatte er vor der Versammlung schon angekündigt. Er wolle seine ganze Kraft dem saarländischen Fußball widmen – dort steht im März ein vorgezogener Verbandstag an, bei dem ein neuer Präsident gewählt wird.

Die Chancen von Zöhler, dort zum Chef des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV) gewählt zu werden, sind seit Sonntag aber sicher nicht gestiegen. Sein mäßiges Ergebnis und die Tatsache, dass mit Adalbert Strauß der zweite Kandidat des SFV – also Zöhlers Mann – mit Pauken und Trompeten durchfiel und gerade mal 63 Stimmen erhielt, belegt diese These. Fakt ist auch, dass der Einfluss des Fußballs im LSVS schwindet. Zöhlers Herausforderer im SFV, Udo Hölzer und Thorsten Klein, werden es zur Kenntnis nehmen.

Zweite große Gewinner sind die Turner. Mit Andreas Julien und Christian Maas sitzen künftig zwei Vertreter der olympischen Kern­sportart im Aufsichtsrat. Der Saarländische Turnerbund (STB) kann zwei starke Stimmen gebrauchen – schließlich ist der STB einer der Verbände, die am ärgsten unter der LSVS-Krise gelitten haben und noch leiden. Es sei nur an die dringend notwendige Renovierung der Turnhalle erinnert, die wegen des Finanzskandals beim LSVS abgeblasen werden musste.

König und seinen acht Mitstreitern wird nun die Aufgabe zuteil, zwei hauptamtliche Vorstände zu suchen, die künftig die Geschäfte des LSVS führen sollen. Intern kursieren nach SZ-Informationen schon Namen von Kandidaten, die von der alten LSVS-Führung favorisiert werden – trotz aller Beteuerungen des Präsidiums, sich da­rüber bisher noch keine Gedanken gemacht zu haben. König soll aber dem Vernehmen nach auf diese Empfehlungen nicht hören, will stattdessen ein objektiviertes Auswahlverfahren und rein nach der Qualifikation der Bewerber gehen. Sollte ihm das gelingen, wäre ein Schritt zum echten Neuanfang beim LSVS gemacht.