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Basketball-Bundesliga
Royals-Krimi bringt Calmund aus der Ruhe

 Das Heimspiel der Saarlouis Royals gegen die ChemCats Chemnitz war Abstiegskampf pur. Am Ende konnte sich Saarlouis, hier Kimberly Pohlmann gegen die Chemnitzerin Jasmine Smith, mit 73:68 durchsetzen.
Das Heimspiel der Saarlouis Royals gegen die ChemCats Chemnitz war Abstiegskampf pur. Am Ende konnte sich Saarlouis, hier Kimberly Pohlmann gegen die Chemnitzerin Jasmine Smith, mit 73:68 durchsetzen. FOTO: Andreas Schlichter
Saarlouis. Saarlouis gewinnt vor den Augen des Ex-Fußball-Managers das Abstiegsduell der Basketball-Bundesliga gegen Chemnitz mit 73:68. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Reiner Calmund rieb sich mit einer Hand über das rechte Knie. Noch drei Minuten waren gestern zwischen den Saarlouis Royals und den Chemcats Chemnitz zu spielen. Calmund hatte den Abstiegskrimi der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) in der Stadtgartenhalle in meditativer Ruhe verfolgt. Neben der Trainerbank der Royals, die als Tabellenletzter gegen den Vorletzten enorm unter Druck standen.


Plötzlich war auch Calmund, der als Fußball-Manager so ziemlich alles erlebt hat, der Verlauf dieses Spiels anzumerken. Der Wahl-Saarlouiser rieb sich wieder übers Knie, bewegte den rechten Fuß rhythmisch auf und ab, blickte zur Anzeigetafel. Dann ertönte die Schlusssirene, die Royals hatten gerade mit 73:68 gewonnen, waren in der Tabelle an Chemnitz vorbeigezogen. Während die Zuschauer stehend applaudierten, blieb Calmund noch kurz sitzen. „Das war an Spannung besser als ein Hitchcock“, sagte der 70-Jährige.

Tatsächlich war die Schlussphase in der Stadtgartenhalle nichts für schwache Nerven. Drei Minuten vor dem Ende lag Saarlouis zurück. Dann holte die US-Amerikanerin Ariel Hearn einen Rebound unter dem eigenen Korb, zog dribbelnd über das gesamte Feld – und erzielte das 67:65. Die Spielmacherin markierte auch die nächsten vier Punkte, diesmal durch Freiwürfe. Damit führten die Royals genau 35 Sekunden vor Schluss mit 71:66. Eine gute halbe Minute, in der noch alles möglich zu sein schien – mit dem besseren Ende für Saarlouis. „Das ist fürchterlich, da kaue ich immer an den Fingernägeln, bin super nervös“, gewährte Nationalspielern Nadjeschda Ilmberger einen Einblick in ihr Innenleben während dieser unendlichen Momente. „Wir wussten die ganze Woche, dass es nur ums Gewinnen geht – und wir wollten es dann einfach mehr.“



Chemnitz hatte in den ersten Minuten konzentrierter gewirkt. Schnell lagen die Royals mit 0:6 zurück. Nach zweieinhalb Minuten nahm Trainer Ondrej Sykora die erste Auszeit. Seine Mannschaft schien mit dem Gewinnen-müssen schwerer klarzukommen. Einmal wandte sich Sykora vom Spielfeld ab, er drehte sich zur Bank, streckte die Hände ratlos von sich. Hinterher sagte der Trainer: „Das war alles nicht tragisch.“ Angela Rodriguez hielt die Royals in dieser Phase im Spiel. Ganz alleine. Sie verwandelte erst zwei, schließlich drei Dreier – bei nur einem Fehlwurf. So stand es zum Schluss des ersten Viertels immerhin 20:20.

Danach blieb das Kellerduell eine enge Partie, wobei Chemnitz immer wieder mit zwei Punkten vorne lag. Bis Helena Eckerle in der eigenen Hälfte sehenswert einen langen Ball klaute, nach vorne durchmarschierte – und unter dem Korb klug auf Rodriguez ablegte. Wieder ein Dreierwurf, wieder drin – der zwischenzeitliche Ausgleich. Kurz darauf gelang Eckerle die Führung. Zur Halbzeit stand es 37:35 für Saarlouis.

Zwei Ballverluste der bis dahin glücklosen Ilmberger nutzte Chemnitz direkt nach der Pause eiskalt aus. Die Chemcats punkteten jetzt wie zu Spielbeginn. Mitte des dritten Viertels lag Saarlouis mit neun Zählern hinten – ließ aber nicht locker. Rodriguez schaffte nach einem Steal das 55:55 aus der Distanz. „Da geht noch was“, rief der Hallensprecher. Doch es war vor allem Ilmberger, die in diesen Minuten sinnbildlich für ihre Mannschaft stand. Sie zeigte sich nun nervenstark, machte sechs Zähler in kurzer Folge. Wobei den Royals die wichtigen Punkte vor allem an der Freiwurflinie gelangen.

Chemnitz profitierte von der Treffsicherheit der US-Amerikanerin Maya Hood, der 26 Punkte und 14 Rebounds gelangen. Bei den Royals war Ilmberger die beste Werferin (17 Punkte), gefolgt von Rodriguez (15), Hearn (14) und Bronaza Fitzgerald, die ein Double-Double (13 Punkte, 15 Rebounds) schaffte. Die breite Statistik bestätigte Trainer Sykora: „Der Teamcharakter war heute das Wichtigste“, sagte er.