Neue Projekte im Kopf

DFB-Chef Wolfgang Niersbach erwartet noch vor dem Urlaub ein klares Signal von Bundestrainer Joachim Löw über dessen Zukunft. Mit dem Weltmeister-Trainer sollen erste EM-Weichen gestellt werden.

Ein öffentliches Bekenntnis von Joachim Löw zum Bundestrainer-Amt steht weiter aus - das nächste große Projekt wartet aber schon auf den innerlich aufgewühlten Weltmeister . Noch vor dem Ferienstart des 54-jährigen Löw will DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mit seinem Wunschtrainer für Klarheit sorgen und sogar die ersten Weichen Richtung EM 2016 in Frankreich stellen. "Wir wollen uns jetzt wahrscheinlich nächste Woche nochmal in Ruhe zusammensetzen und die Planungen angehen, bevor er in den Urlaub geht", kündigte Niersbach an.

Der 63 Jahre alte Verbandschef tritt seit dem WM-Finale in Rio de Janeiro praktisch als Einzelkämpfer allen Spekulationen um Löw entgegen - und das mit unerschütterlicher Standfestigkeit. Ein Szenario wie bei Kapitän Philipp Lahm , der den Verbandschef mit seinem Rückzug aus der deutschen Nationalmannschaft "perplex" gemacht hatte, kann und will sich Niersbach bei Löw nicht ausmalen. "Beide, er und ich, sind total entspannt", versicherte der DFB-Präsident. "Wir wollen weiter zusammenbleiben, weil es wunderbar passt, fachlich, menschlich, atmosphärisch", beteuerte der Verbandsboss.

Für Niersbach ist es keine Frage, dass Löw beim Neustart am 3. September in Düsseldorf wieder gegen Argentinien sowie vier Tage später im ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland in Dortmund der Chef sein wird: "Die Dinge sind geklärt. Und es ist klar, wer dann auf der Bank sitzen wird." Niersbach betonte zudem: "Wir haben nicht nur das Wort, wir haben den Vertrag." Dieser war mit Löw schon weit vor der WM in Brasilien bis Mitte 2016 verlängert worden.

Die Motivationsfrage stellt sich für Niersbach beim Bundestrainer nicht. Dieser habe selbst "die Parallele" zu Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque gezogen. Del Bosque hatte nach dem WM-Titel 2010 ebenfalls zwei Jahre später die EM mit der spanischen Auswahl gewonnen. "Das ist auch das Ziel von Joachim Löw ", sagte Niersbach.

Eine der ersten Aufgaben wird die Suche nach einem Nachfolger für Co-Trainer Hansi Flick sein. Der 49-Jährige wechselt auf den vakanten Posten des DFB-Sportdirektors. Löw hat das Vorschlagsrecht für den neuen Assistenten. Die Tendenz gehe zu einem Mann aus dem verbandseigenen Nachwuchstrainer-Bereich, verriet Niersbach: "Es könnten auch zwei sein."

Für Löw öffnen sich neue Ansatzpunkte und sogar Baustellen, die er in den kommenden Monaten bearbeiten könnte. Er müsste einen neuen Kapitän bestimmen, vor allem aber einen Nachfolger für Alleskönner Lahm auf dem Spielfeld finden. "Wir haben auf drei Positionen insgesamt Probleme. Das sind die beiden Außenverteidiger und die klassischen Stürmer", erklärte Niersbach.

Der WM-Titel motiviertaber auf jeden Fall zu neuen Zielen. Man werde sich "nicht zurücklehnen", kündigte Niersbach an: "Wir wollen nicht wieder 24 Jahre warten, um Weltmeister zu werden." Ein "ganz großes Ziel" sei es, in zehn Jahren die EM-Endrunde auszurichten. "Wir wollen wieder ein Sommermärchen in Deutschland erleben", sagte der DFB-Chef. Löw wäre dann 64 Jahre - immer noch deutlich vor dem Rentenbeginn mit 67.

Zum Thema:

AM RandeChristoph Kramer hat vom Zusammenprall mit dem Argentinier Ezequiel Garay keine schlimmere Verletzung davongetragen. Sein Arzt habe eine Gehirnerschütterung und eine Prellung des Kiefers diagnostiziert, sagte Kramer. Der 23-Jährige hat sich das Spiel noch einige Male angesehen, aber die Lücken blieben: "Ab dem Zusammenprall weiß ich nichts mehr, bis ich in der Kabine aufgewacht bin. Dass ich noch so lange weitergespielt habe, davon weiß ich gar nichts mehr", sagte Kramer, der in der 17. Minute hart am Kopf getroffen und in der 32. ausgewechselt worden war. sid