Triumph mit Makel

Matthias Rath sorgte mit seiner kurzfristigen Kür-Absage beim CHIO in Aachen für Wirbel. Das herausragende Auftreten des Millionen-Pferdes Totilas bekam dadurch Kratzer ab.

Erst die umjubelte Rückkehr. dann der Eklat um den Kür-Rückzug: Matthias Rath und Totilas haben beim CHIO in Aachen am Ende doch noch Sympathien eingebüßt. "Ich bin enttäuscht", sagte CHIO-Sportdirektor Frank Kemperman: "Wir haben alles getan, damit sich die Dressur-Reiter hier wohl fühlen - und dann diese Absage."

Rath begründete seinen Rückzug mit den hohen Anforderungen der vergangenen Wochen. Der Hengst habe seit Mai acht Prüfungen absolviert, jeweils über 82 Prozent. "Er hat mehr gemacht als die meisten anderen Pferde", sagte Rath. "Die Bundestrainerin hat ihn gefragt, willst du die Kür noch reiten", berichtete Totilas-Mitbesitzer Paul Schockemöhle, in Aachen immer an der Seite von Rath: "Wir müssen das jetzt nicht ausreizen."

Ein wenig riecht der Vorgang nach Sonderregel. Während die anderen Paare bei der letzten WM-Sichtung alle in drei Disziplinen starten, kann Totilas pausieren. Jetzt fährt er zur WM, obwohl er in den letzten zwei Jahren nicht eine Kür in der Öffentlichkeit gezeigt hat. "Das ist nicht das Problem. Ich werde die Kür zu Hause üben. Es wird auch eine neue Kür sein, die ist übrigens fertig", sagte Rath und widersprach Gerüchten, wonach der Vortrag noch nicht einstudiert sei.

Kemperman drohte dagegen sogar mit Konsequenzen und verwies auf die Ausschreibung. Dort hieß es, die besten 15 Paare des Specials müssten in der Kür gehen - und Totilas gewann den Special. Allerdings dürfen nur drei Paare pro Nation starten. Und da Deutschland vier Paare unter den ersten Sechs platzierte, "darf Totilas pausieren", stellte Dietrich Plewa, Vorsitzender der Ground Jury, fest. "Das ist natürlich enttäuschend für das Publikum", räumte Bundestrainerin Monica Theodorescu ein: "Wir haben Verständnis für die Zuschauer, aber wir müssen auch Verständnis für das Pferd haben."

Für seine Aachen-Rückkehr nach zweijähriger Pause wegen Krankheit und Verletzung hatte sich der 29-jährige Rath in der Tat auf Grand Prix und Special konzentriert und damit zunächst voll richtig gelegen. Im Grand Prix schockte das Paar die Weltelite und führte die deutsche Equipe mit über 82 Prozent zum Sieg im Nationen-Preis. Im Special am Samstag setzte Rath noch einen drauf und siegte mit 84,529 Punkten. "In vier Wochen bei der WM ist das eine Medaille", sagte Rath forsch und strotzte vor Selbstvertrauen. Theodorescu kam auch nicht umhin, den Rückkehrer für die WM Ende August in Frankreich zu nominieren.

In Abwesenheit von Totilas gewann Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit Valegro die Kür mit 87,900 Prozent. Hinter der Britin kam Helen Langehanenberg mit Damon Hill (86,025) auf Platz zwei. Die Plätze drei und vier belegten Isabell Werth mit Bella Rose (85,100) und Kristina Sprehe mit Desperados (83,150). Alle drei deutschen Damen sind ebenfalls für die WM nominiert und werden ein Trainingslager auf dem Peterhof in Perl-Borg absolvieren. Christian Ahlmann hat den mit einer Million Euro dotierten Großen Preis von Aachen gewonnen. Der Springreiter aus Marl siegte gestern mit Codex One im Stechen und durfte sich über eine Siegprämie von 350 000 Euro freuen. Zweiter wurde Kent Farrington (USA) mit Voyer, Platz drei ging an Marcus Ehning (Borken) mit Plot Blue. Ahlmann benötigte mit Codex One im Stechen nur 46,59 Sekunden für seinen Nullfehlerritt. Ferrington hatte mit Voyer genauso wie Ehning auf Plot Blue einen Fehler.

Überschattet wurde das Springen vor 45 000 Zuschauern in der ausverkauften Aachener Reitarena von einem schweren Sturz der Münsteranerin Katrin Eckermann mit Firth of Lorne am Wassergraben. Die Reiterin hatte Glück und zog sich nur einen Schlüsselbeinbruch zu, ihr Pferd trug Stauchungen davon.

Auch das Vielseitigkeitsreiten wurde von den Deutschen dominiert, die sich zum dritten Mal hintereinander den Nationenpreis sicherten. Das Team setzte sich am Samstag nach dem Geländeritt mit 129,00 Strafpunkten durch. In der Einzelwertung gewann Sandra Auffarth mit Opgun Louvo. Auffarth hatte 2013 den Sieg um eine Sekunde verpasst, dieses Mal war sie schnell genug. Für einen deutschen Dreifach-Erfolg sorgten Ingrid Klimke mit Escada (40,20) und Michael Jung mit Sam (41,20).